Nach fehlerhaftem Beitrag ZDF zieht nach KI-Eklat im Heute Journal Konsequenzen – Korrespondentin Nicola Albrecht abberufen

21. Februar 2026 | 07:26 Uhr |

Das ZDF hat seine New-York-Korrespondentin Nicola Albrecht mit sofortiger Wirkung abberufen. Hintergrund ist ein Beitrag im „Heute Journal“, in dem nicht gekennzeichnetes KI-generiertes Videomaterial sowie eine veraltete Szene verwendet wurden. Der Sender spricht von gravierenden Verstößen gegen journalistische Standards – und kündigt strukturelle Konsequenzen an.

Berlin, 20. Februar 2026 – Der KI-Eklat im „Heute Journal“ hat personelle Folgen. Das ZDF hat seine New-York-Korrespondentin Nicola Albrecht mit sofortiger Wirkung von ihrer Leitungsfunktion entbunden und aus dem Studio in den USA abgezogen. Anlass ist ein Nachrichtenbeitrag über Einsätze der US-Einwanderungsbehörde ICE, der in zentralen Punkten gegen interne Richtlinien verstoßen hat. Im Kern geht es um den unzureichend gekennzeichneten Einsatz von KI-generiertem Videomaterial – und um eine Szene aus dem Jahr 2022, die im aktuellen Kontext nicht hätte verwendet werden dürfen.

Der KI-Eklat im „Heute Journal“

Der Beitrag lief am Sonntagabend im „Heute Journal“, einem der Flaggschiffe der ZDF-Nachrichten. Thema waren umstrittene Einsätze der US-Behörde Immigration and Customs Enforcement (ICE). Gezeigt wurden unter anderem Bilder, die die Angst von Kindern vor Verhaftungen durch ICE illustrieren sollten. Zwei Sequenzen standen später im Zentrum der Kritik.

Zum einen wurde ein Video verwendet, das mithilfe künstlicher Intelligenz erzeugt worden war. Erkennbar war dies unter anderem an einem Wasserzeichen eines KI-Tools. Für die Zuschauerinnen und Zuschauer wurde jedoch nicht transparent gemacht, dass es sich um ein synthetisch generiertes Bildmaterial handelte – also nicht um dokumentarische Originalaufnahmen. Zum anderen enthielt der Beitrag eine Festnahmeszene aus dem Jahr 2022 in Florida. Diese Aufnahme war zwar real, stand jedoch in keinem unmittelbaren Zusammenhang mit der aktuellen Berichterstattung über ICE-Einsätze. Die Szene wurde im Beitrag nicht ausreichend kontextualisiert.

Damit geriet das ZDF in einen KI-Eklat, der rasch über soziale Medien und Fachportale hinaus in die allgemeine medienpolitische Debatte schwappte. Im Zentrum stand die Frage, wie ein öffentlich-rechtlicher Sender mit KI-generierten Inhalten umgeht – und ob die internen Kontrollmechanismen greifen.

Interne Richtlinien missachtet

Das ZDF selbst sprach von klaren Verstößen gegen eigene Vorgaben. In einer Mitteilung räumte der Sender ein, das KI-generierte Material sei „ohne journalistische Begründung und ohne Einordnung gemäß den internen Regeln des ZDF zur Verwendung von KI-generiertem Material“ eingesetzt worden. Damit wurde ein Kernprinzip journalistischer Transparenz verletzt: die eindeutige Kennzeichnung von synthetischen Inhalten.

Hinzu kam, dass die Herkunft der verwendeten Videos nicht ausreichend überprüft wurde. Gerade im Nachrichtenbereich gehört die sorgfältige Prüfung von Quellen und Bildmaterial zu den grundlegenden Standards. Die Schlussredaktion des „Heute Journals“ hätte die Mängel bei der Freigabe des Beitrags erkennen müssen, so der Sender weiter. Auch hier räumte das ZDF Versäumnisse ein.

Das ist auch interessant:  BGH verhandelt zur Cannabis-Werbung: Strenge Regeln für medizinisches Cannabis nach Heilmittelwerbegesetz

Die Chefredakteurin Bettina Schausten fand deutliche Worte. Der Schaden, der durch die Missachtung journalistischer Regeln entstanden sei, sei groß. Im Kern gehe es um die Glaubwürdigkeit der Berichterstattung. Diese Glaubwürdigkeit ist für öffentlich-rechtliche Medien nicht nur ein Qualitätsmerkmal, sondern Grundlage ihres Auftrags.

Personelle Konsequenzen: Nicola Albrecht abberufen

Der KI-Eklat blieb nicht ohne unmittelbare Folgen. Nicola Albrecht, seit 2001 für das ZDF tätig und seit Anfang 2025 Leiterin der Korrespondentenstelle in New York, wurde mit sofortiger Wirkung von ihrem Posten abgezogen. Sie war für den Beitrag verantwortlich.

Ursprünglich war die Reportage für das „Mittagsmagazin“ produziert worden und lief dort in einer Fassung, die nicht beanstandet wurde. Für die spätere Ausstrahlung im „Heute Journal“ überarbeitete Albrecht den Beitrag. In dieser Version fanden sich die beanstandeten Sequenzen – das KI-generierte Video ebenso wie die ältere Festnahmeszene. Das ZDF sieht in dieser Überarbeitung den entscheidenden Auslöser für die Abberufung.

Ob und in welcher Funktion Albrecht künftig für das ZDF tätig sein wird, ließ der Sender offen. Die Abberufung gilt zunächst für die Leitung der Korrespondentenstelle in New York.

Strukturelle Maßnahmen angekündigt

Der KI-Eklat beschränkt sich aus Sicht des Senders nicht auf eine einzelne redaktionelle Fehlentscheidung. Vielmehr kündigte das ZDF an, interne Abläufe grundlegend zu überprüfen. Dazu gehören:

  • eine erneute Schärfung der Richtlinien zum Umgang mit KI-generiertem Material,
  • verpflichtende Schulungen für Redaktionen im Umgang mit künstlicher Intelligenz,
  • eine Überprüfung der Freigabeprozesse in der Schlussredaktion.

Ziel ist es, künftig sicherzustellen, dass synthetische Inhalte eindeutig gekennzeichnet und redaktionell sauber eingeordnet werden. Der Einsatz von KI ist in vielen Medienhäusern längst Realität – doch Transparenz und Überprüfbarkeit gelten weiterhin als nicht verhandelbare Standards.

Vertrauensfrage für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk

Der KI-Eklat im „Heute Journal“ trifft das ZDF in einer Phase, in der öffentlich-rechtliche Medien ohnehin unter besonderer Beobachtung stehen. Fragen nach Transparenz, Sorgfaltspflicht und politischer Unabhängigkeit begleiten die Sender seit Jahren. Vor diesem Hintergrund wiegt ein Fehler im Kernbereich der Nachrichten besonders schwer.

Im Zentrum steht weniger die technische Möglichkeit, KI-Tools zu nutzen, als vielmehr die redaktionelle Verantwortung. KI-generierte Bilder können unter bestimmten Bedingungen zulässig sein – etwa zur Illustration abstrakter Sachverhalte. Entscheidend ist jedoch, dass sie als solche kenntlich gemacht werden. Andernfalls verschwimmt die Grenze zwischen dokumentierter Realität und synthetischer Simulation.

Gerade im Kontext sensibler Themen wie Migration und behördlicher Maßnahmen kann ein falsch kontextualisiertes Bildmaterial die Wahrnehmung eines Sachverhalts erheblich beeinflussen. Die journalistische Sorgfaltspflicht verlangt deshalb nicht nur korrekte Fakten, sondern auch eine präzise Bildauswahl und transparente Kennzeichnung.

Das ist auch interessant:  Leichenfund bei Florenz: 44-jährige Deutsche enthauptet in Scandicci entdeckt – Mordermittlungen laufen

KI-Einsatz in Redaktionen: Chancen und Risiken

Der Vorfall wirft ein Schlaglicht auf eine Entwicklung, die den Journalismus insgesamt prägt. Künstliche Intelligenz wird zunehmend in Redaktionen eingesetzt – sei es zur Recherche, zur Transkription, zur Bildanalyse oder zur Erstellung von Visualisierungen. Die Technologie eröffnet Effizienzgewinne und neue Darstellungsformen. Gleichzeitig entstehen neue Risiken.

Der KI-Eklat beim ZDF zeigt, wie schmal der Grat ist. Wird synthetisches Material nicht klar ausgewiesen, leidet die Glaubwürdigkeit. Werden alte Bilder ohne ausreichenden Kontext eingebettet, entsteht ein falscher Eindruck. Beides untergräbt das Vertrauen in journalistische Inhalte.

Im Fall des „Heute Journals“ kommt hinzu, dass das Format für viele Zuschauerinnen und Zuschauer als Referenz für verlässliche Information gilt. Fehler in einem solchen Umfeld entfalten eine größere Wirkung als in Randformaten. Entsprechend deutlich fiel die Reaktion des Senders aus.

Glaubwürdigkeit als Kernkapital

Der KI-Eklat ist damit mehr als eine redaktionelle Panne. Er berührt das Selbstverständnis eines Senders, der sich dem öffentlich-rechtlichen Auftrag verpflichtet sieht. Glaubwürdigkeit entsteht nicht allein durch korrekte Fakten, sondern durch nachvollziehbare Arbeitsweisen. Transparenz im Umgang mit KI gehört inzwischen zu diesen Arbeitsweisen.

Die Abberufung von Nicola Albrecht ist ein sichtbares Signal. Ob es gelingt, das Vertrauen vollständig wiederherzustellen, wird sich daran messen lassen, wie konsequent das ZDF die angekündigten Maßnahmen umsetzt – und wie offen es künftig mit dem Einsatz von künstlicher Intelligenz umgeht.

Eine Zäsur im Umgang mit KI im Nachrichtenjournalismus

Der KI-Eklat im „Heute Journal“ markiert eine Zäsur. Er zeigt, dass technologische Innovation ohne klare redaktionelle Leitplanken zur Belastung werden kann. Für das ZDF bedeutet der Vorfall eine Phase der Selbstprüfung. Für den Journalismus insgesamt ist er ein Warnsignal: Künstliche Intelligenz kann Recherche und Darstellung unterstützen – sie entbindet jedoch nicht von der Pflicht zur Transparenz, Prüfung und klaren Einordnung.

Wie Medienhäuser diese Balance künftig gestalten, wird entscheidend dafür sein, ob das Publikum synthetische Inhalte als legitimes Werkzeug akzeptiert – oder als Risiko für die Glaubwürdigkeit empfindet. Der KI-Eklat beim ZDF dürfte diese Debatte nachhaltig prägen.

Schlagwörter:
Avatar
Redaktion / Published posts: 3734

Als Autor für das Magazin "Nah am digitalen Rand" verbinde ich meine Germanistik-Expertise mit einem unstillbaren Interesse für redaktionell spannende Themen. Meine Leidenschaft gilt der Erforschung und dem Verständnis der digitalen Evolution unserer Sprache, ein Bereich, der mich stets zu tiefgründigen Analysen und Artikeln inspiriert.