Kommt jetzt die Entlassungswelle? KiK schließt 50 Filialen in Europa – Hälfte der Standorte in Deutschland betroffen

16. Februar 2026 | 17:08 Uhr |

Bönen. Der Textildiscounter KiK wird im ersten Quartal 2026 europaweit 50 Filialen schließen, etwa die Hälfte davon in Deutschland. Das Unternehmen reagiert damit auf wirtschaftlichen Druck und überprüft sein gesamtes Filialnetz. Für die Beschäftigten soll es „in der Regel“ interne Lösungen geben – doch die Restrukturierung könnte erst der Anfang sein.

Bönen, 16. Februar 2026 – Der Textildiscounter KiK ordnet sein Filialnetz neu. Im Zuge einer europaweiten Restrukturierung sollen im ersten Quartal dieses Jahres rund 50 Standorte geschlossen werden. Etwa jede zweite dieser Filialen liegt in Deutschland. Das Unternehmen mit Sitz im nordrhein-westfälischen Bönen spricht von einer strategischen Anpassung an veränderte Marktbedingungen.

KiK betreibt nach eigenen Angaben mehr als 4.200 Filialen in 14 europäischen Ländern und beschäftigt rund 32.000 Menschen. Die nun angekündigten Filialschließungen betreffen damit einen vergleichsweise kleinen Teil des Gesamtbestands – sie markieren jedoch einen sichtbaren Einschnitt in der Expansionsgeschichte des Discounters.

Filialschließungen als Teil einer strategischen Neuausrichtung

Die 50 betroffenen Märkte gelten nach Unternehmensangaben als wirtschaftlich nicht tragfähig. Der Textildiscounter KiK reagiert damit auf eine angespannte Lage im stationären Einzelhandel, die seit Jahren durch steigende Kosten, wachsenden Onlinehandel und verändertes Konsumverhalten geprägt ist.

Branchenkreise berichten zudem, dass europaweit rund 400 weitere Standorte unter Beobachtung stehen. Darunter sollen sich etwa 170 Filialen in Deutschland befinden, die nur geringe Erträge erwirtschaften oder Verluste schreiben. Eine offizielle Bestätigung dieser Zahl durch KiK gibt es nicht, doch das Unternehmen hatte bereits im Herbst angekündigt, das Filialnetz systematisch zu überprüfen.

Die jetzigen Filialschließungen sind demnach Teil eines länger vorbereiteten Prozesses. Parallel plant KiK im gleichen Zeitraum neun Neueröffnungen, darunter mindestens einen Standort in Deutschland. Der Rückzug erfolgt also nicht flächendeckend, sondern selektiv – unrentable Märkte werden geschlossen, während an anderer Stelle investiert wird.

Warum KiK Filialen schließt

Die Gründe für die Filialschließungen lassen sich auf mehrere strukturelle Faktoren zurückführen:

  • Intensiver Wettbewerb im Discount- und Textilsegment
  • Zunehmende Verlagerung von Umsätzen in den Onlinehandel
  • Steigende Energie-, Logistik- und Personalkosten
  • Kaufzurückhaltung vieler Verbraucher

Gerade im preissensiblen Segment, in dem KiK operiert, wirken sich Kostensteigerungen unmittelbar auf die Marge aus. Der Spielraum für Preisanpassungen ist begrenzt, da Kundinnen und Kunden stark auf Preisunterschiede reagieren. Gleichzeitig steigen die Anforderungen an Lieferketten, Nachhaltigkeit und Warenverfügbarkeit.

„In der Regel“ Weiterbeschäftigung der Mitarbeiter

Im Mittelpunkt der öffentlichen Aufmerksamkeit steht neben den Filialschließungen die Frage nach den Arbeitsplätzen. KiK betont, dass die Beschäftigten der betroffenen Standorte „in der Regel“ im Unternehmen gehalten werden sollen. Aufgrund des dichten Filialnetzes gebe es häufig die Möglichkeit, Mitarbeitende in nahegelegene Märkte zu versetzen.

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Konkrete Zahlen zu möglichen Versetzungen oder betriebsbedingten Kündigungen nannte der Textildiscounter KiK nicht. Die Formulierung „in der Regel“ lässt jedoch erkennen, dass individuelle Lösungen geprüft werden – ohne eine generelle Arbeitsplatzgarantie auszusprechen.

Für die Belegschaft bedeutet die angekündigte Restrukturierung dennoch eine Phase der Unsicherheit. Interne Umsetzungen können längere Anfahrtswege oder veränderte Arbeitszeiten mit sich bringen. Gleichzeitig signalisiert das Unternehmen, dass es an seinen Mitarbeitern festhalten will – ein wichtiges Signal in einer Branche, die seit Jahren unter Rationalisierungsdruck steht.

Öffnungszeiten und Effizienzmaßnahmen im Fokus

Neben den Filialschließungen prüft KiK offenbar weitere Maßnahmen zur Effizienzsteigerung. Dazu zählen veränderte Öffnungszeiten einzelner Standorte. In schwächer frequentierten Märkten könnte künftig später geöffnet oder früher geschlossen werden, um Personalkosten zu senken.

Solche Anpassungen sind im Einzelhandel kein ungewöhnliches Instrument. Sie ermöglichen es, Standorte weiterzuführen, die ansonsten möglicherweise geschlossen würden. Ob und in welchem Umfang KiK diese Maßnahme europaweit umsetzt, bleibt jedoch offen.

Wirtschaftliche Lage des Unternehmens

Der Textildiscounter KiK gehört zur Tengelmann-Gruppe und zählt seit Jahren zu den größten Anbietern im europäischen Textil-Discount. Für 2023 wurde ein Umsatz von rund 2,4 Milliarden Euro gemeldet, für 2025 ein leicht gestiegener Wert von etwa 2,43 Milliarden Euro.

Die moderaten Umsatzsteigerungen verdecken jedoch strukturelle Herausforderungen. In einem Markt mit schmalen Margen entscheidet nicht allein der Gesamtumsatz, sondern die Profitabilität einzelner Standorte über die Wirtschaftlichkeit. Gerade kleinere Filialen in strukturschwachen Regionen geraten dabei unter Druck.

Stationärer Handel im Wandel

Die Filialschließungen bei KiK stehen exemplarisch für einen grundlegenden Wandel im stationären Einzelhandel. Seit Jahren verschiebt sich das Einkaufsverhalten: Digitale Plattformen gewinnen Marktanteile, während klassische Ladenflächen mit steigenden Betriebskosten konfrontiert sind.

Für Textildiscounter wie KiK bedeutet das, Sortiment, Logistik und Standortstrategie kontinuierlich anzupassen. Gleichzeitig bleiben stationäre Geschäfte für viele Kundinnen und Kunden relevant – insbesondere im preisorientierten Segment, wo spontane Käufe und unmittelbare Warenverfügbarkeit eine wichtige Rolle spielen.

Regionale Auswirkungen in Deutschland

Dass rund die Hälfte der 50 Filialschließungen in Deutschland erfolgt, unterstreicht die Bedeutung des Heimatmarktes. Deutschland ist für den Textildiscounter KiK weiterhin zentraler Absatzmarkt. Entsprechend aufmerksam werden die Entwicklungen hier beobachtet.

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Welche Städte und Gemeinden konkret betroffen sind, wurde bislang nicht veröffentlicht. Erfahrungsgemäß treffen solche Maßnahmen vor allem kleinere oder wirtschaftlich schwächere Standorte, in denen die Umsätze dauerhaft hinter den Erwartungen zurückbleiben.

Signalwirkung für die Branche

Die Entscheidung von KiK dürfte auch in anderen Handelsunternehmen aufmerksam registriert werden. Viele Wettbewerber stehen vor ähnlichen Herausforderungen. Restrukturierungen, Filialoptimierungen und selektive Rückzüge gehören inzwischen zum strategischen Standardrepertoire großer Handelsketten.

Gleichzeitig sendet die Ankündigung ein Signal an Vermieter, Kommunen und Beschäftigte: Selbst etablierte Discounter mit breiter Marktpräsenz überprüfen ihre Flächenstruktur kritisch. Leerstände in Innenstädten könnten durch weitere Schließungen zunehmen – ein Thema, das viele Städte bereits beschäftigt.

Zwischen Konsolidierung und Investition

Die angekündigten 50 Filialschließungen bedeuten für KiK keinen generellen Rückzug aus dem Markt. Die parallelen Neueröffnungen zeigen, dass das Unternehmen weiter an sein stationäres Geschäftsmodell glaubt. Es geht um Konsolidierung, nicht um Aufgabe.

Ob die aktuelle Maßnahme ausreicht, um die Profitabilität nachhaltig zu sichern, wird sich erst in den kommenden Geschäftszahlen zeigen. Klar ist: Die Restrukturierung des Filialnetzes ist ein Prozess, der über das laufende Quartal hinausreichen dürfte.

Ein Unternehmen im Umbau

Der Textildiscounter KiK steht vor einer Phase der Anpassung. 50 Filialschließungen in Europa sind kein radikaler Kahlschlag, aber ein deutliches Zeichen. Das Unternehmen reagiert auf wirtschaftlichen Druck, ohne sich von seinem Grundmodell zu verabschieden.

Für die Beschäftigten bleibt entscheidend, ob die angekündigte Weiterbeschäftigung „in der Regel“ tatsächlich umgesetzt werden kann. Für Kunden stellt sich die Frage, ob und wie sich die Erreichbarkeit einzelner Standorte verändert.

Die Entwicklung zeigt: Auch große Discounter müssen ihr Filialnetz kontinuierlich neu ausrichten. Der stationäre Handel bleibt ein dynamisches Feld – und KiK ist mitten in diesem Umbauprozess.

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Als Autor für das Magazin "Nah am digitalen Rand" verbinde ich meine Germanistik-Expertise mit einem unstillbaren Interesse für redaktionell spannende Themen. Meine Leidenschaft gilt der Erforschung und dem Verständnis der digitalen Evolution unserer Sprache, ein Bereich, der mich stets zu tiefgründigen Analysen und Artikeln inspiriert.