Preisoffensive im Kaffeegeschäft Cotti Coffee startet in Deutschland: Chinesische Billigmarke eröffnet Filialen in Berlin, Köln und Hamburg

10. Februar 2026 | 06:59 Uhr |

Berlin, 10. Februar 2026 – Morgens um acht, der erste Andrang. Pendler greifen zum Becher, Studierende tippen auf ihren Smartphones, Lieferfahrer warten kurz vor der Tür. Die Szene wirkt vertraut, doch das Logo über dem Eingang ist neu. In mehreren deutschen Innenstädten hat sich still eine Marke etabliert, die den Kaffeemarkt herausfordert.

Mit der Eröffnung erster Filialen in Berlin, Köln und Hamburg ist Cotti Coffee offiziell in Deutschland angekommen. Die junge chinesische Kaffeehauskette setzt auf ein radikal preisorientiertes Konzept, digitale Bestellprozesse und kleine, hochfrequentierte Standorte. Was auf den ersten Blick wie eine weitere Kaffeekette wirkt, folgt in Wahrheit einer klar kalkulierten Strategie: Kosten senken, Volumen steigern, Marktanteile gewinnen. Der Markteintritt in Deutschland gilt dabei als wichtiger Meilenstein für die internationale Expansion des Unternehmens – und als potenzieller Stresstest für eine Branche, die ohnehin unter Druck steht.

Ein junges Unternehmen mit rasantem Wachstum

Cotti Coffee wurde im August 2022 gegründet – zu einem Zeitpunkt, als der chinesische Kaffeemarkt bereits als hart umkämpft galt. Innerhalb kurzer Zeit wuchs die Kette auf mehrere tausend Filialen weltweit. Dieses Tempo ist ungewöhnlich, selbst in einer Branche, die Expansion gewohnt ist. Das Unternehmen positionierte sich von Beginn an nicht als gemütliches Café, sondern als funktionaler Anbieter für den schnellen Konsum.

Der internationale Markteintritt folgte zügig. Nach Standorten in Asien und weiteren Märkten wagte Cotti Coffee den Schritt nach Europa. Deutschland, mit seiner kaufkräftigen Bevölkerung und stark frequentierten Innenstädten, wurde früh als strategisch relevantes Ziel identifiziert. Die nun eröffneten Filialen markieren keinen Testballon, sondern einen klaren Markteintritt mit Wachstumsambitionen.

Digitalisierung statt Tresenromantik

Das Geschäftsmodell von Cotti Coffee unterscheidet sich deutlich von klassischen Kaffeehäusern. Bestellt wird in der Regel über eine App, bezahlt digital, abgeholt wenige Minuten später. Die Läden selbst sind klein, Sitzgelegenheiten selten. Der Fokus liegt auf Geschwindigkeit und Effizienz – nicht auf Atmosphäre.

Diese konsequente Digitalisierung senkt Kosten und erlaubt eine präzise Steuerung von Nachfrage, Preisen und Aktionen. Rabatte, zeitlich begrenzte Angebote und personalisierte Preisnachlässe gehören fest zum Konzept. Für Kundinnen und Kunden bedeutet das: Kaffee wird zur Alltagsware, nicht zum Erlebnisprodukt.

Der Preis als zentrales Argument

Besonders auffällig ist die aggressive Preisstrategie. Ein Espresso für unter einen Euro, Cappuccino und andere Klassiker deutlich unter dem Preisniveau vieler Wettbewerber – Cotti Coffee positioniert sich klar als Billigmarke. In einem Markt, in dem steigende Mieten, höhere Löhne und teurere Rohstoffe die Preise nach oben treiben, ist das ein bewusster Gegenentwurf.

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Der niedrige Preis ist dabei kein Nebenprodukt, sondern Kern des Geschäftsmodells. Kleine Flächen, standardisierte Abläufe und ein hoher Durchsatz sollen die Margen sichern. Der Kaffee wird nicht als Luxus, sondern als alltägliches Konsumgut verstanden – vergleichbar mit einem Snack auf dem Weg zur Arbeit.

Vergleich mit etablierten Ketten

Im direkten Vergleich mit bekannten internationalen Anbietern fällt der Unterschied deutlich aus. Während andere Ketten auf Markeninszenierung, Aufenthaltsqualität und ein breites Zusatzangebot setzen, reduziert Cotti Coffee das Produkt auf das Wesentliche. Das senkt Kosten – und verschiebt die Erwartungen der Kundschaft.

Für etablierte Anbieter entsteht daraus ein Dilemma: Preislich mitzuziehen ist angesichts der Kostenstruktur kaum möglich, gleichzeitig wächst der Druck, das eigene Angebot klarer zu positionieren. Der Markteintritt von Cotti Coffee verschärft damit einen Wettbewerb, der längst begonnen hat.

Standorte mit Kalkül

Die bisherigen Filialen von Cotti Coffee liegen allesamt in hoch frequentierten Lagen. In Berlin, Köln und Hamburg wurden Standorte gewählt, die von Laufkundschaft, Pendlern und Touristinnen gleichermaßen genutzt werden. Die Nähe zu Einkaufsstraßen, Bahnhöfen oder Bürovierteln ist kein Zufall.

  • Berlin: Innenstadtlage mit starkem Berufsverkehr
  • Köln: Zentrale Lage nahe großer Einkaufsachsen
  • Hamburg: Innenstadt mit hoher Passantenfrequenz

Die Auswahl dieser Standorte folgt einer klaren Logik: hohe Sichtbarkeit, schneller Umsatz, kurze Verweildauer. Das Konzept ist skalierbar – und lässt sich vergleichsweise leicht auf weitere Städte übertragen.

Ein Markt unter Druck

Der deutsche Kaffeemarkt befindet sich seit Jahren im Wandel. Kleine Cafés kämpfen mit steigenden Betriebskosten, während große Ketten ihre Expansion verlangsamen oder Standorte schließen. Gleichzeitig verändern sich die Konsumgewohnheiten: Mitnahme statt Aufenthalt, Funktion statt Atmosphäre.

In diesem Umfeld trifft das Modell von Cotti Coffee einen Nerv. Niedrige Preise sprechen eine preissensible Kundschaft an, die Kaffee vor allem als Alltagsgetränk wahrnimmt. Für viele kleinere Anbieter verschärft sich dadurch der Wettbewerb – insbesondere in Lagen mit hoher Miete.

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Chancen für Konsumenten, Risiken für Anbieter

Für Verbraucherinnen und Verbraucher bedeutet der Markteintritt zunächst mehr Auswahl und niedrigere Preise. Der tägliche Kaffee wird erschwinglicher, spontane Käufe wahrscheinlicher. Gleichzeitig wächst der Druck auf Anbieter, ihre Konzepte zu schärfen – sei es über Qualität, Service oder Spezialisierung.

Ob das Modell langfristig aufgeht, hängt von mehreren Faktoren ab: Akzeptanz der App-basierten Bestellung, Qualität der Produkte, und nicht zuletzt von der Fähigkeit, auch bei steigenden Kosten profitabel zu bleiben.

Europa im Blick

Deutschland ist für Cotti Coffee nicht das Endziel, sondern ein Baustein. Parallel zum hiesigen Markteintritt treibt das Unternehmen seine Expansion in weiteren europäischen Ländern voran. Städte in Frankreich, Spanien und Großbritannien stehen ebenfalls im Fokus.

Europa gilt als anspruchsvoller Markt: hohe Qualitätsansprüche, starke lokale Anbieter, ausgeprägte Kaffeekultur. Dass Cotti Coffee dennoch den Schritt wagt, unterstreicht den Anspruch, sich als globaler Player zu etablieren.

Ein neues Kapitel im Kaffeewettbewerb

Der Einstieg von Cotti Coffee in Deutschland ist mehr als eine weitere Filialeröffnung. Er steht exemplarisch für eine Entwicklung, die viele Branchen erfasst: digitale Prozesse, aggressive Preisstrategien und internationale Anbieter treffen auf gewachsene Märkte.

Ob sich das Modell durchsetzt, bleibt offen. Sicher ist jedoch: Der Wettbewerb im Kaffeemarkt wird härter, die Spielregeln verändern sich. Für Konsumenten eröffnet das neue Optionen – für Anbieter die Notwendigkeit, sich klarer zu positionieren. Cotti Coffee hat den ersten Schritt gemacht. Wie groß der Fußabdruck am Ende sein wird, entscheidet sich nicht nur an der Kasse, sondern im Alltag der Städte.

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Als Autor für das Magazin "Nah am digitalen Rand" verbinde ich meine Germanistik-Expertise mit einem unstillbaren Interesse für redaktionell spannende Themen. Meine Leidenschaft gilt der Erforschung und dem Verständnis der digitalen Evolution unserer Sprache, ein Bereich, der mich stets zu tiefgründigen Analysen und Artikeln inspiriert.