
Ahmedabad / New Delhi, 12. Januar 2026 – Warme Luft liegt über Gujarat, als die Kolonnen vorfahren. Bundeskanzler Friedrich Merz beginnt seine erste große Asienreise mit einem politisch bewusst gesetzten Auftakt in Indien. Der Empfang durch Premierminister Narendra Modi ist feierlich, die Gespräche sind ernst. Im Mittelpunkt steht ein Projekt, das weit über diplomische Symbolik hinausreicht: ein Milliarden-U-Boot-Deal zwischen Deutschland und Indien.
Was in den Konferenzräumen von Gandhinagar verhandelt wird, hat strategisches Gewicht. Deutschland und Indien sprechen über den Bau mehrerer moderner konventioneller U-Boote, ein Vorhaben mit einem Volumen von rund acht Milliarden Euro. Der geplante Milliarden-U-Boot-Deal markiert einen möglichen Wendepunkt in den bilateralen Beziehungen – wirtschaftlich, sicherheitspolitisch und industriepolitisch.
Ein Besuch mit Signalwirkung
Dass Friedrich Merz Indien zu seinem ersten großen asiatischen Ziel macht, gilt in diplomatischen Kreisen als klare Prioritätensetzung. Noch vor China oder Japan sucht der neue Kanzler den Schulterschluss mit der bevölkerungsreichsten Demokratie der Welt. Der Besuch ist dicht getaktet, flankiert von Wirtschaftsdelegationen und hochrangigen Gesprächen über Handel, Technologie und Sicherheit.
Premierminister Narendra Modi nutzt den Besuch, um Indien als verlässlichen Partner Europas zu positionieren. Die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen beiden Ländern haben sich in den vergangenen Jahren dynamisch entwickelt. Das bilaterale Handelsvolumen erreichte zuletzt ein Rekordniveau von über 50 Milliarden US-Dollar. Deutschland ist damit einer der wichtigsten europäischen Handelspartner Indiens.
Doch der aktuelle Staatsbesuch geht über klassische Wirtschaftsdiplomatie hinaus. Mit dem geplanten Milliarden-U-Boot-Deal rückt erstmals seit Jahren wieder ein großangelegtes Rüstungsprojekt in den Mittelpunkt deutsch-indischer Beziehungen.
Der Milliarden-U-Boot-Deal im Detail
Gegenstand der Gespräche ist der mögliche Bau von sechs konventionellen U-Booten deutscher Bauart für die indische Marine. Das Projekt ist Teil des indischen Modernisierungsprogramms Project 75(I), mit dem Neu-Delhi seine alternde U-Boot-Flotte erneuern will. Der Milliarden-U-Boot-Deal würde zu den größten Rüstungsverträgen gehören, die Indien bislang abgeschlossen hat.
Vorgesehen ist, dass die Boote in indischen Werften gefertigt werden, unterstützt durch deutsche Technologie und Expertise. Im Zentrum steht dabei ein umfassender Technologietransfer. Für Indien ist dies entscheidend: Die Regierung verfolgt seit Jahren das Ziel, die eigene Verteidigungsindustrie zu stärken und Schlüsseltechnologien im Land zu halten.
Die geplanten U-Boote sollen mit moderner luftunabhängiger Antriebstechnologie ausgestattet sein. Diese AIP-Systeme ermöglichen längere Tauchzeiten und erhöhen die operative Reichweite – ein Faktor von strategischer Bedeutung für die indische Marine, insbesondere im Indischen Ozean.
Project 75(I): Mehr als ein Beschaffungsprogramm
Project 75(I) ist nicht nur ein militärisches Modernisierungsvorhaben, sondern Teil einer langfristigen sicherheitspolitischen Neuausrichtung. Indien will seine Abhängigkeit von einzelnen Lieferanten reduzieren und setzt verstärkt auf Partnerschaften mit westlichen Industrienationen. Der Milliarden-U-Boot-Deal mit Deutschland fügt sich nahtlos in diese Strategie ein.
Für die deutsche Seite bedeutet das Projekt Zugang zu einem der weltweit größten Rüstungsmärkte. Deutsche Marineindustrie gilt international als technologisch führend im Bereich konventioneller U-Boote. Ein erfolgreicher Abschluss würde diese Position weiter festigen.
Industrie, Arbeitsplätze und Technologie
Der mögliche Milliarden-U-Boot-Deal hat auch in Deutschland wirtschaftliche Relevanz. Große Industrieaufträge dieser Größenordnung sichern über Jahre hinweg hochqualifizierte Arbeitsplätze und stärken den Exportsektor. Entsprechend aufmerksam wird der Besuch von Merz in Wirtschaft und Industrie verfolgt.
An den Finanzmärkten sorgten Berichte über den möglichen Deal bereits im Vorfeld für Bewegung. Investoren reagierten sensibel auf die Aussicht, dass deutsche Unternehmen langfristig an einem strategischen Großprojekt beteiligt sein könnten. Politisch wird der Deal als Beleg für die Wettbewerbsfähigkeit deutscher Hochtechnologie gewertet.
Zugleich bleibt der Rüstungsexport ein sensibles Thema. In Berlin wird betont, dass solche Projekte stets im Einklang mit geltenden Exportregeln und politischen Leitlinien stehen müssen. Der Milliarden-U-Boot-Deal wird daher nicht nur wirtschaftlich, sondern auch politisch genau geprüft.
Breitere Agenda zwischen Berlin und Neu-Delhi
Der Staatsbesuch ist bewusst breiter angelegt als ein einzelnes Rüstungsprojekt. Neben dem Milliarden-U-Boot-Deal stehen mehrere zentrale Themen auf der gemeinsamen Agenda:
- Fortschritte bei einem Freihandelsabkommen zwischen der Europäischen Union und Indien
- Zusammenarbeit bei kritischen Rohstoffen und Versorgungssicherheit
- Technologiepartnerschaften in den Bereichen Halbleiter, Digitalisierung und erneuerbare Energien
- Erleichterte Mobilität für Fachkräfte und vertiefte Kooperation in Bildung und Gesundheit
Merz unterstreicht in Gesprächen die Bedeutung offener Märkte und verlässlicher Lieferketten. Modi wiederum verweist auf Indiens Rolle als wachsender Innovationsstandort und stabiler Partner in einer zunehmend fragmentierten Weltwirtschaft.
Geopolitische Dimensionen
Der Milliarden-U-Boot-Deal ist auch geopolitisch eingebettet. Indien sucht angesichts globaler Spannungen nach neuen strategischen Partnern und einer ausgewogeneren sicherheitspolitischen Aufstellung. Deutschland wiederum positioniert sich stärker im indo-pazifischen Raum, ohne klassische Bündnisse infrage zu stellen.
Die geplante Kooperation sendet damit ein Signal über die bilateralen Beziehungen hinaus. Sie zeigt, dass sicherheitspolitische Zusammenarbeit zwischen Demokratien an Bedeutung gewinnt – auch jenseits traditioneller Bündnisstrukturen.
Zwischen Verhandlung und Entscheidung
Ob der Milliarden-U-Boot-Deal noch während des Besuchs offiziell besiegelt wird, bleibt offen. In beiden Delegationen ist von weit fortgeschrittenen Gesprächen die Rede, zugleich wird betont, dass finale Entscheidungen sorgfältig vorbereitet werden müssen. Klar ist jedoch: Der politische Wille auf beiden Seiten ist vorhanden.
Für Friedrich Merz ist der Besuch ein außenpolitischer Auftakt mit Gewicht. Für Narendra Modi bietet er die Gelegenheit, Indiens Anspruch als globaler Akteur zu unterstreichen. Der Milliarden-U-Boot-Deal steht dabei exemplarisch für eine Partnerschaft, die sich neu justiert.
Ein strategischer Moment
Unabhängig vom Zeitpunkt der Vertragsunterzeichnung markiert der Besuch einen strategischen Moment in den deutsch-indischen Beziehungen. Wirtschaft, Sicherheit und Technologie rücken enger zusammen. Der geplante Milliarden-U-Boot-Deal wird damit zum Symbol einer Partnerschaft, die zunehmend unter der Oberfläche an Tiefe gewinnt – und deren Auswirkungen weit über diesen Januar hinausreichen dürften.