Scheidungszahlen im Vergleich
Stuttgart meldet 819 Scheidungen – was der Städtevergleich wirklich zeigt

Scheidungszahlen im Vergleich

In Stuttgart standen im Jahr 2025 insgesamt 819 Scheidungen 2.349 Eheschließungen gegenüber. Rechnerisch ergibt das 34,9 Scheidungen je 100 Hochzeiten – mehr als doppelt so viele wie in Freiburg und Ulm. Doch der Vergleich hat Grenzen: Er sagt nicht aus, dass Ehen in Stuttgart doppelt so häufig scheitern.
Stuttgart, 12. September 2026. Die Zahl fällt auf: 34,9 Scheidungen je 100 Eheschließungen wurden für Stuttgart im Jahr 2025 errechnet. Hinter diesem Wert stehen 819 rechtskräftige Scheidungen und 2.349 Eheschließungen. Im Vergleich mit Freiburg und Ulm ist der Abstand groß. Wer daraus jedoch auf eine besonders hohe Scheidungswahrscheinlichkeit in der Landeshauptstadt schließt, liest mehr aus der Statistik heraus, als sie hergibt.
Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes stammen die zugrunde liegenden Zahlen aus der amtlichen Statistik zu Eheschließungen und Ehescheidungen nach Kreisen und kreisfreien Städten. Für Scheidungen in Stuttgart ergibt sich damit ein auffälliges Verhältnis – allerdings eines, das erklärt werden muss.
Im Jahr 2025 wurden in Stuttgart 819 Ehen rechtskräftig geschieden. Gleichzeitig registrierte die Statistik 2.349 Eheschließungen. Werden beide Werte miteinander verrechnet, kommen auf 100 Eheschließungen 34,9 Scheidungen.
Genau dieser Wert sorgt im Städtevergleich für Aufmerksamkeit. Freiburg kam auf 195 Scheidungen bei 1.182 Eheschließungen. Das entspricht 16,5 Scheidungen je 100 Hochzeiten. In Ulm wurden 126 Scheidungen und 758 Eheschließungen erfasst, also 16,6 je 100.
Damit liegt das rechnerische Verhältnis bei den Scheidungen in Stuttgart tatsächlich etwas mehr als doppelt so hoch wie in Freiburg und Ulm. Auch Heidelberg liegt mit 17,5 deutlich darunter.
Die Aussage gilt jedoch nicht für Baden-Württemberg insgesamt. Schon ein Blick auf weitere Städte verändert das Bild deutlich.
| Stadt | Scheidungen je 100 Eheschließungen |
|---|---|
| Pforzheim | 65,5 |
| Mannheim | 49,0 |
| Heilbronn | 45,4 |
| Stuttgart | 34,9 |
| Karlsruhe | 26,0 |
| Baden-Baden | 22,2 |
| Heidelberg | 17,5 |
| Ulm | 16,6 |
| Freiburg | 16,5 |
Pforzheim erreicht mit 65,5 den höchsten Wert dieser Vergleichsgruppe. Mannheim kommt auf 49,0, Heilbronn auf 45,4. Damit liegen drei baden-württembergische Städte klar über Stuttgart.
Für Stuttgart wurden 2025 insgesamt 819 rechtskräftige Scheidungen und 2.349 Eheschließungen erfasst. Das daraus berechnete Verhältnis von 34,9 Scheidungen je 100 Eheschließungen liegt deutlich über Freiburg und Ulm, beschreibt jedoch keine individuelle Scheidungswahrscheinlichkeit.
Karlsruhe kommt dagegen auf 26,0 Scheidungen je 100 Eheschließungen, Baden-Baden auf 22,2. Der Stuttgarter Wert bewegt sich damit zwischen sehr hohen und deutlich niedrigeren Relationen. Von einer landesweit außergewöhnlichen Spitzenposition kann bei den Scheidungen in Stuttgart keine Rede sein.
Die entscheidende Einschränkung steckt in der Berechnung selbst. Die 819 Scheidungen und die 2.349 Eheschließungen stammen zwar aus demselben Kalenderjahr, betreffen aber nicht dieselben Ehen.
Die im Jahr 2025 geschiedenen Paare können viele Jahre oder Jahrzehnte zuvor geheiratet haben. Umgekehrt sagt die Zahl der 2025 geschlossenen Ehen nichts darüber aus, wie viele dieser Verbindungen später wieder geschieden werden.
Die Rechnung verbindet also zwei unterschiedliche Ereignisse eines Jahres. Sie ist mathematisch korrekt, erlaubt aber keine Aussage darüber, wie hoch das individuelle Risiko einer Scheidung für Paare in Stuttgart ist.
Gerade bei Scheidungen in Stuttgart ist diese Unterscheidung wichtig. Die Formulierung „34,9 Scheidungen je 100 Eheschließungen“ beschreibt lediglich ein Verhältnis. Sie bedeutet nicht, dass knapp 35 Prozent der in Stuttgart geschlossenen Ehen geschieden werden.
Hinzu kommt ein weiterer statistischer Unterschied. Eheschließungen werden über den Ort des Standesamts erfasst. Bei Scheidungen gelten andere regionale Zuordnungen beziehungsweise Wohnsitzbezüge. Auch deshalb lassen sich beide Zahlen nicht ohne Weiteres wie zwei Seiten derselben Rechnung behandeln.
Für Vergleiche zwischen Städten ist der Wert dennoch anschaulich. Er zeigt, wie viele Scheidungen und Eheschließungen innerhalb eines Jahres registriert wurden. Als Maßstab für die Stabilität von Ehen eignet er sich nur eingeschränkt.
Wie stark die Bewertung von der gewählten Kennzahl abhängt, zeigt der Blick auf die Einwohnerzahl. Für Stuttgart wurde ein Wert von rund 1,3 Scheidungen je 1.000 Einwohner genannt. Freiburg lag bei etwa 0,8, Ulm bei rund 1,0.
Der Abstand zwischen den Städten ist damit weiterhin vorhanden, fällt aber deutlich geringer aus als beim Verhältnis von Scheidungen zu Eheschließungen. Die vermeintlich klare Aussage über besonders viele Scheidungen in Stuttgart wird dadurch differenzierter.
Auch bundesweit zeigt sich für 2025 keine drastische Veränderung. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes wurden in Deutschland rund 130.100 Ehen geschieden. Das waren 0,6 Prozent mehr als im Vorjahr.
Gleichzeitig wurden etwa 348.800 Ehen geschlossen. Die Zahl der Eheschließungen ging gegenüber dem Vorjahr leicht um 0,1 Prozent zurück. Bundesweit kamen 1,56 Scheidungen auf 1.000 Einwohner, nach 1,54 im Vorjahr.
Wer beantworten will, wie häufig Ehen tatsächlich geschieden werden, braucht eine andere Methode. Aussagekräftiger sind sogenannte Kohortenanalysen. Dabei wird ein bestimmter Heiratsjahrgang über viele Jahre hinweg beobachtet.
Das Statistische Landesamt Baden-Württemberg hat solche langfristigen Verläufe ausgewertet. Für den Heiratsjahrgang 1995 zeigte sich nach beziehungsweise hochgerechnet auf 30 Ehejahre ein Anteil von rund 38 Prozent geschiedener Ehen.
Solche Daten kommen der Frage nach der tatsächlichen Scheidungswahrscheinlichkeit wesentlich näher als die Gegenüberstellung zweier Jahreswerte. Sie zeigen zugleich, warum aktuelle Rankings mit Vorsicht gelesen werden sollten.
Bei den Scheidungen in Stuttgart lässt sich deshalb präzise sagen: Das Verhältnis von Scheidungen zu Eheschließungen lag 2025 deutlich über den Werten von Freiburg, Ulm oder Heidelberg. Mehr lässt sich daraus zunächst nicht ableiten.
Die 34,9 Scheidungen je 100 Eheschließungen sind kein statistischer Fehler. Der Wert ergibt sich unmittelbar aus den für Stuttgart gemeldeten Jahreszahlen. Auffällig ist er vor allem im Vergleich mit Freiburg und Ulm, wo die Relation weniger als halb so hoch ausfällt.
Genauso wichtig ist jedoch der Blick in die andere Richtung: Pforzheim, Mannheim und Heilbronn liegen über Stuttgart. Schon dadurch relativiert sich die Vorstellung, Scheidungen in Stuttgart nähmen innerhalb Baden-Württembergs eine besondere Spitzenstellung ein.
Was bleibt, ist ein bemerkenswerter Städtevergleich – und eine Erinnerung daran, statistische Kennzahlen genau zu lesen. Das Verhältnis von Hochzeiten und Scheidungen kann Unterschiede sichtbar machen. Ob Ehen in Stuttgart tatsächlich instabiler sind als anderswo, lässt sich daraus nicht ableiten.
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