Die FIFA lässt die Folgen einer möglichen Weltmeisterschaft mit 64 Mannschaften untersuchen. Damit gewinnt eine Debatte an Tempo, die zunächst vor allem als Vorschlag für das Jubiläumsturnier 2030 galt. Beschlossen ist die Erweiterung nicht – doch der Weltverband prüft inzwischen, was sie wirtschaftlich, sportlich und organisatorisch bedeuten würde.

Zürich, 1. August 2026. Kaum hat der Fußball die erste Weltmeisterschaft mit 48 Mannschaften erlebt, beschäftigt sich die FIFA bereits mit dem nächsten Wachstumsschritt. Im Mittelpunkt steht ein Turnier mit 64 Teams. Aus einer politischen Idee ist damit ein konkreter Prüfauftrag geworden.

Nach einem Bericht von The Guardian sucht der Weltverband ein externes Unternehmen, das die Folgen einer weiteren Vergrößerung analysieren soll. Geprüft werden demnach mögliche Einnahmen aus Medienrechten, Sponsoring und Ticketverkauf, aber auch Auswirkungen auf den Spielplan, das Spielerwohl und die sportliche Qualität.

Eine Entscheidung über eine Fußball-WM mit 64 Teams ist damit nicht gefallen. Ebenso wenig gibt es einen fertigen Modus, einen angepassten Qualifikationsplan oder eine bestätigte Zahl zusätzlicher Spiele. Der belastbare Kern der Entwicklung liegt in der nun offenbar systematischen Untersuchung des Modells.

FIFA prüft wirtschaftliche und sportliche Folgen

Laut The Guardian ist für die Untersuchung ein ungewöhnlich enger Zeitrahmen vorgesehen. Angebote sollen kurzfristig eingeholt, der Auftrag zeitnah vergeben und die Analyse bereits im September abgeschlossen werden. Die FIFA hatte die einzelnen Verfahrensschritte zunächst nicht selbst öffentlich bestätigt.

Dass der Verband die WM mit 64 Mannschaften grundsätzlich diskutiert, steht hingegen außer Frage. FIFA-Präsident Gianni Infantino bestätigte im Juli, dass eine Erweiterung des Teilnehmerfeldes Gegenstand interner Beratungen sei. Über die Zukunft des Turniers müssten die Mitgliedsverbände entscheiden.

Die externe Studie soll offenbar Antworten auf jene Fragen liefern, die bislang nur grob umrissen sind. Wie viele zusätzliche Einnahmen könnte ein größeres Turnier bringen? Wie ließe sich eine weitere Verlängerung des Wettbewerbs mit dem internationalen Kalender vereinbaren? Und welche Folgen hätte das Format für die Qualität der Gruppenphase und der Qualifikation?

Damit verschiebt sich die Debatte. Bislang ging es vor allem um politische Unterstützung und symbolische Argumente. Nun sollen belastbare Berechnungen folgen.

Der erste Vorstoß zielte auf die WM 2030

Die Idee einer Fußball-WM mit 64 Teams wurde im März 2025 im FIFA-Rat eingebracht. Der Vorschlag bezog sich zunächst auf das Turnier 2030, das hundert Jahre nach der ersten Weltmeisterschaft ausgetragen wird.

Die Hauptgastgeber sind Spanien, Portugal und Marokko. Ergänzend sollen Jubiläumsspiele in Uruguay, Argentinien und Paraguay stattfinden. Uruguay war 1930 Schauplatz der ersten WM und besitzt für die geplante Ausgabe deshalb besondere symbolische Bedeutung.

Aus Südamerika kam früh Unterstützung für die Erweiterung. Conmebol-Präsident Alejandro Domínguez sprach sich öffentlich für das Modell aus. Ein größeres Teilnehmerfeld würde die Chancen der südamerikanischen Nationalverbände auf zusätzliche Startplätze erhöhen. Die Conmebol umfasst zehn Mitglieder.

Offen ist allerdings, ob die FIFA weiterhin nur über eine einmalige Sonderlösung für 2030 nachdenkt oder ein dauerhaftes WM-Format prüft. Der ursprüngliche Vorschlag war eng mit dem Jubiläum verknüpft. Die spätere Debatte ist breiter geworden, ohne dass der Weltverband seine Zielrichtung eindeutig festgelegt hätte.

Von 32 auf 48 – und nun auf 64 Mannschaften?

Über Jahrzehnte war das WM-Format vergleichsweise stabil. Von 1998 bis 2022 nahmen jeweils 32 Nationalmannschaften teil. Mit der Weltmeisterschaft 2026 erhöhte die FIFA das Feld auf 48 Teams.

Die Folgen dieser Reform sind erheblich. Statt 64 Partien umfasst das neue Format 104 Begegnungen. Mehr Mannschaften bedeuten mehr Gruppen, mehr Spielorte, mehr Reisetätigkeit und einen größeren organisatorischen Aufwand.

Eine Fußball-WM mit 64 Teams würde das Teilnehmerfeld gegenüber den Turnieren bis 2022 verdoppeln. Bei einem denkbaren Modell mit 16 Vierergruppen und anschließender K.-o.-Phase wären 128 Spiele möglich. Beschlossen oder offiziell vorgestellt ist diese Struktur nicht. Sie zeigt jedoch, in welcher Größenordnung sich die Planungen bewegen könnten.

Auch die Verteilung der Startplätze ist ungeklärt. Jede zusätzliche Teilnahmeberechtigung verändert das Gleichgewicht zwischen Europa, Südamerika, Afrika, Asien, Nord- und Mittelamerika sowie Ozeanien. Damit berührt eine Erweiterung nicht nur den Spielplan des Endturniers, sondern auch die Qualifikationssysteme der Kontinentalverbände.

Aktuelle Planungen gehen weiter von 48 Teams aus

Der offizielle Planungsstand spricht bislang gegen eine unmittelbar bevorstehende Umstellung. Die veröffentlichten FIFA-Informationen zur WM 2030 nennen keine Erweiterung auf 64 Mannschaften.

Auch die Concacaf hat ihren Wettbewerbskalender und die Qualifikation für 2030 auf das Format mit 48 Teilnehmern ausgerichtet. Eine Änderung würde deshalb nicht nur einen Beschluss des Weltverbandes erfordern, sondern zahlreiche bereits begonnene Planungen berühren.

Gerade dieser Punkt trennt die derzeitige Prüfung von einem fertigen Vorhaben. Die FIFA untersucht ein Szenario. Das geltende Modell bleibt vorerst die Fußball-WM mit 48 Teams.

Ein größeres Turnier verspricht zusätzliche Einnahmen

Aus wirtschaftlicher Sicht liegt die Attraktivität des Vorschlags auf der Hand. Mehr Spiele schaffen zusätzliche Rechtepakete für Fernsehsender und Streamingdienste. Neue Teilnehmerländer können weitere Märkte erschließen, das Interesse nationaler Sponsoren steigern und zusätzliche Zuschauer mobilisieren.

Für die FIFA ist die Weltmeisterschaft die wichtigste Einnahmequelle. Eine erneute Erweiterung könnte ihren kommerziellen Wert weiter erhöhen. Genau deshalb sollen Medienrechte, Ticketing und Sponsoring einen zentralen Teil der geplanten Analyse bilden.

Die wirtschaftliche Rechnung allein entscheidet die Debatte jedoch nicht. Bei einer Fußball-WM mit 64 Teams müssten Gastgeber mehr Mannschaften unterbringen, zusätzliche Trainingsstätten bereitstellen und möglicherweise weitere Stadien einbeziehen. Hinzu kämen höhere Anforderungen an Transport, Sicherheit und Logistik.

Ob zusätzliche Einnahmen diese Belastungen ausgleichen und wie sie zwischen FIFA, Ausrichtern und Verbänden verteilt würden, ist bislang nicht bekannt.

Kritik am vollen Fußballkalender

Widerstand kommt vor allem von Funktionären, die vor einer weiteren Ausdehnung des Spielbetriebs warnen. Concacaf-Präsident Victor Montagliani sprach sich bereits 2025 gegen die Erweiterung aus. Auch UEFA-Präsident Aleksander Čeferin und der asiatische Verbandschef Salman bin Ibrahim Al Khalifa äußerten Vorbehalte.

Im Zentrum steht der ohnehin dichte internationale Kalender. Nationalspieler treten für ihre Klubs in nationalen Ligen, Pokalwettbewerben und internationalen Wettbewerben an. Hinzu kommen Länderspiele, Qualifikationsturniere und neue FIFA-Formate.

Ein größeres WM-Turnier könnte entweder länger dauern oder mehr Spiele in einen ähnlichen Zeitraum pressen. Beide Varianten würden neue Konflikte mit Vereinen, Ligen und Spielervertretungen hervorrufen.

Die FIFA will nach Angaben von The Guardian deshalb ausdrücklich untersuchen lassen, wie sich eine Fußball-WM mit 64 Teams auf die Belastung der Profis auswirken würde. Diese Frage dürfte zu den entscheidenden Punkten gehören, falls das Vorhaben später den Gremien vorgelegt wird.

Mehr globale Teilhabe, größere Leistungsunterschiede

Sportpolitisch berührt die Erweiterung einen Grundkonflikt. Die FIFA versteht die Weltmeisterschaft als globales Turnier und wirbt dafür, mehr Ländern Zugang zur größten Bühne des Fußballs zu ermöglichen. Für kleinere Verbände kann eine WM-Teilnahme sportlich, wirtschaftlich und gesellschaftlich große Bedeutung haben.

Kritiker halten dagegen, dass ein stark vergrößertes Teilnehmerfeld die Unterschiede zwischen den Mannschaften sichtbarer machen könnte. Zudem verliert eine Qualifikation an Exklusivität, wenn ein immer größerer Anteil der FIFA-Mitglieder das Endturnier erreicht.

Wie stark diese Effekte tatsächlich wären, lässt sich derzeit nicht seriös beantworten. Gerade deshalb soll die geplante Untersuchung auch die sportliche Qualität und die Akzeptanz des Wettbewerbs bewerten.

Die entscheidende Phase beginnt erst nach der Prüfung

Die FIFA treibt keine beschlossene Fußball-WM mit 64 Teams voran. Sie treibt zunächst die Prüfung eines Modells voran, das tief in den internationalen Spielbetrieb eingreifen würde. Dieser Unterschied ist wesentlich.

Erst der erwartete Bericht dürfte zeigen, ob die FIFA aus dem Vorschlag eine konkrete Vorlage entwickelt. Danach wären die Kontinentalverbände und die zuständigen FIFA-Gremien gefragt. Sie müssten über Startplätze, Turniermodus, Kalender und Austragungsorte entscheiden.

Bis dahin bleibt die Weltmeisterschaft mit 48 Mannschaften die verbindliche Grundlage. Zugleich ist die Debatte weiter als noch vor einem Jahr: Die WM mit 64 Mannschaften ist nicht mehr nur eine symbolische Idee für das Jubiläum 2030. Sie ist zu einem Szenario geworden, dessen Folgen die FIFA nun untersuchen lässt.