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Zukunft der Staatsoper

Stuttgarter Oper vor Richtungsentscheidung: Oettinger soll Expertenrunde leiten

Architekturmodell eines Opernhauses mit Bauplänen zur Debatte um Sanierung und Neubau der Stuttgarter Oper
Symbolbild: KI-generiert. Die Zukunft der Stuttgarter Oper wird neu bewertet – zur Diskussion stehen Sanierung, Interimslösung und ein möglicher Neubau.

Die Zukunft der Stuttgarter Oper ist wieder offen. Nach Informationen des SWR soll der frühere baden-württembergische Ministerpräsident Günther Oettinger eine Expertenrunde leiten, die Sanierung, Interim und einen möglichen Neubau neu bewertet. Hinter der Personalie steht eine größere Frage: Ist das über Jahre entwickelte Sanierungskonzept angesichts der Kosten und des langen Zeitplans noch tragfähig?

Stuttgart, 22. September 2026. Die Debatte um die Stuttgarter Oper erreicht einen entscheidenden Punkt. Jahrelang wurde geplant, gerechnet und umgebaut – zumindest auf dem Papier. Nun steht wieder zur Diskussion, ob das historische Opernhaus tatsächlich auf dem bislang vorgesehenen Weg saniert werden soll oder ob ein Neubau die bessere Alternative sein könnte.

In dieser Lage soll Günther Oettinger eine zentrale Rolle übernehmen. Nach Informationen des SWR hat der frühere Ministerpräsident von Baden-Württemberg zugesagt, die geplante Expertenrunde zur Zukunft der Stuttgarter Oper zu leiten. Die Personalie soll am Dienstag offiziell bekanntgegeben werden.

Oettinger soll dabei nicht selbst über Sanierung oder Neubau entscheiden. Seine Aufgabe wäre es, eine Runde zu führen, die unterschiedliche Varianten untersucht und Empfehlungen für das weitere Vorgehen entwickelt. Damit erhält die festgefahrene Debatte einen neuen Rahmen – und die bisherigen Planungen stehen erstmals seit Längerem wieder grundsätzlich zur Disposition.

Stuttgarter Oper: Sanierung und Neubau kommen auf den Prüfstand

Der Kurswechsel hatte sich bereits Mitte September abgezeichnet. Ministerpräsident Cem Özdemir, Stuttgarts Oberbürgermeister Frank Nopper, Kunstministerin Petra Olschowski und Stuttgarts Erster Bürgermeister Fabian Mayer verständigten sich darauf, das Gesamtprojekt erneut bewerten zu lassen.

Nach Angaben der Landeshauptstadt Stuttgart soll diese Prüfung ausdrücklich ergebnisoffen erfolgen. Betrachtet werden sollen die Sanierung des bestehenden Opernhauses, die Interimslösung und die Möglichkeit eines Neubaus. Damit geht es nicht mehr lediglich um Korrekturen an einzelnen Teilen der Planung.

Zur Debatte steht die Grundarchitektur des Projekts.

Bislang war vorgesehen, den denkmalgeschützten Littmann-Bau im Oberen Schlossgarten umfassend zu sanieren und zu erweitern. Während der Arbeiten sollen Oper und Ballett in eine Interimsspielstätte umziehen. Weitere Bestandteile des Gesamtprojekts betreffen unter anderem Werkstattflächen.

Dieses Modell ist weiterhin eine Option. Sicher ist aber nicht mehr, dass es auch umgesetzt wird.

289 Millionen Euro für die Interimsspielstätte

Der Streit um die Stuttgarter Oper wird vor allem durch die finanziellen Dimensionen angetrieben. Allein für die inzwischen verkleinerte Interimsspielstätte wurde im Juli 2026 ein Kostenrahmen von 289 Millionen Euro festgelegt. Sie soll Oper und Ballett ermöglichen, ihren Betrieb während der langwierigen Arbeiten am Stammhaus fortzuführen.

Die 289 Millionen Euro bilden allerdings nur einen Teil des Gesamtprojekts ab. Hinzu kommen die eigentliche Sanierung und Erweiterung des Opernhauses sowie weitere Baumaßnahmen.

Das Wichtigste in Kürze

Die Zukunft der Stuttgarter Oper wird ergebnisoffen neu bewertet. Günther Oettinger soll nach Informationen des SWR die Expertenrunde leiten, die Sanierung, Interimslösung und einen möglichen Neubau untersucht.

Was ist passiert?
Nach Informationen des SWR hat der frühere Ministerpräsident von Baden-Württemberg zugesagt, die geplante Expertenrunde zur Zukunft der Stuttgarter Oper zu leiten.
Was ist bestätigt?
Nach Angaben der Landeshauptstadt Stuttgart soll diese Prüfung ausdrücklich ergebnisoffen erfolgen.
Was gilt konkret?
Betrachtet werden sollen die Sanierung des bestehenden Opernhauses, die Interimslösung und die Möglichkeit eines Neubaus.
Was bedeutet das?
Oettinger soll dabei nicht selbst über Sanierung oder Neubau entscheiden.

Stand:

Eine aktuelle und belastbare Gesamtkostenschätzung für sämtliche Bestandteile liegt nach dem bislang veröffentlichten Stand nicht vor. Schon 2019 bewegten sich die damaligen Kalkulationen in einer Größenordnung von etwa einer Milliarde Euro. In der aktuellen öffentlichen Debatte werden inzwischen Summen von bis zu zwei Milliarden Euro genannt. Eine offizielle neue Gesamtkostenberechnung stellen solche Größenordnungen jedoch nicht dar.

Gerade diese Lücke ist politisch heikel. Solange die endgültige Größenordnung des Vorhabens nicht belastbar beziffert werden kann, bleibt auch die Frage offen, ob das bisherige Konzept gegenüber möglichen Alternativen wirtschaftlich zu rechtfertigen ist.

CDU drängt bei der Stuttgarter Oper auf Neubau-Prüfung

Besonders deutlich hat sich die CDU-Landtagsfraktion vom bisherigen Kurs entfernt. Sie hält das geplante Vorgehen mit der teuren Interimsspielstätte unter den veränderten finanziellen Bedingungen nicht mehr für überzeugend und verlangt, einen Neubau der Stuttgarter Oper ernsthaft zu untersuchen.

Nach Berichten von SWR und Tagesschau fordert die Fraktion außerdem, während dieser Prüfung keine Entscheidungen zu treffen, die bereits neue finanzielle oder rechtliche Bindungen schaffen. Das erhöht den politischen Druck auf die laufenden Planungen erheblich.

Doch auch ein Stopp oder eine längere Verzögerung wäre nicht ohne Folgen. Die Stuttgarter Verwaltung hatte Ende Juli darauf hingewiesen, dass jedes zusätzliche Jahr wegen üblicher Baukostensteigerungen Mehrkosten von rund 50 Millionen Euro verursachen könne.

Der Konflikt lässt sich deshalb nicht auf die einfache Frage reduzieren, ob Sanieren oder Neubauen günstiger wäre. Zeit kostet ebenfalls Geld. Gleichzeitig wächst der Druck, eine belastbare Entscheidung zu treffen, bevor weitere hohe Summen in ein Konzept fließen, dessen politische Unterstützung brüchig geworden ist.

Auch der Zustand des Opernhauses setzt Grenzen

Hinzu kommt das Gebäude selbst. Der denkmalgeschützte Littmann-Bau wurde 1912 eröffnet und ist umfassend sanierungsbedürftig. Die Stadt hat bereits vor dem zunehmenden Risiko einer ungeplanten Schließung gewarnt.

Damit läuft die Debatte auf mehreren Ebenen gleichzeitig: Denkmalschutz und kulturelle Bedeutung des historischen Hauses treffen auf technische Anforderungen, steigende Baukosten und die Frage, wie Oper und Ballett während einer jahrelangen Bauphase weiterarbeiten können.

Die Interimsspielstätte ist deshalb keineswegs ein nebensächlicher Posten. Sie gehört zu den Voraussetzungen des bisherigen Sanierungskonzepts – und ist zugleich mit ihrem Kostenrahmen von 289 Millionen Euro zu einem zentralen Streitpunkt geworden.

Günther Oettinger soll die Expertenrunde führen

Vor diesem Hintergrund bekommt die vorgesehene Rolle Günther Oettingers besonderes Gewicht. Der CDU-Politiker kennt die Landespolitik aus jahrzehntelanger Erfahrung. Von 2005 bis 2010 war er Ministerpräsident von Baden-Württemberg, anschließend wechselte er zur Europäischen Kommission und war dort über Jahre in verschiedenen Ressorts tätig.

Nun soll er nach Informationen des SWR an die Spitze der Expertenrunde treten, die eine Empfehlung für den weiteren Umgang mit der Stuttgarter Oper erarbeiten soll.

Die Bezeichnung als „Schlichter“ trifft seine vorgesehene Rolle allerdings nur teilweise. Oettinger erhält nach dem derzeit bekannten Stand keine Entscheidungsgewalt über das Milliardenprojekt. Er soll auch nicht allein zwischen Sanierung und Neubau wählen. Die Aufgabe der Expertenrunde besteht vielmehr darin, die unterschiedlichen Möglichkeiten neu zu bewerten und damit eine Grundlage für spätere politische Entscheidungen zu schaffen.

Wer neben Oettinger der Runde angehören wird und wann sie ihre Arbeit abschließen soll, ist bislang nicht vollständig geklärt.

Der Zeitplan wird selbst zum Problem

Während die politische Grundsatzdebatte neu beginnt, läuft die Zeit weiter. Nach dem zuletzt bekannten Planungsstand könnte der Bau der Interimsspielstätte frühestens 2028 beginnen. Erste Aufführungen dort wurden zuletzt für 2033 erwartet.

Schon diese Daten zeigen, über welchen Horizont bei der Sanierung der Stuttgarter Oper gesprochen wird. Bevor die Arbeiten am historischen Opernhaus in vollem Umfang beginnen können, müssen Voraussetzungen für den Spielbetrieb während der Bauphase geschaffen werden.

Eine grundsätzliche Neuplanung könnte den Zeitplan erneut verändern. Umgekehrt wäre es bei einem Vorhaben dieser Größenordnung riskant, allein aus Zeitdruck an einem Modell festzuhalten, das nun erneut politisch und wirtschaftlich geprüft werden soll.

Auch die Württembergischen Staatstheater haben deutlich gemacht, wie wichtig eine gemeinsame Linie von Stadt und Land ist. Der geschäftsführende Intendant Marc-Oliver Hendriks sieht in der Expertenanhörung nach den vorliegenden Berichten einen Weg, wieder eine tragfähige Grundlage für das weitere Vorgehen zu schaffen.

Die eigentliche Entscheidung steht erst noch bevor

Die Berufung Oettingers wäre deshalb weniger das Ende des Streits als der Beginn einer neuen Entscheidungsphase. Die jahrelang vorbereitete Sanierung der Stuttgarter Oper ist nicht abgesagt. Ebenso wenig gibt es bislang einen Beschluss für einen Neubau.

Fest steht vielmehr, dass Stadt und Land die entscheidenden Varianten noch einmal gegeneinander abwägen wollen. Dabei treffen erhebliche Kostenrisiken auf einen langen Zeitplan und ein historisches Gebäude, dessen Sanierungsbedarf nicht verschwindet, während über Alternativen diskutiert wird.

Genau darin liegt die Schwierigkeit der kommenden Monate: Eine weitere Verzögerung kann teuer werden. Eine vorschnelle Festlegung ebenfalls.

Die Expertenrunde unter der vorgesehenen Leitung Günther Oettingers soll nun die Grundlage dafür schaffen, diese widersprüchlichen Anforderungen neu zu ordnen. Welche Empfehlung daraus entsteht, ist offen. Erst danach dürfte sich entscheiden, ob Stuttgart das historische Opernhaus auf dem bislang vorgesehenen Weg saniert – oder ob für die Stuttgarter Oper ein grundsätzlich neues Kapitel beginnt.

Quellen

  1. Streit um Stuttgarter Oper: Oettinger soll Vermittler werdenSWR
  2. Expertenanhörung zur Sanierung der Stuttgarter Oper vorgeschlagenLandeshauptstadt Stuttgart
  3. Konzept für Sanierung der Stuttgarter Oper vorgestelltLand Baden-Württemberg
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