Der Ausbau künstlicher Intelligenz treibt den Strombedarf großer Rechenzentren in den USA stark nach oben. Gleichzeitig werden zahlreiche neue Gaskraftwerke geplant, einige davon ausdrücklich zur direkten Versorgung von Datenzentren. Wie stark die CO2-Emissionen dadurch steigen, hängt vor allem davon ab, welche Projekte tatsächlich gebaut werden und wie schnell erneuerbare und andere CO2-arme Energiequellen nachziehen.

USA, 19. August 2026.

Der KI-Boom ist längst nicht mehr nur eine Frage von Chips, Rechenleistung und Software. In den USA wird zunehmend sichtbar, dass künstliche Intelligenz auch die Energieversorgung verändert. Große Rechenzentren benötigen enorme Mengen Strom – und der zusätzliche Bedarf fällt in eine Phase, in der Energieversorger neue Kraftwerkskapazitäten planen.

Dabei rückt Erdgas in den Mittelpunkt. Nach Angaben der Internationalen Energieagentur, kurz IEA, verbrauchten Rechenzentren weltweit im Jahr 2024 rund 415 Terawattstunden Strom. Bis 2030 könnte sich dieser Wert auf etwa 945 Terawattstunden mehr als verdoppeln. Die IEA bezeichnet künstliche Intelligenz als wichtigsten einzelnen Treiber dieses Wachstums. Daneben tragen weiterhin Cloud-Dienste und andere digitale Anwendungen zum steigenden Stromverbrauch bei.

KI-Rechenzentren treiben die Kraftwerksplanung

Wie stark sich der zusätzliche Bedarf bereits auf den US-Energiemarkt auswirkt, zeigt eine Auswertung von Global Energy Monitor. Die Organisation erfasste Anfang 2026 in den Vereinigten Staaten fast 252 Gigawatt Gaskraftwerksleistung in unterschiedlichen Entwicklungsstadien. Mehr als ein Drittel davon soll Rechenzentren direkt vor Ort mit Strom versorgen.

Besonders deutlich ist die Entwicklung in Texas. Dort befanden sich nach Angaben von Global Energy Monitor 80,6 Gigawatt neuer Gaskraftwerkskapazität in Planung oder Entwicklung. Rund 40 Gigawatt davon wurden Vorhaben zugerechnet, die unmittelbar der Versorgung von Rechenzentren dienen sollen.

NADR Überblick

Das Wichtigste zusammengefasst

Der Ausbau künstlicher Intelligenz treibt den Strombedarf großer Rechenzentren in den USA stark nach oben. Wie stark die CO2-Emissionen dadurch steigen, hängt davon ab, welche Kraftwerksprojekte tatsächlich gebaut werden und wie schnell CO2-arme Energiequellen ausgebaut werden.

Was ist passiert?
Nach Angaben der Internationalen Energieagentur, kurz IEA, verbrauchten Rechenzentren weltweit im Jahr 2024 rund 415 Terawattstunden Strom.
Was bedeutet das?
Die IEA erwartet, dass Rechenzentren bis 2030 für nahezu die Hälfte des zusätzlichen Strombedarfs in den Vereinigten Staaten verantwortlich sein könnten.
Was ist bestätigt?
Reuters ordnete die Berechnung entsprechend ein und verwies darauf, dass es sich um eine Analyse einer Umweltorganisation handelt.

Der Zusammenhang zwischen KI-Rechenzentren und neuen Gaskraftwerken ist damit gut belegt. Dennoch wäre es zu verkürzt, jede neue Anlage als reines „KI-Kraftwerk“ zu bezeichnen. Rechenzentren verarbeiten neben KI-Anwendungen weiterhin klassische Cloud-Dienste, Speicherangebote, Unternehmenssoftware und andere digitale Dienste. Auch dienen nicht sämtliche Kraftwerksprojekte ausschließlich einzelnen Rechenzentren.

74 Gasprojekte direkt für Rechenzentren

Eine besonders konkrete Größenordnung liefert das Environmental Integrity Project. Die Organisation identifizierte 74 vorgeschlagene oder geplante gasbetriebene Kraftwerke, die amerikanische Rechenzentren direkt mit Strom versorgen sollen. Zusammen kommen diese Projekte auf eine Leistung von 143 Gigawatt.

Für diese Anlagen errechnete die Organisation ein mögliches Emissionsvolumen von mehr als 662 Millionen Tonnen Treibhausgasen pro Jahr. Diese Zahl beschreibt allerdings keinen bereits bestehenden Ausstoß und auch keine sichere Prognose. Sie beziffert ein theoretisches Potenzial, falls die untersuchten Kraftwerke gebaut und entsprechend betrieben werden.

Reuters ordnete die Berechnung entsprechend ein und verwies darauf, dass es sich um eine Analyse einer Umweltorganisation handelt. Entscheidend ist dieser Unterschied, weil sich zahlreiche Projekte noch in unterschiedlichen Entwicklungsphasen befinden. Planung bedeutet nicht automatisch Bau, und Bau bedeutet noch nicht, dass eine Anlage später dauerhaft mit hoher Auslastung betrieben wird.

Die wichtigsten Größenordnungen

Kennzahl Wert Einordnung
Stromverbrauch von Rechenzentren weltweit 2024 rund 415 TWh IEA
Erwarteter Stromverbrauch 2030 rund 945 TWh IEA-Prognose
US-Gaskraftwerksleistung in Entwicklung knapp 252 GW Global Energy Monitor
Direkte Gasprojekte für Rechenzentren 74 Projekte / 143 GW Environmental Integrity Project

Studie sieht deutlichen CO2-Anstieg als möglich

Wie stark der wachsende Strombedarf von KI-Rechenzentren den gesamten Energiemix verändern könnte, untersuchte eine im Mai 2026 veröffentlichte wissenschaftliche Studie unter Beteiligung der North Carolina State University. Die Forscher modellierten verschiedene Entwicklungen des amerikanischen Stromsystems bis zum Jahr 2030.

Demnach könnten Rechenzentren und Kryptowährungs-Mining die CO2-Emissionen des US-Stromsektors im Jahr 2030 um bis zu 28 Prozent gegenüber einem Szenario ohne dieses zusätzliche Nachfragewachstum erhöhen. Als wichtigste Treiber nennt die Studie eine stärkere Nutzung von Erdgas und teilweise auch Kohle.

Die Auswirkungen fallen regional unterschiedlich aus. Für Texas zeigt das Modell vor allem zusätzliche Erdgasverstromung. In Nord-Virginia, einem der bedeutendsten Standorte für Rechenzentren, könnte unter bestimmten Bedingungen auch Kohle wieder stärker zur Stromversorgung beitragen.

Die Zahl von 28 Prozent ist allerdings keine feste Vorhersage. Sie beschreibt ein mögliches Ergebnis innerhalb eines Modells und hängt von Annahmen über Stromnachfrage, Kraftwerkspark, Energiepreise und den Ausbau anderer Erzeugungsformen ab. Gerade bei einem Markt, der sich so schnell entwickelt wie die KI-Infrastruktur, ist diese Einordnung zentral.

Rechenzentren werden zum Faktor für das gesamte Stromsystem

Schon die heutigen Verbrauchswerte zeigen, welche Größenordnung erreicht ist. Nach Angaben des US-Energieministeriums und des Lawrence Berkeley National Laboratory verbrauchten Rechenzentren in den Vereinigten Staaten 2023 rund 176 Terawattstunden Strom. Das entsprach etwa 4,4 Prozent des gesamten US-Stromverbrauchs.

Für 2028 wurde eine breite Spanne von 325 bis 580 Terawattstunden prognostiziert. Das entspräche 6,7 bis 12 Prozent des gesamten US-Stromverbrauchs. Solche Größenordnungen machen verständlich, warum Stromnetze und Kraftwerksplanung inzwischen eng mit dem Ausbau von KI-Rechenzentren verknüpft sind.

Die IEA erwartet, dass Rechenzentren bis 2030 für nahezu die Hälfte des zusätzlichen Strombedarfs in den Vereinigten Staaten verantwortlich sein könnten. Dieser Zuwachs soll allerdings nicht ausschließlich durch fossile Energien gedeckt werden. Auch erneuerbare Energien sollen einen erheblichen Teil übernehmen.

  • Neue Gaskraftwerke können kurzfristig zusätzliche gesicherte Leistung bereitstellen.
  • Erneuerbare Energien sollen parallel einen wesentlichen Teil des Mehrbedarfs abdecken.
  • Technologieunternehmen investieren außerdem in Kernenergie, Geothermie, Speicherlösungen und effizientere Rechentechnik.
  • Lange Lieferzeiten für Gasturbinen und begrenzte Netzkapazitäten können geplante Projekte verzögern.

Gerade diese Engpässe relativieren die hohen Ausbauzahlen. Global Energy Monitor verweist auf mehrjährige Lieferzeiten für neue Gasturbinen und volle Auftragsbücher der Hersteller. Ein Teil der angekündigten Kapazitäten könnte deshalb später realisiert werden als geplant oder ganz ausfallen.

Warum der Strommix über die Klimabilanz entscheidet

Der steigende Energiebedarf der künstlichen Intelligenz führt nicht automatisch im gleichen Verhältnis zu höheren CO2-Emissionen. Ausschlaggebend ist, wie der zusätzliche Strom erzeugt wird. Werden neue KI-Rechenzentren überwiegend mit Erdgas oder Kohle versorgt, wächst der Klimafußabdruck deutlich. Steigt dagegen gleichzeitig der Anteil erneuerbarer und anderer CO2-armer Energiequellen, lässt sich ein Teil des Effekts abfedern.

Die IEA rechnet im Basisszenario damit, dass die weltweiten CO2-Emissionen aus dem Stromverbrauch von Rechenzentren bis 2035 auf etwa 300 Millionen Tonnen steigen könnten. In einem Szenario mit besonders starkem Wachstum von KI-Anwendungen wären bis zu 500 Millionen Tonnen möglich.

Auch diese Werte sind als Szenarien zu verstehen, nicht als feststehende Entwicklung. Sie zeigen jedoch, dass Rechenzentren zu einer relevanten Größe in der Energie- und Klimapolitik werden. Der Ausbau von KI-Infrastruktur beeinflusst damit zunehmend Entscheidungen, die weit über die Technologiebranche hinausreichen.

Der KI-Boom wird zum Energiethema

Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht mehr, ob künstliche Intelligenz zusätzlichen Strom benötigt. Das ist inzwischen klar belegt. Offen ist vielmehr, welche Energiequellen diesen Bedarf decken werden.

In den USA deutet vieles darauf hin, dass Erdgas dabei zumindest kurzfristig eine wichtige Rolle spielt. Dutzende Projekte sind direkt mit Rechenzentren verbunden, weitere Gaskraftwerke werden vor dem Hintergrund steigender Lasten geplant. Ob daraus tatsächlich ein entsprechend starker CO2-Anstieg entsteht, entscheidet sich jedoch erst mit dem Bau und Betrieb dieser Anlagen – und mit der Geschwindigkeit, mit der Netze, erneuerbare Energien und andere CO2-arme Stromquellen ausgebaut werden.

Der KI-Boom stellt die Energieversorgung damit vor einen neuen Zielkonflikt: Rechenleistung soll möglichst schnell verfügbar sein, gleichzeitig sollen Emissionen sinken. Wie diese beiden Ziele zusammengebracht werden, dürfte zu einer der zentralen Infrastrukturfragen der kommenden Jahre werden.