Deutschland verstärkt seine Drohnenabwehr – und setzt dabei nicht allein auf zusätzliche Einsatzkräfte. In Cochstedt in Sachsen-Anhalt ist ein neues Technologiezentrum für Drohnensicherheit gestartet, das Verfahren zur Erkennung und Abwehr unerwünschter Drohnen entwickeln und unter realitätsnahen Bedingungen erproben soll. Der Standort trifft allerdings auf eine bereits komplexe Sicherheitsarchitektur: Bundespolizei, Bundeswehr und ein gemeinsames Abwehrzentrum haben jeweils eigene Aufgaben.

Cochstedt, 18. August 2026. Auf dem früheren Verkehrsflughafen Magdeburg-Cochstedt bekommt die deutsche Drohnenforschung einen stärkeren sicherheitspolitischen Schwerpunkt. Das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) hat gemeinsam mit dem Bundesinnenministerium und dem Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt ein neues Technologiezentrum für Drohnensicherheit eröffnet. Es arbeitet an den DLR-Standorten Cochstedt und Braunschweig.

Im Mittelpunkt stehen Forschung, Entwicklung und Erprobung. Untersucht werden sollen Technologien und Verfahren für einen sicheren Drohnenbetrieb, aber auch Möglichkeiten, unerwünschte Fluggeräte zu erkennen und abzuwehren. Nach Angaben des DLR sollen dabei Forschung, Unternehmen und Sicherheitsbehörden enger zusammenarbeiten. Neue Lösungen sollen nicht im Versuchsstadium stecken bleiben, sondern schneller für die praktische Nutzung bewertet werden können.

Das ist eine andere Aufgabe als die eines operativen Drohnenabwehrkommandos. Die Einrichtung in Cochstedt soll keine Einsatzkräfte ersetzen und bei einem konkreten Vorfall nicht selbst die Rolle von Polizei oder Bundeswehr übernehmen. Sie liefert vielmehr die technische Erprobungsumgebung für eine Drohnenabwehr, deren Zuständigkeiten in Deutschland auf mehrere Akteure verteilt sind.

Drohnenzentrum in Cochstedt baut auf vorhandener Infrastruktur auf

Dass ausgerechnet Cochstedt dafür ausgewählt wurde, ist kein Neustart auf freiem Feld. Das DLR übernahm den Flughafen bereits 2019. Seit 2021 wird dort das Nationale Erprobungszentrum für unbemannte Luftfahrtsysteme betrieben. Die Infrastruktur für Drohnentests ist also vorhanden; mit dem neuen Technologiezentrum verschiebt sich der Schwerpunkt nun stärker in Richtung Sicherheit und Drohnenabwehr.

Der Standort wurde schon vor der aktuellen Debatte intensiv genutzt. Laut DLR kam das Erprobungszentrum 2025 auf mehr als 200 Nutzungstage. Rund die Hälfte entfiel auf externe Kunden und Kooperationspartner aus Forschung und Industrie. Cochstedt ist damit nicht erst durch die jüngsten politischen Entscheidungen zu einem deutschen Standort für unbemannte Luftfahrtsysteme geworden.

NADR Überblick

Das Wichtigste zusammengefasst

In Cochstedt und Braunschweig startet ein neues DLR-Technologiezentrum für Drohnensicherheit. Es ergänzt bestehende Strukturen von Bundespolizei, Bundeswehr und dem Gemeinsamen Drohnenabwehrzentrum.

Was ist passiert?
Das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) hat gemeinsam mit dem Bundesinnenministerium und dem Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt ein neues Technologiezentrum für Drohnensicherheit eröffnet.
Wo?
Es arbeitet an den DLR-Standorten Cochstedt und Braunschweig.
Was ist bestätigt?
Das DLR übernahm den Flughafen bereits 2019.
Was gilt konkret?
Das DLR nennt eine Summe von mehr als zehn Millionen Euro und bis zu 40 zusätzliche Stellen.

Nun soll weiter investiert werden. Das DLR nennt eine Summe von mehr als zehn Millionen Euro und bis zu 40 zusätzliche Stellen. Nach Angaben des MDR sollen davon 25 Arbeitsplätze in Cochstedt entstehen.

Für Sachsen-Anhalt bedeutet das eine weitere Aufwertung des Standorts. Sicherheitspolitisch ist allerdings eine andere Frage wichtiger: Welche Lücke soll das neue Drohnenzentrum schließen, wenn Deutschland bereits mehrere Einrichtungen für Drohnenabwehr, Koordination und technologische Entwicklung besitzt?

Deutschland hat längst mehrere Strukturen zur Drohnenabwehr

Die deutsche Drohnenabwehr besteht inzwischen aus einem Geflecht unterschiedlicher Einrichtungen. Seit Dezember 2025 gibt es in Berlin das Gemeinsame Drohnenabwehrzentrum von Bund und Ländern. Dort sollen Informationen verschiedener Sicherheitsbehörden zusammenlaufen und Maßnahmen bei entsprechenden Lagen koordiniert werden.

Das Technologiezentrum in Cochstedt steht nicht außerhalb dieser Struktur. Nach Angaben des DLR sollen seine Aktivitäten ausdrücklich in das Gemeinsame Drohnenabwehrzentrum eingebunden werden. Das ist ein wichtiger Unterschied zu der Vorstellung, der Bund errichte unabhängig von bestehenden Einrichtungen ein weiteres Abwehrzentrum mit denselben Zuständigkeiten.

Auch die Bundespolizei baut ihre operative Drohnenabwehr aus. Im August wurde angekündigt, die ursprünglich mit rund 130 Kräften geplante Einheit auf 300 Spezialisten an acht Standorten zu erweitern. Ihre Aufgabe liegt wesentlich näher am konkreten Einsatzgeschehen als die Arbeit des DLR: Drohnen erkennen, verfolgen und bei entsprechenden Voraussetzungen neutralisieren.

Damit verlaufen die Grenzen zumindest auf dem Papier klar. Cochstedt forscht und testet, das gemeinsame Zentrum koordiniert, Polizeikräfte übernehmen operative Aufgaben. In der Praxis kommt allerdings ein weiterer großer Akteur hinzu.

Auch die Bundeswehr testet Drohnen und Abwehrsysteme

Seit Februar 2026 betreibt die Bundeswehr in Erding ein eigenes Innovationszentrum. Dort geht es ebenfalls um neue Technologien, darunter Drohnen, Systeme zur Drohnenabwehr und KI-gestützte Drohnenschwärme. Testkampagnen gehören ausdrücklich zum Konzept.

Hier entstehen die deutlichsten Überschneidungen mit Cochstedt. An beiden Standorten geht es um Technologie, Erprobung und Drohnenabwehr. Identisch sind die Einrichtungen dennoch nicht. Erding ist unmittelbar an die militärische Innovations- und Beschaffungsstruktur angebunden und orientiert sich an den Anforderungen der Bundeswehr. Das DLR-Zentrum soll dagegen Forschung, Industrie und Sicherheitsbehörden zusammenführen und Technologien für einen breiteren Kreis von Anwendern untersuchen.

Von einer nachgewiesenen Doppelstruktur kann deshalb derzeit keine Rede sein. Dafür müsste belegt sein, dass Einrichtungen dieselben Aufgaben parallel erledigen oder Ressourcen ohne zusätzlichen Nutzen mehrfach eingesetzt werden. Solche Belege liegen nicht vor.

Die Überschidungen machen jedoch sichtbar, worauf es künftig ankommt: Forschungsprojekte müssen abgestimmt, Erkenntnisse geteilt und technische Lösungen anschließend in Beschaffung und Einsatz überführt werden. Zusätzliche Standorte allein schaffen noch keine bessere Drohnenabwehr.

Wer ist in Deutschland für Drohnenabwehr zuständig?

Die Zuständigkeit hängt wesentlich davon ab, wo eine Gefahr auftritt. Die Bundeswehr ist regulär für den Schutz militärischer Liegenschaften und der eigenen Truppe zuständig. Außerhalb militärischer Bereiche liegen Aufgaben der Gefahrenabwehr grundsätzlich bei den Landespolizeien und der Bundespolizei.

Der rechtliche Rahmen wurde 2026 angepasst. Im März passierte eine Änderung des Luftsicherheitsgesetzes den Bundesrat. Sie regelt unter anderem Möglichkeiten, mit denen die Bundeswehr Polizeibehörden bei schweren Gefahrenlagen unterstützen kann.

Damit ist die politische Debatte über Zuständigkeiten keineswegs erledigt. Noch im August wurde darüber diskutiert, Kompetenzen stärker bei der Bundespolizei zu bündeln. Die Frage hinter dem Ausbau der Drohnenabwehr ist deshalb größer als die nach einzelnen Sensoren, Störsystemen oder Testgeländen. Sie betrifft die Fähigkeit verschiedener Behörden, bei einer konkreten Bedrohung schnell und rechtssicher zusammenzuarbeiten.

Das neue Zentrum muss seinen praktischen Nutzen erst zeigen

Genau hier liegt die entscheidende Bewährungsprobe für das Drohnenzentrum in Cochstedt. Die technischen Voraussetzungen für umfangreiche Erprobungen sind vorhanden, der Standort verfügt über Erfahrung und soll personell wie finanziell ausgebaut werden. Noch offen ist aber, wie schnell aus Forschungsergebnissen tatsächlich einsatzfähige Lösungen werden.

Öffentlich bekannte Vorgaben dazu, wie viele Systeme innerhalb eines bestimmten Zeitraums zur Einsatzreife gebracht werden sollen, liegen bislang nicht vor. Ebenso wenig lässt sich zum Start beurteilen, ob die Zusammenarbeit zwischen den unterschiedlichen Einrichtungen Reibungsverluste vermeidet.

Das gilt besonders für die Schnittstelle zwischen ziviler Forschung und militärischer Entwicklung. Cochstedt und Erding beschäftigen sich beide mit Technologien rund um Drohnen und deren Abwehr. Die formalen Aufgabenprofile unterscheiden sich, doch erst die praktische Arbeit wird zeigen, wie konsequent Tests koordiniert und Ergebnisse gemeinsam genutzt werden.

Der Begriff „Gamechanger“ wäre deshalb verfrüht. Das neue Technologiezentrum ist zunächst ein weiterer Baustein in einer Sicherheitsarchitektur, die in kurzer Zeit erheblich ausgebaut wurde. Seine Bedeutung lässt sich nicht an der Eröffnung messen, sondern daran, ob daraus Technik entsteht, die Behörden tatsächlich einsetzen können.

Entscheidend ist nicht die Zahl der Zentren

Cochstedt erweitert Deutschlands Drohnenabwehr nicht um ein weiteres Einsatzkommando. Der Standort soll die technologische Grundlage stärken: entwickeln, prüfen, unter realitätsnahen Bedingungen testen. Mehr als zehn Millionen Euro zusätzliche Investitionen und bis zu 40 neue Stellen geben dem Vorhaben Gewicht.

Gleichzeitig wächst die Zahl der beteiligten Akteure. Das gemeinsame Drohnenabwehrzentrum koordiniert, Bundespolizei und Landesbehörden tragen operative Verantwortung, die Bundeswehr besitzt eigene Zuständigkeiten und testet in Erding ebenfalls neue Technologien. Das DLR soll mit Cochstedt und Braunschweig Forschung und praktische Anforderungen enger zusammenführen.

Ob daraus eine schlagkräftigere Drohnenabwehr entsteht, lässt sich am Tag der Eröffnung nicht beantworten. Der Maßstab ist nüchterner: Die unterschiedlichen Stellen müssen vermeiden, nebeneinander an denselben Problemen zu arbeiten, und Erkenntnisse schnell dorthin bringen, wo sie gebraucht werden. Erst wenn dieser Transfer funktioniert, wird aus einem neuen Forschungszentrum ein tatsächlicher Sicherheitsgewinn.