Neue Wege durch Koksöfen
Zollverein Essen: Neuer Besucherweg führt mitten durch historische Koksöfen

Neue Wege durch Koksöfen

Auf dem UNESCO-Welterbe Zollverein in Essen ist ein bislang nicht öffentlich zugänglicher Teil der ehemaligen Kokerei für Besucher erschlossen worden. In der Koksofenbatterie 9 führt nun ein rund 30 Meter langer Laufsteg durch aufgeschnittene Koksöfen – sieben Meter über dem Boden. Mit den Stationen „Beheizen“ und „Umweltschutz“ ist zugleich der über Jahre ausgebaute Denkmalpfad der Kokerei vollständig.
Essen, 23. September 2026. Der Weg führt dorthin, wo Besucher bislang nicht hinkamen: hinein in die Koksofenbatterie 9. Seit dem 20. September können Gäste auf Zollverein einen Teil der ehemaligen Kokerei aus einer neuen Perspektive erleben. Statt die mächtigen Öfen nur von außen zu betrachten, bewegen sie sich auf einem eigens angelegten Laufsteg durch die historische Anlage.
Rund 30 Meter führt der Weg durch aufgeschnittene Koksöfen, in etwa sieben Metern Höhe. Die neue Station trägt den Namen „Beheizen“ und ist einer von zwei Bereichen, mit denen der Denkmalpfad Kokerei Zollverein jetzt komplettiert wurde. Die zweite Station heißt „Umweltschutz“.
Nach Angaben der Stiftung Zollverein waren Teile der Kokerei über Jahrzehnte nicht öffentlich zugänglich und Beschäftigten vorbehalten. Von einem vollständig „verbotenen“ oder geheimen Bereich kann deshalb keine Rede sein. Neu ist der Zugang für Besucher – und der reicht nun ungewöhnlich tief in die ehemalige Produktionsanlage hinein.
Die Koksofenbatterie 9 gehört zu jenen Bereichen, an denen sich die Dimensionen der früheren Koksproduktion besonders unmittelbar nachvollziehen lassen. Wo heute Besucher über einen Laufsteg gehen, lief einst ein industrieller Prozess unter extremer Hitze.
Die Station „Beheizen“ widmet sich genau diesem Arbeitsschritt. Licht und grafische Elemente verdeutlichen, wie die Öfen erhitzt und die für die Koksproduktion notwendigen Temperaturen erreicht wurden. Dabei geht es nicht um eine nachgebaute Kulisse. Der Rundgang führt durch Teile der erhaltenen historischen Anlage.
Die Zahlen geben eine Vorstellung davon, in welcher Größenordnung auf Zollverein produziert wurde. Nach ihrer Erweiterung in den 1970er-Jahren verfügte die sogenannte schwarze Seite der Kokerei über 304 Öfen. Bei Temperaturen von rund 1.250 Grad Celsius wurden täglich etwa 10.000 Tonnen Kohle verarbeitet. Daraus entstanden ungefähr 8.600 Tonnen Koks.
In Spitzenzeiten arbeiteten rund 1.000 Menschen in der Kokerei. Die Bereiche, die heute Teil des Denkmalpfads sind, gehörten damals zu einer industriellen Arbeitswelt. Öffentlichkeit und touristische Nutzung spielten dort keine Rolle.
Auf Zollverein in Essen sind neue Bereiche der ehemaligen Kokerei für Besucher erschlossen worden. Ein rund 30 Meter langer Laufsteg führt durch aufgeschnittene Koksöfen der Batterie 9.
Errichtet wurde die Kokerei Zollverein zwischen 1957 und 1961. Am 12. September 1961 nahm sie ihren Betrieb auf. Die Anlage gehörte damit mehr als drei Jahrzehnte lang zum industriellen Alltag des Ruhrgebiets, ehe die Produktion 1993 eingestellt wurde.
Die spätere Öffnung für Besucher erfolgte Schritt für Schritt. Das gilt auch für den Denkmalpfad Kokerei. Seine heutige Form ist das Ergebnis eines mehrjährigen Ausbaus, bei dem einzelne Stationen nach und nach erschlossen wurden.
Den Anfang machte 2020 die Station „Löschen“. Weitere Bereiche folgten. Noch 2025 wurden unter anderem „Abkühlen“, „Übergabe“ sowie „Fuchs und Schornstein“ eröffnet. Mit „Beheizen“ und „Umweltschutz“ sind nun alle zehn vorgesehenen Stationen fertiggestellt.
Für den neuen Zugang zur Koksofenbatterie 9 waren auch bauliche Veränderungen notwendig. Das sogenannte Sonnenrad wurde zurückgebaut. An seine Stelle tritt eine Erschließung, die sich stärker auf die ursprüngliche Funktion der Industrieanlage und deren Vermittlung konzentriert.
Die zweite neue Station setzt bewusst einen anderen Akzent. Unter dem Titel „Umweltschutz“ geht es um die Belastungen, die mit dem Betrieb einer großen Kokerei verbunden waren, und um technische Entwicklungen, mit denen Emissionen verringert werden sollten.
Damit beschränkt sich der Denkmalpfad auf Zollverein nicht auf Maschinen, Öfen und Produktionsabläufe. Er nimmt auch die Arbeitsbedingungen und die Umweltfolgen der Koksproduktion in den Blick. Historisches Material und weitere Informationen sollen diese Zusammenhänge vermitteln.
Eine Riechstation ergänzt die Ausstellung. Mit schadstofffreien Mitteln wird dort ein Geruch nachempfunden, der für den früheren Betrieb der Kokerei charakteristisch war. Ein Teil der Industriegeschichte soll damit über einen Sinn erfahrbar werden, den erhaltene Gebäude und technische Anlagen allein nicht ansprechen können.
Die Eröffnung der beiden Stationen darf nicht mit einer erstmaligen Öffnung der gesamten Kokerei verwechselt werden. Das UNESCO-Welterbe Zollverein ist seit Langem ein öffentlich zugänglicher Kultur- und Erinnerungsort. Große Teile des Geländes können frei besucht werden, auch Führungen durch die Kokerei gehören bereits zum Angebot.
Neu sind konkrete Wege durch Bereiche der ehemaligen Produktion, die bislang nicht Teil der öffentlichen Besucherführung waren. Das macht vor allem die Koksofenbatterie 9 interessant: Der Blick richtet sich nicht mehr nur auf die gewaltige Architektur der Anlage. Besucher gelangen direkt in die Struktur der Öfen hinein.
Die neuen Stationen sind Bestandteil der Führung „Von Kohle, Koks und harter Arbeit“. Sie dauert nach den veröffentlichten Besucherinformationen etwa eineinhalb Stunden. Für Erwachsene kostet die Führung regulär 14,50 Euro. Für Kinder und Jugendliche zwischen fünf und 17 Jahren sowie weitere Ermäßigungsberechtigte werden 11,50 Euro angegeben; außerdem sind Familientickets erhältlich.
Hinter der jetzigen Eröffnung steht ein Projekt, das sich über mehrere Jahre erstreckte. Von der ersten neuen Station im Jahr 2020 bis zur Fertigstellung von „Beheizen“ und „Umweltschutz“ vergingen sechs Jahre. Aus einzelnen Zugängen ist so ein Denkmalpfad mit zehn Stationen entstanden.
Finanziell unterstützt wurde der Ausbau von mehreren Institutionen. Die Stiftung Zollverein nennt die RAG-Stiftung als Hauptförderin. Beteiligt waren zudem unter anderem der Landschaftsverband Rheinland, die NRW-Stiftung, die Gesellschaft der Freunde und Förderer der Stiftung Zollverein sowie die opta data Zukunfts-Stiftung. Die architektonische Umsetzung übernahmen New Architekten aus Köln, am Vermittlungskonzept war jangled nerves beteiligt.
Die erhaltene Kokerei selbst bildet dabei den Mittelpunkt. Nicht ein nachträglich errichteter Museumsbau erklärt die frühere Produktion, sondern die Industrieanlage wird zum Ausstellungsort. Die einzelnen Stationen setzen dort an, wo Kohle verarbeitet, Koks produziert und die dafür notwendige Technik betrieben wurde.
Mit den beiden neuen Stationen endet der Ausbau des Denkmalpfads, nicht aber die Geschichte der Erschließung von Zollverein. Das Gelände hat sich über Jahrzehnte von einem abgeschlossenen Industriestandort zu einem öffentlich zugänglichen Welterbe entwickelt. Die Koksofenbatterie 9 zeigt diesen Wandel nun besonders deutlich.
Der Reiz des neuen Zugangs liegt gerade darin, dass der historische Ort nicht hinter einer Absperrung betrachtet werden muss. Der Weg führt durch die erhaltenen Koksöfen selbst. Besucher stehen damit an einer Stelle, die während des laufenden Betriebs Teil eines komplexen Produktionsprozesses war und für die Öffentlichkeit nicht vorgesehen war.
Aus dem früheren Arbeitsbereich ist ein Ort der Vermittlung geworden. Die rund 30 Meter durch Batterie 9 sind deshalb mehr als ein zusätzlicher Abschnitt einer Führung: Sie machen einen Teil der Kokerei Zollverein zugänglich, der bisher außerhalb der Besucherwege lag – und vervollständigen einen Denkmalpfad, dessen Ausbau sechs Jahre gedauert hat.
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