
Stuttgart, 05. Januar 2026 – Ein Augenblick höchster Konzentration kippt in blankes Entsetzen. Hoch über der Manege verlieren zwei Luftakrobaten den Halt, dann folgt der freie Fall.
Was als ästhetischer Höhepunkt einer Nachmittagsvorstellung beginnt, endet im Weltweihnachtscircus Stuttgart mit einem schweren Unfall, der Publikum, Künstler und Verantwortliche gleichermaßen erschüttert.
Beim Weltweihnachtscircus auf dem Cannstatter Wasen ist es am Montagnachmittag zu einem schweren Unfall gekommen. Während einer laufenden Vorstellung stürzte ein Artistenpaar aus mehreren Metern Höhe in die Manege. Die Darbietung musste umgehend abgebrochen werden, Rettungskräfte rückten an, das Zirkuszelt wurde geräumt. Rund 2.400 Zuschauer erlebten den dramatischen Moment live – viele zunächst in der Annahme, es handele sich um einen Teil der Inszenierung.
Doch binnen Sekunden wurde klar, dass sich ein realer Notfall ereignet hatte. Die beiden Künstler, ein 49-jähriger Mann und eine 19-jährige Frau, beide aus der Ukraine, blieben nach dem Sturz regungslos liegen. Sanitäter und Notärzte versorgten sie noch in der Manege, bevor sie in umliegende Krankenhäuser gebracht wurden.
Der Unfall in der Manege
Der Absturz ereignete sich während einer Luftakrobatiknummer, die zu den anspruchsvollsten Elementen des Programms zählt. Das Duo trat unter dem Namen „Flight of Passion“ auf und arbeitete mit langen Stoffbändern, an denen die Artisten mehrere Meter über dem Boden schwebten. Die genaue Höhe des Sturzes wurde zunächst unterschiedlich angegeben, lag jedoch nach übereinstimmenden Angaben im Bereich von mehreren Metern.
Nach bisherigem Stand der Ermittlungen kam es während der Nummer zu einem technischen Defekt an der Aufhängung oder der verwendeten Requisite. Ein tragendes Element gab offenbar nach, wodurch beide Artisten ungebremst in die Tiefe stürzten. Hinweise auf ein Fehlverhalten der Künstler selbst liegen nach Angaben der Polizei nicht vor.
Die Vorstellung wurde unmittelbar unterbrochen. Besucher wurden aus dem Hauptzelt geführt und vorübergehend in angrenzende Bereiche gebeten. Einsatzkräfte sicherten den Bereich, während die medizinische Erstversorgung lief. Augenzeugen berichten von einer angespannten, stillen Atmosphäre – Applaus und Musik waren schlagartig verstummt.
Ein international bekanntes Artistenpaar
Das verunglückte Duo zählt zu den international engagierten Künstlern des Weltweihnachtscircus. Unter dem Namen „Flight of Passion“ präsentieren die beiden seit Jahren eine Nummer, die für ihre Kombination aus körperlicher Kraft, Präzision und emotionaler Ausdrucksstärke bekannt ist. Charakteristisch ist dabei eine Passage, in der der männliche Artist seine Partnerin ausschließlich mit dem Mund hält – ein Element, das höchste technische Sicherheit voraussetzt.
Die Nummer wurde bereits auf verschiedenen internationalen Bühnen gezeigt und gilt innerhalb der Zirkuswelt als besonders anspruchsvoll. Umso größer ist die Bestürzung über den Unfall, der sich ausgerechnet bei einer Routine ereignete, die als eingespielt galt.
Ermittlungen nach dem Sturz
Unmittelbar nach dem Unfall nahm die Polizei Ermittlungen auf. Neben der genauen Rekonstruktion des Ablaufs stehen vor allem technische Fragen im Mittelpunkt. Die eingesetzte Requisite wurde sichergestellt und wird nun überprüft. Auch die Montage, Wartung und Freigabe der Sicherungselemente sind Gegenstand der Untersuchungen.
Zirkusdirektor Dalien Cohen erklärte noch am selben Tag, es gebe deutliche Hinweise auf einen Material- oder Technikdefekt. Man arbeite eng mit den Behörden zusammen, um die Ursache lückenlos aufzuklären. Der Weltweihnachtscircus habe höchste Sicherheitsstandards, dennoch könne bei komplexen technischen Abläufen ein Restrisiko nie vollständig ausgeschlossen werden.
Die Staatsanwaltschaft prüft derzeit, ob sich aus dem Vorfall weitere rechtliche Konsequenzen ergeben. Bis zum Abschluss der Untersuchungen äußern sich die Verantwortlichen zurückhaltend zu Details.
Reaktionen im Publikum
Viele Besucher schildern den Moment des Sturzes als surreal. Zunächst sei unklar gewesen, ob der Fall Teil der Choreografie sei. Erst als die Musik abrupt stoppte und Helfer in die Manege eilten, habe sich das Ausmaß der Situation gezeigt. Einige Zuschauer verließen das Zelt sichtbar erschüttert, andere warteten still auf Informationen.
Der Weltweihnachtscircus entschied sich, die Vorstellung endgültig abzubrechen. Tickets wurden erstattet, weitere Shows des Tages abgesagt. Die Sicherheit des Publikums und der Künstler habe oberste Priorität, hieß es.
Gesundheitszustand der Verletzten
Zu dem Zustand der beiden Artisten wurden in den folgenden Tagen weitere Details bekannt. Beide überlebten den Sturz, erlitten jedoch schwere Verletzungen. Die 19-jährige Artistin befindet sich nach medizinischen Angaben in einem stabilen Zustand. Lebensgefahr bestand nach bisherigen Informationen nicht, sie konnte das Krankenhaus nach eingehenden Untersuchungen wieder verlassen.
Ihr 49-jähriger Partner zog sich unter anderem einen Bruch im Fußbereich zu und muss operiert werden. Ärzte gehen von einer längeren Genesungszeit aus, die eine mehrwöchige Rehabilitation einschließen dürfte. Beide werden medizinisch eng betreut.
Aus dem Umfeld des Zirkus heißt es, dass zahlreiche Kollegen ihre Unterstützung angeboten haben. Die internationale Zirkusgemeinschaft reagierte mit Anteilnahme und Genesungswünschen.
Zwischen Faszination und Risiko
Der Unfall im Weltweihnachtscircus Stuttgart rückt erneut die Risiken artistischer Hochleistungen in den Fokus. Luftakrobatik lebt von Vertrauen – in den eigenen Körper, in den Partner und in die Technik. Wenn eines dieser Elemente versagt, wird aus Faszination binnen Sekunden Lebensgefahr.
Zirkusproduktionen investieren erhebliche Mittel in Sicherheit, Schulungen und Kontrollen. Dennoch bleibt jede Darbietung in großer Höhe ein Balanceakt. Der Sturz des Artistenpaars zeigt, wie schnell diese Balance verloren gehen kann – selbst bei erfahrenen Künstlern und etablierten Produktionen.
Der Cannstatter Wasen ist inzwischen wieder leer, die Zelte des Weltweihnachtscircus werden abgebaut. Doch der Schock dieses Nachmittags bleibt. Für das Publikum, das einen Unfall miterlebte, für die Verantwortlichen, die nun Aufklärung leisten müssen, und vor allem für die beiden Artisten, deren Karrieren und Gesundheit abrupt unterbrochen wurden.
Der Sturz in der Manege ist mehr als ein einzelnes Ereignis. Er ist eine eindringliche Erinnerung daran, wie eng im Zirkus Kunst, Mut und Verletzlichkeit beieinanderliegen – und wie wichtig es ist, Sicherheit immer wieder neu zu überprüfen, bevor der Vorhang sich hebt.