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Archäologischer Fund

Antikes Metallrecycling in Dortmund: Seltener Werkstattfund gibt Forschern neue Einblicke

Archäologische Grabungsfläche mit Schmelztiegel, Metallstücken und Keramik aus der Römischen Kaiserzeit
Symbolbild: KI-generiert. Das Motiv veranschaulicht archäologische Forschungen zu Metallrecycling und Handwerk während der Römischen Kaiserzeit.

Im Dortmunder Westen haben Archäologen ein ungewöhnlich gut erhaltenes Werkstattareal aus der Römischen Kaiserzeit freigelegt. Die Befunde zeigen, dass dort römisches Metall eingeschmolzen und wiederverwertet wurde – allerdings außerhalb des Römischen Reiches im germanischen Siedlungsgebiet. Die Entdeckung könnte eine bislang nur lückenhaft belegte Seite antiker Metallverarbeitung sichtbar machen.

Dortmund, 23. September 2026. Auf dem Grabungsfeld bei Haus Dellwig sind es unscheinbare Strukturen, die den entscheidenden Hinweis geben: Gruben, Feuerstellen, Lehmreste und die Überbleibsel von Öfen. Zusammen ergeben sie das Bild eines Werkstattareals, in dem vor vielen Jahrhunderten Metall verarbeitet und Keramik hergestellt wurde.

Seit Mitte August untersuchen Fachleute der LWL-Archäologie für Westfalen und der Stadtarchäologie Dortmund das Gelände im Bereich Westrich und Lütgendortmund. Schon 2024 hatte dort eine Sondierungsgrabung stattgefunden. Mit der größeren Untersuchung zeigt sich nun deutlicher, welche Bedeutung der Fundplatz gehabt haben könnte.

Nach Angaben des Landschaftsverbands Westfalen-Lippe gehört die Fundstelle in die Römische Kaiserzeit und lässt sich grundsätzlich in das 1. bis 5. Jahrhundert nach Christus einordnen. Besonders bemerkenswert sind die Spuren der Metallverarbeitung: In den Werkstätten wurde römischer Metallschrott eingeschmolzen und damit als Rohstoff erneut nutzbar gemacht.

Metallrecycling in Dortmund: Römischer Schrott kam in den Schmelztiegel

Die Archäologen haben mehrere Arbeitsbereiche mit Gruben, Herden und Öfen dokumentiert. Für die Metallverarbeitung wurden Stücke römischer Herkunft in Tiegel gegeben und erhitzt. Das Material konnte so eingeschmolzen und anschließend weiterverarbeitet werden.

Von der dafür notwendigen Technik sind ebenfalls Spuren erhalten. Die entdeckten Metallöfen waren rund bis oval angelegt und besaßen Wände aus Lehm. Über Blasebälge ließ sich zusätzliche Luft zuführen. So konnten die Handwerker die für ihre Arbeit erforderliche Hitze erzeugen und regulieren.

Für die Archäologie ist weniger überraschend, dass Metall wiederverwendet wurde, als vielmehr, dass sich die Arbeitsschritte an diesem Ort so deutlich im Boden erhalten haben. Dass germanische Gemeinschaften römische Metallgegenstände weiterverwerteten, ist grundsätzlich bekannt. Nach Angaben des LWL fehlten im westlichen germanischen Siedlungsgebiet bislang jedoch entsprechende Werkstattbefunde, die diese Praxis unmittelbar greifbar machen.

Genau deshalb führt die populäre Bezeichnung als antiker „Recyclinghof“ ein Stück weit in die Irre. Die Anlage war kein Recyclingplatz nach modernem Verständnis – und sie war auch kein römischer Betrieb. Der Fundort lag außerhalb des Römischen Reiches im germanischen Siedlungsgebiet. Präziser ist es, von einem Werkstattareal aus der Römischen Kaiserzeit zu sprechen, in dem unter anderem römisches Metall recycelt wurde.

850 Quadratmeter Grabungsfläche – mit Öfen, Herden und Gruben

Das Wichtigste in Kürze

Im Dortmunder Westen wurde ein Werkstattareal aus der Römischen Kaiserzeit freigelegt. Die Befunde dokumentieren unter anderem die Wiederverwertung römischen Metalls im germanischen Siedlungsgebiet.

Was ist passiert?
Im Dortmunder Westen haben Archäologen ein ungewöhnlich gut erhaltenes Werkstattareal aus der Römischen Kaiserzeit freigelegt.
Wann?
Nach Angaben des Landschaftsverbands Westfalen-Lippe gehört die Fundstelle in die Römische Kaiserzeit und lässt sich grundsätzlich in das 1. bis 5. Jahrhundert nach Christus einordnen.
Was ist bestätigt?
In den Werkstätten wurde römischer Metallschrott eingeschmolzen und damit als Rohstoff erneut nutzbar gemacht.
Was gilt konkret?
Rund 850 Quadratmeter umfasst das bislang untersuchte Areal laut WDR.
Was ist noch offen?
Wie groß die Anlage tatsächlich war, wann die einzelnen Werkstätten genau betrieben wurden und welche Gegenstände aus dem recycelten Metall entstanden, lässt sich derzeit noch nicht abschließend beantworten.

Stand:

Rund 850 Quadratmeter umfasst das bislang untersuchte Areal laut WDR. Die Zahl verdeutlicht die Dimension der aktuellen Grabung, sagt aber noch nichts über die tatsächliche Gesamtgröße der damaligen Anlage aus. Im Umfeld werden weitere Siedlungsspuren vermutet.

Auch die bisher freigelegte Fläche war nicht ausschließlich dem Metallrecycling vorbehalten. Die Befunde weisen auf unterschiedliche handwerkliche Arbeiten hin. Neben den Anlagen zur Metallverarbeitung stießen die Archäologen auf Spuren der Keramikproduktion.

Schon bei den früheren Untersuchungen waren Überreste eines Töpferofens sowie sogenannte Fehlbrände entdeckt worden. Dabei handelt es sich um Keramik, die während des Brennvorgangs misslang. Was genau in Dortmund hergestellt wurde, lässt sich nach dem bislang veröffentlichten Forschungsstand noch nicht abschließend sagen.

Gerade das Nebeneinander verschiedener Tätigkeiten macht das Werkstattareal interessant. Hier zeichnet sich kein einzelner Ofenfund ab, sondern ein größerer handwerklich genutzter Bereich. Wie die einzelnen Arbeitsplätze organisiert waren und ob sie gleichzeitig betrieben wurden, muss die weitere wissenschaftliche Auswertung zeigen.

Die Spur zum Werkstattareal führt zurück ins Jahr 2024

Die aktuelle Ausgrabung steht am Ende einer längeren archäologischen Spurensuche. Bereits 2024 untersuchten Fachleute den Fundplatz mit einer Sondierungsgrabung. Die seit Mitte August 2026 laufenden Arbeiten erlauben nun einen wesentlich umfassenderen Blick auf die erhaltenen Strukturen.

Fest steht bislang: Der Platz wurde während der Römischen Kaiserzeit genutzt. Schwieriger ist die genaue zeitliche Zuordnung einzelner Öfen und Werkstattbereiche. Die gesamte Fundstelle wird in einen Zeitraum vom 1. bis zum 5. Jahrhundert nach Christus eingeordnet. Frühere Untersuchungen hatten zugleich Befunde aus der späteren Kaiserzeit erkennen lassen.

Für die Rekonstruktion des Platzes ist diese Datierung entscheidend. Erst wenn einzelne Befunde genauer zeitlich eingeordnet werden können, lässt sich klären, wie sich das Werkstattareal entwickelte und welche Tätigkeiten möglicherweise nebeneinander stattfanden.

Warum römisches Metall außerhalb des Imperiums wiederverwendet wurde

Metall war ein wertvoller Rohstoff. Ein beschädigter oder nicht mehr benötigter Gegenstand musste deshalb keineswegs wertlos sein. Er ließ sich einschmelzen, das Material konnte anschließend erneut verarbeitet werden. Das Dortmunder Werkstattareal liefert konkrete archäologische Spuren eines solchen Metallrecyclings.

Römische Gegenstände gelangten auf unterschiedlichen Wegen in germanische Gebiete. Der LWL nennt Handel und Beute als grundsätzlich bekannte Möglichkeiten. Daraus lässt sich für die konkreten Dortmunder Metallfunde jedoch nicht ableiten, auf welchem Weg sie einst an diesen Ort kamen.

Auch eine zweite Frage ist bislang offen: Was entstand aus dem eingeschmolzenen Metall? Die Öfen und Tiegel belegen die Verarbeitung, beantworten aber noch nicht, welche neuen Gegenstände die Handwerker daraus fertigten. Für die weitere Forschung dürften deshalb neben den Anlagen selbst auch die geborgenen Materialien entscheidend sein.

Ein außergewöhnlich gut erhaltener Ofen soll geborgen werden

Ein Befund sticht durch seinen Erhaltungszustand hervor. Nach Angaben des LWL soll einer der Öfen vollständig aus dem Boden geborgen werden. Vorgesehen ist, ihn später auszustellen.

Wo der Ofen zu sehen sein wird und wann eine Präsentation möglich ist, wurde bislang nicht bekannt gegeben. Zunächst müssen die Grabungsbefunde dokumentiert und wissenschaftlich ausgewertet werden. Erst dann dürfte sich auch das Gesamtbild des Werkstattareals weiter schärfen.

Dazu gehört die Frage nach seiner ursprünglichen Ausdehnung. Die derzeit untersuchten rund 850 Quadratmeter bilden nicht zwingend die komplette historische Anlage ab. Im Umfeld rechnen die Fachleute mit weiteren Siedlungsspuren. Damit könnte sich künftig auch besser nachvollziehen lassen, wie Werkstätten und damalige Ansiedlung räumlich zusammengehörten.

Was der Dortmunder Fund über antikes Recycling verrät

Der archäologische Fund in Dortmund erzählt weniger von einem „Recyclinghof“ im heutigen Sinn als von einem pragmatischen Umgang mit einem wertvollen Rohstoff. Metall römischer Herkunft wurde im germanischen Siedlungsgebiet eingeschmolzen und wieder nutzbar gemacht. Die erhaltenen Öfen, Tiegel und Arbeitsbereiche machen diesen Prozess unmittelbar fassbar.

Hinzu kommen die Spuren der Keramikproduktion. Damit zeichnet sich bei Haus Dellwig ein Werkstattareal ab, in dem verschiedene Handwerke ihren Platz hatten. Gerade diese Kombination verleiht der Fundstelle ihr Gewicht.

Vieles bleibt dennoch ungeklärt. Wie groß die Anlage tatsächlich war, wann die einzelnen Werkstätten genau betrieben wurden und welche Gegenstände aus dem recycelten Metall entstanden, lässt sich derzeit noch nicht abschließend beantworten. Die Grabung hat damit nicht nur einen seltenen Befund freigelegt. Sie liefert zugleich neue Fragen dazu, wie Rohstoffe und Waren zwischen römischer und germanischer Welt genutzt, weitergegeben und schließlich wiederverarbeitet wurden.

Quellen

  1. Werkstattareal der Römischen Kaiserzeit im Dortmunder Westen entdecktLWL
  2. Dortmund: Archäologen finden 2.000 Jahre alte WerkstattWDR
  3. Besondere archäologische Entdeckung: Einzigartiges Werkstattareal der Römischen Kaiserzeit im Dortmunder Westen gefundenStadt Dortmund
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