Forschungssicherheit bei Visa

Deutschland prüft Forschungsvisa aus China strenger – rund 400 Anträge scheiterten 2025

Reisepass und Visumantrag neben Unterlagen zu Studium und Forschung auf einem Schreibtisch.
Symbolbild: KI-generiert. Deutschland prüft Studien- und Forschungsvisa aus China auch unter Sicherheitsaspekten; 2025 wurden nach Medienrecherchen rund 400 Anträge abgelehnt.

Deutschland hat 2025 nach Recherchen von WDR, NDR und Süddeutscher Zeitung rund 400 Studien- und Forschungsvisa chinesischer Staatsangehöriger abgelehnt. Sicherheitsbedenken spielten dabei nach Angaben aus Sicherheitskreisen eine zentrale Rolle. Die große Mehrheit der Anträge wurde dennoch genehmigt – und die Zahlen sagen ausdrücklich nicht, dass sämtliche abgelehnten Bewerber unter Spionageverdacht standen.

Berlin, 10. September 2026. Deutsche Behörden prüfen Studien- und Forschungsvisa aus China offenbar deutlich strenger als noch vor wenigen Jahren. Nach gemeinsamen Recherchen von WDR, NDR und Süddeutscher Zeitung wurden im Jahr 2025 rund 400 entsprechende Visaanträge abgelehnt. Betroffen waren sowohl Wissenschaftler und Forscher als auch Studierende, die für einen Aufenthalt nach Deutschland kommen wollten.

Die Zahl ist hoch genug, um aufzufallen. Sie verlangt aber nach genauer Einordnung. Eine abgelehnte Einreise ist kein Beleg für Spionage, und aus den verfügbaren Daten lässt sich auch nicht ableiten, dass gegen alle Betroffenen ein konkreter Verdacht bestanden hätte. Belastbar ist vielmehr, dass Sicherheitsbedenken bei der Prüfung chinesischer Studien- und Forschungsvisa an Bedeutung gewonnen haben.

Rund 400 Visa aus China im Jahr 2025 abgelehnt

Nach der Recherche wurden 2025 rund 200 Visaanträge chinesischer Forscher und Wissenschaftler abgelehnt. Gleichzeitig seien etwa 2.100 Anträge in diesem Bereich erfolgreich gewesen. Hinzu kamen demnach rund 200 Ablehnungen bei chinesischen Studierenden. Insgesamt habe es dort ungefähr 9.000 Anträge gegeben.

BereichAblehnungen 2025Weitere bekannte Größenordnung
Forschung und Wissenschaftrund 200rund 2.100 erfolgreiche Anträge
Studiumrund 200insgesamt etwa 9.000 Anträge

Die Zahlen zeigen zugleich, dass die weit überwiegende Mehrheit der chinesischen Antragsteller weiterhin ein Visum erhielt. Von einem generellen Stopp chinesischer Studierender und Wissenschaftler kann deshalb keine Rede sein. Die Entwicklung deutet vielmehr auf eine stärkere Sicherheitsprüfung in bestimmten Fällen hin.

Entscheidend ist auch, woher die Zahlen stammen. Es handelt sich nicht um eine regulär veröffentlichte Statistik des Auswärtigen Amts. WDR, NDR und Süddeutsche Zeitung berufen sich auf Angaben aus Sicherheitskreisen. Eine vollständige amtliche Jahresübersicht, in der Ablehnungen nach Herkunft, Aufenthaltszweck und Begründung öffentlich ausgewiesen werden, liegt für diesen Bereich nicht vor.

Warum die Gründe für Ablehnungen nur begrenzt nachvollziehbar sind

Schon eine Antwort der Bundesregierung aus dem Jahr 2023 zeigt, wie schwer die Datenlage zu beurteilen ist. Damals erklärte die Bundesregierung auf eine parlamentarische Anfrage, dass die Gründe für abgelehnte Visa statistisch nicht umfassend erfasst würden. Teile der Angaben zu Forschungsvisa chinesischer Staatsangehöriger wurden zudem als Verschlusssache behandelt.

Damit bleibt offen, welcher konkrete Ablehnungsgrund in wie vielen der rund 400 Fälle ausschlaggebend war. Die aktuelle Recherche nennt Sicherheitsbedenken als zentralen Faktor. Eine öffentlich zugängliche Aufschlüsselung, aus der hervorgeht, wie viele Anträge wegen Sicherheitsrisiken, formaler Mängel oder anderer Gründe scheiterten, gibt es jedoch nicht.

Genau deshalb wäre die verkürzte Aussage, Deutschland habe 400 mutmaßlichen Spionen die Einreise verweigert, sachlich falsch. Die bekannten Zahlen belegen verschärfte Prüfungen – nicht 400 nachgewiesene oder konkret identifizierte Spionagefälle.

Verfassungsschutz warnt vor Wissenschafts- und Technologiespionage

Der sicherheitspolitische Hintergrund ist deutlich besser dokumentiert als die einzelnen Visafälle. Das Bundesamt für Verfassungsschutz warnt seit Jahren vor chinesischer Wissenschafts- und Technologiespionage sowie vor dem gezielten Abfluss von Know-how. Im Verfassungsschutzbericht beschreibt die Behörde China als einen Staat, der technisches Wissen, Forschungsleistungen und industrielle Fähigkeiten strategisch für die eigene wirtschaftliche und geopolitische Entwicklung nutzbar machen will.

Besondere Aufmerksamkeit gilt Forschungsfeldern, die sowohl zivil als auch militärisch eingesetzt werden können. Dazu zählen unter anderem:

  • Künstliche Intelligenz,
  • Quantentechnologie,
  • Biotechnologie,
  • Hyperschalltechnik und
  • Überwachungs- und sicherheitsrelevante Technologien.

Nach Einschätzung der Sicherheitsbehörden geht es dabei nicht allein um klassische Nachrichtendienstarbeit. Wissen kann auch über Forschungskooperationen, gemeinsame Projekte, Hochschulpartnerschaften oder die gezielte Anwerbung qualifizierter Fachkräfte abfließen. Gerade offene Wissenschaftssysteme stehen deshalb vor einem schwierigen Balanceakt: Internationale Zusammenarbeit soll möglich bleiben, sicherheitsrelevantes Know-how zugleich besser geschützt werden.

Kein Generalverdacht gegen chinesische Studierende und Forscher

Aus den Warnungen der Sicherheitsbehörden lässt sich kein pauschaler Verdacht gegen chinesische Wissenschaftler oder Studierende ableiten. Die Bundesregierung erklärte bereits 2023, dass sich nicht beziffern lasse, wie viele chinesische Gastwissenschaftler mit einem konkreten Spionageauftrag nach Deutschland gekommen seien.

Diese Unterscheidung ist zentral. Sicherheitsbedenken im Visumverfahren sind nicht gleichbedeutend mit einem nachgewiesenen Spionagefall. Eine Behörde kann einen Antrag aufgrund einer Risikobewertung ablehnen, ohne dass gegen die betreffende Person ein strafrechtlicher Verdacht vorliegen muss.

Das Auswärtige Amt betont grundsätzlich, dass Visumentscheidungen im Einzelfall getroffen werden. Sicherheitsaspekte können dabei berücksichtigt werden. Welche Informationen im konkreten Fall in eine Entscheidung einfließen und wie einzelne Risiken gewichtet werden, wird jedoch nicht im Detail öffentlich gemacht.

Forschungssicherheit wird zum politischen Thema

Die strengere Prüfung chinesischer Studien- und Forschungsvisa steht nicht isoliert. Deutschland baut parallel seine Strukturen für Forschungssicherheit aus. Eine Nationale Plattform für Forschungssicherheit soll im Herbst 2026 starten. Sie soll Hochschulen und Forschungseinrichtungen dabei unterstützen, Risiken internationaler Kooperationen besser einzuschätzen.

Auch im Bundestag haben Sicherheitsbehörden zuletzt vor Gefahren für Wissenschaftseinrichtungen gewarnt. Im Fokus stehen Cyberangriffe ebenso wie der mögliche Abfluss sensibler Informationen über persönliche Kontakte, Forschungsprojekte oder institutionelle Kooperationen.

Andere westliche Staaten verfolgen ähnliche Ansätze. Die USA beschränkten bereits vor Jahren die Einreise bestimmter chinesischer Studierender und Forscher mit Verbindungen zur chinesischen Strategie der militärisch-zivilen Fusion. Auch Großbritannien setzt in sensiblen wissenschaftlichen Bereichen auf spezielle Sicherheitsprüfungen.

Der gemeinsame Nenner: Forschungsfreiheit und internationale Vernetzung bleiben politisch gewollt, doch die Sicherheitsprüfung rückt näher an Hochschulen, Forschungseinrichtungen und Visastellen heran.

Die eigentliche Veränderung liegt in der Risikoprüfung

Die rund 400 abgelehnten Studien- und Forschungsvisa aus China stehen damit für eine Verschiebung im Umgang mit internationaler Wissenschaft. Deutsche Behörden prüfen mögliche Sicherheitsrisiken offenbar intensiver, besonders dort, wo Forschungsgebiete technologisch oder militärisch sensibel sind.

Die Zahlen belegen jedoch weder einen pauschalen Spionageverdacht noch einen Bruch mit der wissenschaftlichen Zusammenarbeit mit China. Sie zeigen vielmehr, dass Forschungssicherheit inzwischen stärker in Entscheidungen einfließt, die früher vor allem als Fragen von Studium, Mobilität und wissenschaftlichem Austausch betrachtet wurden.

Wie stark sich diese Entwicklung in den kommenden Jahren fortsetzt, hängt auch davon ab, wie präzise Deutschland zwischen legitimer wissenschaftlicher Kooperation und tatsächlichen Sicherheitsrisiken unterscheiden kann. Genau dort liegt die entscheidende Herausforderung: Risiken zu erkennen, ohne aus Vorsicht einen Generalverdacht entstehen zu lassen.

Quellen

  1. Sorge vor Wissenschaftsspionage – Hunderte Visaanträge aus China abgelehntWDR, NDR und Süddeutsche Zeitung
  2. Verfassungsschutzbericht 2024Bundesamt für Verfassungsschutz
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