Neustart beim DFB
Klopp vor DFB-Debüt: Mit Intensität und XXL-Kader gegen die Niederlande

Neustart beim DFB

Jürgen Klopp steht vor seinem ersten Spiel als Bundestrainer – und beginnt seine Amtszeit gleich mit einem Klassiker. Gegen die Niederlande soll die DFB-Elf mit hoher Intensität, mutigem Fußball und neuer Energie in die Nations League starten. Wie weit der Neustart nach wenigen gemeinsamen Trainingstagen bereits trägt, wird sich allerdings erst auf dem Platz zeigen.
Amsterdam, 24. September 2026. Wenn die deutsche Nationalmannschaft am Donnerstagabend um 20.45 Uhr in der Johan Cruijff Arena auf die Niederlande trifft, beginnt für Jürgen Klopp der sportliche Teil seiner neuen Aufgabe. Seit dem 15. August ist er Bundestrainer. Nun folgt das erste Länderspiel unter seiner Verantwortung – auswärts, gegen einen alten Rivalen und mit einer Mannschaft, die sich gerade erst neu sortiert.
Klopp hat für diesen Moment selbst ein Bild gefunden. Er könne es kaum erwarten, mit der DFB-Elf „ins Fliegen zu kommen“, berichtete ZDFheute vor dem Nations-League-Auftakt. Es ist eine Formulierung, die nach Aufbruch klingt. Einen detaillierten taktischen Plan für die Öffentlichkeit hat Klopp damit allerdings nicht verbunden.
Was sich erkennen lässt, sind die Grundzüge. Die deutsche Nationalmannschaft soll intensiver auftreten, als Einheit arbeiten und die Qualität, die viele Spieler Woche für Woche in ihren Vereinen zeigen, auch im DFB-Trikot abrufen. Klopp verlangt Bewegung und Einsatz. Das Spiel soll leben – selbst dann, wenn es dabei nicht immer vollkommen kontrolliert aussieht.
Schon bei seiner Vorstellung im Juli hatte der neue Bundestrainer deutlich gemacht, welche Begriffe für ihn entscheidend sind: mehr Aufwand, mehr Intensität. Das ist zunächst keine komplizierte taktische Formel. Es beschreibt vielmehr die Haltung, die Klopp von seiner Mannschaft erwartet.
Die Voraussetzungen sind speziell. Anders als im Vereinsfußball bleiben einem Bundestrainer nur wenige Trainingseinheiten, um Abläufe einzuüben und eine gemeinsame Spielidee zu entwickeln. Klopp muss Spieler zusammenführen, die aus unterschiedlichen Klubs, Ligen und taktischen Systemen kommen. Entsprechend wichtig ist für ihn, möglichst schnell eine gemeinsame Basis zu schaffen.
Jeder Spieler soll in der Nationalmannschaft möglichst seine beste Leistung abrufen können. Das ist einer der Gedanken, die Klopp vor seinem Debüt hervorgehoben hat. Aus den individuellen Fähigkeiten soll eine Mannschaft entstehen, die nicht nur über Qualität verfügt, sondern diese gemeinsam auf den Platz bringt.
Wie das gegen die Niederlande im Detail aussehen wird, verrät Klopp bewusst nicht. Eine endgültige Formation hat er öffentlich ebenso wenig angekündigt wie einen detaillierten taktischen Ablauf. Der Gegner soll nicht vorab erfahren, worauf er sich einstellen muss.
Etwas deutlicher wird Klopp bei der grundsätzlichen Ausrichtung. Die DFB-Elf soll lebendig spielen. Dabei nimmt der Bundestrainer offenbar in Kauf, dass eine Partie phasenweise weniger geordnet wirken kann. Entscheidend ist für ihn, dass die Mannschaft aktiv bleibt.
Die Sportschau ordnet intensives Gegenpressing und gemeinschaftliche Arbeit gegen den Ball als Elemente ein, die unter Klopp eine wichtige Rolle spielen dürften. Das entspricht seiner bisherigen Trainerlaufbahn, ist aber noch kein Beleg dafür, dass die Nationalmannschaft einfach das Dortmunder oder Liverpooler Spielmodell übernehmen wird. Für eine solche Festlegung ist es vor dem ersten Länderspiel zu früh.
Klopp selbst hält sich mit taktischen Details zurück. Gerade deshalb lohnt der Blick auf seine Personalentscheidungen. Sie zeigen deutlicher als manche öffentliche Aussage, wie umfassend er die ersten Wochen als Bundestrainer angeht.
Für die vier Nations-League-Spiele dieser Phase hat Klopp insgesamt 44 Spieler in zwei Aufgebote berufen. Die ungewöhnlich große Auswahl ist eines der auffälligsten Merkmale seines Starts beim DFB. Zahlreiche Akteure besitzen bislang keine oder nur geringe Erfahrung in der A-Nationalmannschaft.
Für die ersten beiden Begegnungen gegen die Niederlande und Griechenland stehen nach personellen Anpassungen 24 Spieler zur Verfügung. Danach wird ein erheblicher Teil des Aufgebots ausgetauscht. Klopp bekommt so innerhalb kurzer Zeit die Gelegenheit, viele Kandidaten im unmittelbaren Trainings- und Spielumfeld der Nationalmannschaft zu erleben.
Der große Kreis bedeutet allerdings keinen vollständigen Bruch mit bestehenden Hierarchien. Erfahrung bleibt wichtig. Marc-André ter Stegen, Jonathan Tah, Nico Schlotterbeck und Joshua Kimmich gehören zu den Spielern, die eine zentrale Rolle übernehmen sollen.
Bei Kimmich deutet sich zudem eine bekannte Veränderung an: Unter Klopp soll er wieder stärker im Mittelfeld eingesetzt werden. Dort kann der erfahrene Nationalspieler größeren Einfluss auf Aufbau und Struktur des deutschen Spiels nehmen.
Im Tor hat Klopp vor seinem ersten Länderspiel ebenfalls eine Entscheidung getroffen. Marc-André ter Stegen geht als Nummer eins in die neue Phase der DFB-Elf. Einen Freibrief für die kommenden Jahre gibt es damit nicht. Klopp hat zugleich klargemacht, dass auch auf dieser Position die Leistung entscheidend bleibt.
Damit zeichnet sich das Prinzip seines Neustarts ab: Eine erfahrene Achse soll Stabilität geben, während sich dahinter ein ungewöhnlich großer Kreis von Spielern empfehlen kann. Klopp muss kurzfristig Ergebnisse erzielen und zugleich herausfinden, welche Mannschaft er mittel- und langfristig formen will.
Genau darin liegt die Besonderheit dieser ersten Länderspielphase. Sie ist Pflichtspielstart und Sichtungsphase zugleich.
Für behutsames Herantasten bietet der Spielplan wenig Raum. Gleich zum Auftakt wartet mit den Niederlanden ein Gegner, den Klopp selbst als stark und schwierig eingeschätzt hat. Die historische Rivalität zwischen beiden Fußballnationen will er nicht künstlich aufladen. Sportlich soll die DFB-Elf die Begegnung jedoch mit der entsprechenden Intensität annehmen.
Bemerkenswert ist dabei, dass nicht nur Deutschland mit einem neuen Trainer beginnt. Auch Xavi Hernández steht erstmals als niederländischer Nationaltrainer an der Seitenlinie. Das Nations-League-Duell in Amsterdam wird damit zum doppelten Debüt.
Für Klopp kommt noch ein weiterer Faktor hinzu: Die ersten Trainingseindrücke und die positive Stimmung innerhalb der Mannschaft müssen nun in ein Pflichtspiel übertragen werden. Beim ersten vollständigen Training setzte der neue Bundestrainer nach Berichten von ZDFheute auch auf spielerische Elemente. Gerade die Neulinge sollten schnell Anschluss an die Gruppe finden.
Spätestens mit dem Anpfiff tritt die Atmosphäre jedoch hinter das Ergebnis zurück. Klopp hat selbst darauf hingewiesen, dass seine Mannschaft Resultate liefern muss. Beim Trainingsauftakt formulierte er darüber hinaus das Ziel, alle vier Partien dieser Länderspielphase zu gewinnen.
Nach dem Spiel in Amsterdam bleibt kaum Zeit zur Nachbereitung. Bereits am 27. September trifft Deutschland auf Griechenland. Am 1. Oktober folgt die Begegnung mit Serbien, drei Tage später steht erneut Griechenland auf dem Programm. Weitere Gruppenspiele folgen im November.
Deutschland tritt in der Nations-League-Gruppe A2 gegen die Niederlande, Griechenland und Serbien an. Für Klopp bedeutet dieser enge Spielplan, dass Entscheidungen früh fallen müssen. Gleichzeitig erklärt er, warum der Bundestrainer seinen Kader so breit angelegt hat: Belastungen müssen verteilt, neue Spieler beurteilt und sportliche Ergebnisse erreicht werden.
Der Neustart der deutschen Nationalmannschaft besteht deshalb nicht aus einer einzelnen taktischen Idee. Klopp arbeitet parallel an mehreren Ebenen: Er sucht Personal, verteilt Rollen, baut Hierarchien auf und versucht, in kurzer Zeit eine gemeinsame Spielweise zu etablieren.
Die große Frage vor dem Debüt lautet deshalb weniger, ob bereits nach wenigen Tagen eine vollständig neue DFB-Elf zu sehen sein wird. Entscheidend ist zunächst, welche seiner Grundideen schon erkennbar sind.
Das viel zitierte „Fliegen“ ist dabei vor allem Klopps Beschreibung eines gewünschten Prozesses. Spieler, die in ihren Vereinen auf hohem Niveau auftreten, sollen diese Qualität möglichst schnell in die Nationalmannschaft übertragen. Intensität und Aufwand sollen steigen, die Mannschaft soll geschlossen arbeiten und dabei einen Fußball entwickeln, der aktiv und lebendig wirkt.
Mehr lässt sich vor dem ersten Spiel kaum belastbar feststellen. Eine fertige Klopp-Elf existiert noch nicht, und der Bundestrainer selbst vermeidet es, vor der Partie in Amsterdam ein konkretes taktisches Versprechen abzugeben. Die 44 nominierten Spieler zeigen vielmehr, wie offen die Suche nach der Mannschaft zunächst angelegt ist.
Am Donnerstagabend bekommt dieser Neustart erstmals ein Ergebnis. Gegen die Niederlande wird noch nicht entschieden, wie die deutsche Nationalmannschaft unter Jürgen Klopp in einigen Monaten oder Jahren aussehen wird. Aber erstmals lässt sich beobachten, welche seiner Vorstellungen bereits auf dem Platz angekommen sind – und wie viel Arbeit auf dem Weg zum gewünschten Höhenflug noch vor der DFB-Elf liegt.
Hinweise zu Fehlern, Ergänzungen oder wichtigen Aktualisierungen können über die im Impressum genannten Kontaktwege eingereicht werden. Bitte nennen Sie dabei nach Möglichkeit die betroffene Beitrags-URL.