In der Demokratischen Republik Kongo haben Forschende eine bislang nicht wissenschaftlich beschriebene Affenart identifiziert. Der Likweli lebt offenbar nur in einem kleinen Regenwaldgebiet rund um den Lomami-Nationalpark. Wie groß sein Bestand ist und wie gefährdet die neue Affenart im Kongo tatsächlich sein könnte, bleibt bislang offen.

Kinshasa, 21. Juli 2026. Der erste Hinweis war kaum mehr als ein undeutliches Foto aus einer Baumkrone. Fast zwei Jahrzehnte später steht fest: Bei dem Tier handelte es sich nicht um eine ungewöhnliche Variante einer bekannten Art, sondern um einen eigenständigen Primaten. Die neue Affenart aus der Demokratischen Republik Kongo trägt den wissenschaftlichen Namen Colobus congoensis. Als gebräuchliche Bezeichnung schlagen die Forschenden den Namen Likweli vor.

Der Likweli gehört zur Gruppe der schwarz-weißen Stummelaffen. Sein überwiegend schwarzes Fell, die helle bis orangefarbene Haut rund um Mund und Nase sowie eine weiße Zeichnung am Hinterkörper unterscheiden ihn von verwandten Arten. Ausschlaggebend für die wissenschaftliche Einordnung waren jedoch nicht allein äußere Merkmale. Das Forschungsteam wertete auch genetische Daten, Körpermerkmale und Lautäußerungen aus.

Damit ist die neue Affenart im Kongo formal beschrieben. Neu ist sie allerdings nur aus wissenschaftlicher Sicht. Einzelne Gemeinschaften in der Region kannten die Tiere bereits und verwendeten eigene Namen für sie. Die Bezeichnung Likweli stammt ebenfalls aus dem Gebiet, in dem die Affen leben.

Vom rätselhaften Foto zur neuen Affenart

Die Spur beginnt im Jahr 2008. Damals wurde ein Affe hoch oben in einem Baum fotografiert. Das Tier war auf der Aufnahme nur teilweise zu erkennen. Eine verlässliche Bestimmung war deshalb nicht möglich. Die Beobachtung blieb zunächst ein zoologisches Rätsel.

Erst im November 2018 gelang eine weitere Dokumentation. Dieses Mal war das Tier deutlicher zu sehen. Die Aufnahme verstärkte den Verdacht, dass es sich um eine bislang unbekannte Form innerhalb der Gattung Colobus handeln könnte. In den folgenden Jahren suchten Forschende gezielt nach weiteren Exemplaren und sammelten Material für eine systematische Untersuchung.

Zwischen 2018 und 2022 registrierte das Team insgesamt 114 Nachweise. Bei 89 davon wurden die Tiere direkt beobachtet. Weitere Funde beruhten ganz oder teilweise auf ihren Rufen. Die Zahl lässt allerdings keinen Rückschluss auf die Größe der Population zu. Einzelne Tiere oder Gruppen können mehrfach erfasst worden sein.

Genetik und Rufe liefern entscheidende Hinweise

Für die Beschreibung einer neuen Affenart reicht eine ungewöhnliche Fellfarbe nicht aus. Die Forschenden verglichen den Likweli deshalb mit anderen schwarz-weißen Stummelaffen. Sie untersuchten das Erbgut, analysierten Körperbau und Fellzeichnung und werteten die Lautäußerungen der Tiere aus.

Dabei zeigte sich eine Kombination von Merkmalen, die bei keiner bekannten verwandten Art in dieser Form vorkommt. Der Likweli ist überwiegend schwarz gefärbt. Rund um Mund und Nase besitzt er eine rosa- bis orangefarbene Hautpartie. Am Hinterkörper fällt eine weiße Zeichnung auf. Die bislang untersuchten Tiere waren zudem kleiner als viele andere Vertreter ihrer Gattung.

Woran der Likweli erkannt wird

  • überwiegend schwarzes Fell
  • helle bis orangefarbene Haut um Mund und Nase
  • weiße Fellzeichnung am Hinterkörper
  • vergleichsweise geringe Körpergröße
  • charakteristische Lautäußerungen

Besonders aufschlussreich waren die Rufe. Das Team untersuchte Frequenz, Dauer, Rhythmus und Verlauf der Lautäußerungen. Die akustischen Muster unterschieden sich messbar von denen verwandter Stummelaffen. Zusammen mit den genetischen und anatomischen Befunden stützte dies die Einordnung als eigenständige Art.

Likweli lebt nur in einem kleinen Regenwaldgebiet

Nach dem bisherigen Forschungsstand kommt die neue Affenart im Kongo nur in einem eng begrenzten Gebiet vor. Das bekannte Verbreitungsareal umfasst rund 1.700 Quadratkilometer in den Provinzen Tshopo und Maniema. Ein erheblicher Teil liegt im Lomami-Nationalpark und in dessen Umgebung.

Die meisten Nachweise gelangen nahe dem Lomami-Fluss. 104 der 114 registrierten Beobachtungen lagen weniger als zehn Kilometer vom Fluss entfernt. Die Tiere halten sich vor allem in den hohen, geschlossenen Baumkronen alter Regenwälder auf. Gerade dieser Lebensraum macht sie schwer auffindbar: Vom Boden aus sind die Affen oft kaum zu sehen, ihre Anwesenheit verrät sich eher durch Bewegung im Blätterdach oder durch Rufe.

Merkmal Bisheriger Stand
Wissenschaftlicher Name Colobus congoensis
Gebräuchlicher Name Likweli
Bekanntes Verbreitungsgebiet rund 1.700 Quadratkilometer
Registrierte Nachweise 114 zwischen 2018 und 2022
Lebensraum alter, geschlossener Regenwald

Beobachtete Gruppen bestanden aus einem bis 20 Tieren. Im Durchschnitt wurden etwas mehr als sechs Affen zusammen gesehen. Häufig bewegten sich Likweli gemeinsam mit anderen Primatenarten durch das Kronendach. Bei einem großen Teil der näher ausgewerteten Beobachtungen waren sie Teil gemischter Gruppen.

Warum die Tiere solche Gemeinschaften bilden, ist noch nicht abschließend geklärt. Auch zu Ernährung, Fortpflanzung, Lebenserwartung und Revierverhalten gibt es bislang nur begrenzte Erkenntnisse. Die wissenschaftliche Erstbeschreibung markiert deshalb weniger das Ende der Forschung als deren eigentlichen Beginn.

Der nächste Verwandte lebt weit entfernt

Genetisch steht der Likweli dem Schwarzen Stummelaffen besonders nahe, der auch Satansaffe genannt wird. Dessen bekanntes Verbreitungsgebiet liegt allerdings mehr als 1.200 Kilometer entfernt. Nach den Berechnungen des Forschungsteams trennten sich die Entwicklungslinien beider Arten vor ungefähr vier bis fünf Millionen Jahren.

Die große geografische Distanz ist für die weitere Forschung besonders interessant. Noch ist nicht geklärt, wie sich die Vorfahren des Likweli in dem begrenzten Gebiet etablierten und weshalb sich dort über einen so langen Zeitraum eine eigenständige Population erhalten konnte.

Wie gefährdet ist die neue Affenart im Kongo?

Eine belastbare Bestandszahl gibt es bislang nicht. Die 114 registrierten Nachweise lassen keine Hochrechnung auf die Gesamtpopulation zu. Dafür ist das untersuchte Gebiet zu unübersichtlich, die Zahl der erfassten Tiere zu unsicher und ihr Lebensraum zu schwer zugänglich.

Die Forschenden schlagen vor, den Likweli zunächst als stark gefährdet einzustufen. Eine offizielle Bewertung durch die Internationale Union zur Bewahrung der Natur liegt damit jedoch noch nicht vor. Der vorgeschlagene Status beruht vor allem auf dem kleinen bekannten Verbreitungsgebiet und der vermutlich geringen Population.

Als mögliche Risiken gelten Veränderungen des Regenwaldes und ein künftig wachsender Jagddruck. Hinweise darauf, dass der Likweli bereits in größerem Umfang gezielt gejagt wird, gibt es bislang nicht. Zugleich liegt ein wesentlicher Teil seines bekannten Lebensraums in einem Schutzgebiet. Das könnte für den Erhalt der Art entscheidend sein.

Offen bleibt auch, ob außerhalb des bisher untersuchten Areals weitere Populationen leben. Die rund 1.700 Quadratkilometer markieren den derzeit bekannten Lebensraum, nicht zwingend dessen endgültige Grenze. Erst weitere Erhebungen können zeigen, ob die neue Affenart im Kongo noch in anderen Waldgebieten vorkommt.

Eine wissenschaftliche Entdeckung mit lokalem Vorwissen

Der Fall des Likweli zeigt, wie unterschiedlich „Entdeckung“ verstanden werden kann. Für die Zoologie ist Colobus congoensis eine neue Art. Für einige Menschen in der Region war das Tier hingegen keineswegs unbekannt. Sie hatten die Affen beobachtet und benannt, lange bevor genetische Analysen und akustische Vergleiche ihre Eigenständigkeit belegten.

Nun richtet sich der Blick auf die nächsten Fragen: Wie viele Tiere leben im Lomami-Gebiet? Wie groß ist ihr tatsächliches Verbreitungsgebiet? Und wie stabil ist ihr Lebensraum? Die wissenschaftliche Beschreibung schafft dafür erstmals eine klare Grundlage. Ob der Likweli nur selten zu sehen oder tatsächlich äußerst selten ist, wird sich erst nach weiteren Jahren der Forschung beantworten lassen.