Berlin vor der Wahl
Berlin-Wahl 2026: Enges Rennen an der Spitze verändert die Mehrheitsfrage

Berlin vor der Wahl

Wenige Tage vor der Berlin-Wahl ist das Rennen um Platz eins offen. Im aktuellen ZDF-Politbarometer Extra erreicht die Linke 22 Prozent und liegt damit zwei Punkte vor der CDU, doch der Abstand bewegt sich im Bereich der statistischen Unsicherheit. Zugleich deuten die Umfragen darauf hin, dass die bisherige schwarz-rote Koalition ihre Mehrheit verlieren könnte – welche Bündnisse danach möglich sind, hängt vom tatsächlichen Wahlergebnis ab.
Berlin, 18. September 2026. Zwei Tage vor der Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus gibt es an der Spitze keinen klaren Favoriten. Die Linke kommt in der jüngsten Erhebung der Forschungsgruppe Wahlen für das ZDF auf 22 Prozent, die CDU auf 20 Prozent. Dahinter folgt die AfD mit 18 Prozent. Grüne und SPD liegen mit 15 beziehungsweise 12 Prozent bereits deutlicher zurück.
Damit steht die Linke im aktuellen Stimmungsbild zwar auf Platz eins. Von einer gesicherten Führung kann jedoch keine Rede sein. Zwei Prozentpunkte trennen sie von der CDU – ein Abstand, der angesichts der statistischen Unsicherheit der Erhebung keine belastbare Aussage darüber zulässt, wer bei der Berlin-Wahl am Ende stärkste Kraft wird.
Das am 17. September veröffentlichte ZDF-Politbarometer Extra zeigt ein enges Feld an der Spitze. Während Linke und CDU gegenüber der vorherigen ZDF-Erhebung jeweils einen Prozentpunkt verlieren, legt die AfD um einen Punkt zu. Die SPD verbessert sich um zwei Punkte. Das BSW steigt von drei auf vier Prozent und läge damit in dieser Erhebung unter der Fünf-Prozent-Hürde.
| Partei | ZDF-Projektion | Veränderung |
|---|---|---|
| Linke | 22 % | −1 |
| CDU | 20 % | −1 |
| AfD | 18 % | +1 |
| Grüne | 15 % | −1 |
| SPD | 12 % | +2 |
| BSW | 4 % | +1 |
| Sonstige | 9 % | −1 |
Für die Erhebung befragte die Forschungsgruppe Wahlen nach Angaben des ZDF zwischen dem 14. und 17. September 1.611 zufällig ausgewählte Wahlberechtigte in Berlin telefonisch und online. Das ZDF weist bei der Veröffentlichung ausdrücklich darauf hin, dass solche Projektionen ein aktuelles Stimmungsbild abbilden und keine Vorhersage des Wahlergebnisses sind.
Das ist bei dieser Berlin-Wahl besonders relevant. Die Forschungsgruppe Wahlen beziffert die statistische Unsicherheit bei Anteilswerten um zehn Prozent auf gut zwei Prozentpunkte, bei Werten um 40 Prozent auf gut drei Punkte. Der gemessene Abstand zwischen Linken und CDU ist also zu gering, um daraus eine sichere Reihenfolge für den Wahlabend abzuleiten.
Auch der Vergleich mit anderen aktuellen Erhebungen spricht für einen offenen Ausgang. Eine Civey-Befragung im Auftrag des Tagesspiegels sieht die Linke bei 21 Prozent und die CDU bei 20 Prozent. Die AfD erreicht dort 18 Prozent, die Grünen kommen auf 16 Prozent, die SPD auf 12 Prozent.
Eine kurz zuvor veröffentlichte Insa-Erhebung zeichnete ein noch knapperes Bild: CDU und Linke lagen mit jeweils 20 Prozent gleichauf. Auch dort kam die AfD auf 18 Prozent, gefolgt von den Grünen mit 16 und der SPD mit 12 Prozent. Das BSW wurde bei fünf Prozent gemessen.
Die Institute kommen also nicht auf identische Werte. In einem Punkt ähneln sich die Befunde jedoch: Zwischen Linken und CDU gibt es kurz vor der Berlin-Wahl keinen deutlichen Abstand. Mal liegt die Linke knapp vorn, mal herrscht Gleichstand. Gerade deshalb wäre es irreführend, aus dem ersten Platz im jüngsten ZDF-Politbarometer bereits einen Wahlausgang abzuleiten.
Hinzu kommt eine Größe, die bei einem derart engen Rennen Gewicht bekommt: 23 Prozent der Befragten wissen laut ZDF noch nicht sicher, wen beziehungsweise ob sie wählen werden. In der vorherigen Erhebung waren es 28 Prozent.
Die Zahl der Unentschlossenen ist damit gesunken, bleibt aber hoch. Bei nur zwei Prozentpunkten Abstand zwischen Linken und CDU können Veränderungen in den letzten Tagen entsprechend sichtbar ins Gewicht fallen. Was die Umfragen zeigen, ist deshalb vor allem die Ausgangslage vor dem Wahlsonntag – nicht dessen Ergebnis.
Bemerkenswert ist der Abstand zum Ergebnis der vergangenen Abgeordnetenhauswahl. Bei der Wiederholungswahl 2023 war die CDU mit 28,2 Prozent deutlich stärkste Kraft geworden. SPD und Grüne erreichten jeweils 18,4 Prozent. Die Linke kam auf 12,2 Prozent, die AfD auf 9,1 Prozent.
Legt man daneben die aktuelle ZDF-Projektion, wird sichtbar, wie stark sich die politische Stimmung seither verschoben hat. Die Linke wird derzeit fast zehn Prozentpunkte höher gemessen als bei der Wahl 2023. Die CDU liegt rund acht Punkte unter ihrem damaligen Ergebnis. Die AfD wiederum erreicht in der aktuellen Projektion nahezu den doppelten Stimmenanteil von 2023.
Dieser Vergleich hat allerdings eine klare Grenze: Auf der einen Seite steht ein ausgezähltes Wahlergebnis, auf der anderen eine Momentaufnahme vor der nächsten Abstimmung. Erst nach der Berlin-Wahl lässt sich feststellen, welche der in den Umfragen sichtbaren Verschiebungen tatsächlich an der Wahlurne Bestand haben.
Das knappe Kräfteverhältnis spiegelt sich auch in der Frage nach der gewünschten Führung des Berliner Senats. Im ZDF-Politbarometer nennen 25 Prozent Elif Eralp von der Linken als gewünschte Regierende Bürgermeisterin. Stefan Evers von der CDU erreicht 24 Prozent. Werner Graf von den Grünen kommt auf zwölf Prozent.
Auch hier ist das Bild keineswegs eindeutig. 20 Prozent der Befragten wollen keinen der drei genannten Kandidaten. Weitere 19 Prozent geben an, die Kandidaten nicht ausreichend zu kennen, oder antworten mit „weiß nicht“.
Die Kandidatenwerte verlaufen damit ähnlich knapp wie die Parteipräferenzen an der Spitze. Sie sind zudem von der parlamentarischen Realität zu unterscheiden: Wer das Rote Rathaus führt, entscheidet sich nicht allein anhand persönlicher Umfragewerte, sondern nach der Wahl über die Mehrheitsverhältnisse im Abgeordnetenhaus.
Für die Regierungsbildung ist deshalb eine andere Zahl mindestens ebenso wichtig wie der knappe Abstand zwischen Linken und CDU. Die derzeit regierende Koalition aus CDU und SPD erreicht im ZDF-Politbarometer zusammen 32 Prozent. Nach dieser Projektion hätte Schwarz-Rot keine parlamentarische Mehrheit mehr.
Rechnerisch ergeben sich andere Konstellationen. Linke, Grüne und SPD kommen in der Projektion zusammen auf 49 Prozent der Stimmenanteile. CDU, Grüne und SPD erreichen zusammen 47 Prozent. Da Stimmen für Parteien unterhalb der Fünf-Prozent-Hürde bei der Sitzverteilung grundsätzlich nicht in gleicher Weise zum Tragen kommen, können auch solche Summen für eine Mehrheit der Mandate reichen.
Mehr lässt sich aus den Zahlen nicht seriös ableiten. Eine rechnerische Mehrheit ist noch keine politische Koalition. Wie das nächste Berliner Regierungsbündnis aussehen kann, hängt zunächst vom Wahlergebnis, der tatsächlichen Sitzverteilung und anschließend von den politischen Entscheidungen der beteiligten Parteien ab.
Das aktuelle ZDF-Politbarometer macht die Ausgangslage vor der Berlin-Wahl deutlich, entscheidet das Rennen aber nicht. Die Linke steht mit 22 Prozent an der Spitze, doch die CDU folgt mit 20 Prozent unmittelbar dahinter. Andere Institute messen einen ähnlich kleinen Abstand oder sehen beide Parteien gleichauf.
Dazu kommen 23 Prozent der Befragten, deren Wahlentscheidung noch nicht sicher feststeht. Gleichzeitig könnte das Ergebnis die bisherigen Mehrheitsverhältnisse im Abgeordnetenhaus deutlich verändern: Schwarz-Rot erreicht in der aktuellen Projektion keine Mehrheit, andere Dreierkonstellationen wären rechnerisch möglich.
Die entscheidende Zahl wird deshalb nicht der Zwei-Punkte-Abstand aus der letzten ZDF-Erhebung sein. Sie steht erst fest, wenn am 20. September die Stimmen der Berlinerinnen und Berliner ausgezählt sind.
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