Aldi Süd macht in München erstmals einen Teil seiner Parkflächen nach Ladenschluss buchbar. An sechs Filialen stehen insgesamt 81 Stellplätze abends, nachts und sonntags kostenpflichtig zur Verfügung. Ob das Modell den Parkdruck in den betroffenen Vierteln tatsächlich mindert und auf weitere Standorte ausgeweitet wird, soll die Pilotphase zeigen.
München, 26. Juli 2026. In einer Stadt, in der freie Stellplätze vielerorts knapp sind, versucht Aldi Süd ein neues Nutzungskonzept für bereits vorhandene Flächen. Gemeinsam mit dem Münchner Parkraumbetreiber Wemolo bietet der Discounter an sechs Filialen sogenanntes Feierabendparken an. Insgesamt können 81 ausgewiesene Stellplätze außerhalb der regulären Einkaufszeiten reserviert werden.
Die Parkflächen werden allerdings weder kostenlos noch vollständig geöffnet. Buchbar sind ausschließlich gekennzeichnete Stellplätze. Während der Ladenöffnungszeiten bleiben sie der Kundschaft vorbehalten. Erst am Abend beginnt die zusätzliche Nutzung für Autofahrer, die ihr Fahrzeug über Nacht abstellen möchten.
Feierabendparken an sechs Aldi-Filialen in München
Das Pilotprojekt verteilt sich auf mehrere Stadtteile. Teilnehmende Filialen liegen in Berg am Laim, Neuperlach, Trudering, Feldmoching-Hasenbergl, Hadern und Schwabing-Freimann. Die Zahl der angebotenen Stellplätze unterscheidet sich je nach Standort.
| Stadtteil | Adresse | Buchbare Stellplätze |
|---|---|---|
| Berg am Laim | Hermann-Weinhauser-Straße 90 | 13 |
| Neuperlach | Maximilian-Kolbe-Allee 1 | 15 |
| Trudering | Bognerhofweg 5 | 14 |
| Feldmoching-Hasenbergl | Lerchenauer Straße 240 | 10 |
| Hadern | Großhaderner Straße 44 | 12 |
| Schwabing-Freimann | Heidemannstraße 9 | 17 |
Mit 17 Stellplätzen stellt die Filiale an der Heidemannstraße das größte Kontingent. Es folgen Neuperlach mit 15 sowie Trudering mit 14 Plätzen. Insgesamt bleibt das Angebot überschaubar. Es geht nicht um die Öffnung kompletter Supermarktparkplätze, sondern um einen klar abgegrenzten Teil der jeweiligen Flächen.
Gerade dieser Punkt ist für die Einordnung wichtig. Der Begriff Feierabendparken beschreibt keine allgemeine Freigabe, sondern eine zeitlich begrenzte Vermietung. Wer dort parken möchte, muss vorab buchen und bezahlen.
Fünf Euro pro Nacht, 50 Euro für 30 Nächte
Von Montag bis Samstag beginnt das Feierabendparken jeweils um 18.30 Uhr. Die Buchung gilt bis 8.30 Uhr am folgenden Morgen. Sonntags stehen die ausgewiesenen Stellplätze ganztägig zur Verfügung.
Für eine einzelne Nacht werden fünf Euro berechnet. Ein Paket für sieben Nächte kostet 25 Euro, 30 Nächte werden für 50 Euro angeboten. Eine Abonnementpflicht ist mit diesen Tarifen nach Angaben der Betreiber nicht verbunden.
Der Preis sinkt damit bei längerer Nutzung deutlich. Während eine einzelne Nacht mit fünf Euro zu Buche schlägt, kostet eine Nacht im 30-Tage-Paket rechnerisch weniger als zwei Euro. Ob die Buchung einen fest zugewiesenen Stellplatz garantiert oder lediglich die Nutzung eines verfügbaren Platzes am gewählten Standort ermöglicht, ist bislang nicht eindeutig beschrieben.
So funktioniert die digitale Buchung
Die Reservierung läuft über eine Web-Anwendung von Wemolo. Alternativ können Nutzer einen QR-Code scannen, der an den teilnehmenden Aldi-Filialen angebracht ist. Eine zusätzliche App muss dafür nach Angaben der Betreiber nicht zwingend installiert werden.
Bei der Buchung wird das Kennzeichen des Fahrzeugs hinterlegt. Kameras erfassen es bei der Ein- und Ausfahrt und gleichen die Daten mit der bestehenden Reservierung ab. Schranken, Parkscheine oder Einfahrtskarten sind nicht vorgesehen.
Vor Ablauf des gebuchten Zeitraums sollen Nutzer an das Ende ihrer Reservierung erinnert werden. Danach kann die Buchung verlängert oder erneuert werden. Nicht näher erläutert ist bislang, welche Folgen eine verspätete Ausfahrt hat und ob dafür zusätzliche Gebühren oder Vertragsstrafen anfallen. Maßgeblich sind deshalb die Bedingungen, die am jeweiligen Standort und während des Buchungsvorgangs angezeigt werden.
Das Angebot richtet sich an Anwohner, ist aber offenbar nicht exklusiv
Aldi Süd und Wemolo bewerben das Feierabendparken vor allem als Angebot für Menschen aus den umliegenden Wohnvierteln. Die häufig verwendete Formulierung, Aldi öffne seine Parkplätze für Anwohner, ist dennoch nur bedingt präzise.
Aus den bislang veröffentlichten Angaben ergibt sich nicht, dass ein Wohnsitznachweis, eine Meldeadresse oder ein Bewohnerparkausweis erforderlich ist. Ebenso wenig wurde ein bestimmter Radius rund um die jeweilige Filiale genannt. Nach bisherigem Stand richtet sich das Angebot zwar vorrangig an Anwohner, ist aber nicht erkennbar auf diese Nutzergruppe beschränkt.
Auch von einer kostenlosen Öffnung kann keine Rede sein. Das Feierabendparken ist ein privatwirtschaftliches Angebot, das digital verwaltet und kontrolliert wird. Wer einen der Aldi-Parkplätze nutzen möchte, benötigt eine gültige Buchung für das hinterlegte Kennzeichen.
Kennzeichenerfassung und Datenschutz
Die technische Kontrolle erfolgt über Kameras an der Ein- und Ausfahrt. Der Betreiber erklärt, die Kennzeichendaten zweckgebunden zu verarbeiten. Bei Fahrzeugen ohne festgestellten Verstoß sollen sie im Regelfall innerhalb von 24 Stunden gelöscht werden.
Diese Angaben stammen vom Unternehmen selbst. Eine unabhängig veröffentlichte datenschutzrechtliche Bewertung speziell für die sechs Münchner Standorte liegt bislang nicht vor. Für Nutzer sind daher vor allem die Datenschutzhinweise entscheidend, die bei der Reservierung und an den Parkflächen ausgewiesen werden.
Kann Feierabendparken den Parkdruck in München senken?
Das Münchner Projekt folgt einer einfachen Idee: Parkflächen, die außerhalb der Geschäftszeiten weitgehend ungenutzt bleiben, sollen nachts anders verwendet werden können. Statt neue Stellplätze zu bauen, werden bestehende Flächen zeitweise doppelt genutzt.
Ähnliche Modelle gibt es bereits in anderen Städten und Gemeinden. Aldi Süd und Wemolo haben Feierabendparken unter anderem in Augsburg, Krefeld, Kempten und Kaufbeuren-Neugablonz eingeführt. In München wird nun erprobt, ob das Konzept auch in einer Großstadt genügend Nachfrage findet.
Die Betreiber verbinden damit die Hoffnung, den öffentlichen Straßenraum zu entlasten und die Parkplatzsuche in den angrenzenden Vierteln zu erleichtern. Belegt ist dieser Effekt bislang nicht. Das Angebot ist neu, veröffentlichte Nutzungszahlen liegen noch nicht vor. Auch eine Untersuchung dazu, ob sich der Parkdruck rund um die beteiligten Filialen tatsächlich verringert, gibt es bisher nicht.
Schon die Größenordnung setzt Grenzen. 81 zusätzliche Stellplätze verteilen sich auf sechs Standorte und mehrere Stadtteile. Für die gesamte Stadt ist das kaum mehr als ein kleiner Baustein. In unmittelbarer Nähe der Filialen kann das Feierabendparken dennoch für einzelne Haushalte interessant sein, insbesondere dort, wo private Garagen fehlen und Straßenparkplätze regelmäßig belegt sind.
Ein begrenztes Angebot mit offenem Ausgang
Ob weitere Aldi-Parkplätze in München hinzukommen, hängt von der Nutzung während der Pilotphase ab. Erst wenn feststeht, wie häufig die Stellplätze gebucht werden und ob sich das Modell wirtschaftlich trägt, soll über eine Ausweitung entschieden werden.
Das Feierabendparken ist deshalb weder eine umfassende Antwort auf den Münchner Parkplatzmangel noch eine bloße symbolische Maßnahme. Es ist ein klar umrissenes Zusatzangebot: 81 Stellplätze, sechs Aldi-Filialen, feste Zeitfenster und eine digitale Buchung gegen Gebühr.
Für Autofahrer in direkter Nachbarschaft kann daraus eine verlässliche Alternative zum abendlichen Suchen im öffentlichen Raum werden. Wie groß die Nachfrage tatsächlich ist und ob aus dem Versuch ein dauerhaftes Netz buchbarer Supermarktparkplätze entsteht, wird sich erst nach den ersten Monaten zeigen.





















