Sony hält an seinem angekündigten Ausstieg aus der Disc-Produktion für neue PlayStation-Spiele fest. Ab Januar 2028 sollen neue Titel nur noch digital erscheinen, während bereits veröffentlichte Spiele und frühere Disc-Versionen weiter nutzbar bleiben. Die Entscheidung folgt dem seit Jahren wachsenden Downloadgeschäft – wirft aber Fragen zu Gebrauchtmarkt, Spielarchivierung und künftiger Konsolenhardware auf.
Tokio, 3. August 2026. Der Protest aus Teilen der Spielerschaft hat Sonys Kurs bislang nicht verändert. Der Konzern will die Produktion physischer Datenträger für neue PlayStation-Spiele ab Januar 2028 einstellen. Was danach neu für PlayStation-Konsolen erscheint, soll ausschließlich digital vertrieben werden.
Die Ankündigung betrifft nicht sämtliche PlayStation-Discs. Bereits veröffentlichte Spiele sollen ebenso weiter funktionieren wie Titel, die noch vor dem Stichtag auf einem physischen Datenträger erscheinen. Sony beendet also nicht die Nutzung vorhandener Spiele, sondern die Herstellung von Discs für künftige Neuveröffentlichungen.
Gerade diese Unterscheidung ist wichtig. Der Begriff Disc-Aus legt ein abruptes Ende nahe. Tatsächlich plant Sony einen Übergang, dessen Folgen vor allem neue Spiele betreffen. Bis Anfang 2028 können Publisher weiterhin physische PlayStation-Versionen herausbringen.
PlayStation-Spiele werden überwiegend digital verkauft
Sony begründet den Strategiewechsel mit den veränderten Kaufgewohnheiten seiner Kundschaft. Nach Angaben des Unternehmens wurden im Geschäftsjahr 2025 rund 78 Prozent der vollständigen Spiele für PlayStation 4 und PlayStation 5 digital heruntergeladen. Im Schlussquartal stieg der Anteil auf 85 Prozent, im ersten Quartal des laufenden Geschäftsjahres lag er bei 82 Prozent.
| Zeitraum | Anteil digital verkaufter Vollversionen |
|---|---|
| Geschäftsjahr 2025 | 78 Prozent |
| Schlussquartal 2025 | 85 Prozent |
| Erstes Quartal 2026 | 82 Prozent |
Der Markt hat sich damit längst verschoben. Physische PlayStation-Spiele sind zwar weiterhin sichtbar in Elektronikmärkten, Online-Shops und Sammlerregalen. Der größere Teil des Geschäfts läuft inzwischen jedoch über den PlayStation Store und andere digitale Vertriebswege.
Das zeigt sich auch bei den Umsätzen. Sony nahm im Geschäftsjahr 2025 rund 125,1 Milliarden Yen mit physischer Software ein. Digitale Vollversionen brachten dem Konzern etwa 1,056 Billionen Yen. Noch größer war der Umsatz mit Zusatzinhalten wie Erweiterungen, virtuellen Gegenständen und anderen In-Game-Angeboten: Er lag bei rund 1,36 Billionen Yen.
Die Geschäftsfelder lassen sich nicht eins zu eins miteinander vergleichen. Dennoch verdeutlichen die Zahlen, wo Sony inzwischen den Schwerpunkt seines Spielegeschäfts sieht. Downloads, Zusatzinhalte und digitale Dienste sind für den Konzern wesentlich wichtiger geworden als der Verkauf klassischer Datenträger.
Kritik richtet sich gegen den Verlust physischer Kontrolle
Die Reaktion eines Teils der PlayStation-Community fällt deutlich aus. Nutzer starteten eine Onlinepetition und riefen zu einem zeitlich begrenzten Boykott des PlayStation-Netzwerks und des digitalen Stores auf. Die Aktion ist für den Zeitraum vom 23. bis 30. August 2026 angekündigt.
Wie viele Spieler sich beteiligen werden, lässt sich derzeit nicht belastbar sagen. Petitionen, Forenbeiträge und Protestaufrufe zeigen Widerstand, bilden aber nicht zwangsläufig die Haltung der gesamten PlayStation-Kundschaft ab. Zugleich berührt die Debatte einen grundlegenden Konflikt des digitalen Spielemarkts.
Wer ein Spiel auf Disc kauft, besitzt einen physischen Datenträger. Er kann ihn verleihen, verkaufen oder unabhängig von einem bestimmten Benutzerkonto aufbewahren. Digitale Spiele sind dagegen an Plattformen, Konten und Lizenzbedingungen gebunden. Der Kauf vermittelt in der Praxis ein Nutzungsrecht, dessen technische Ausübung von der Infrastruktur des Anbieters abhängt.
Zu den zentralen Kritikpunkten gehören deshalb:
- der Wegfall des Gebrauchtmarkts für neue PlayStation-Spiele,
- eingeschränkte Möglichkeiten zum Verleihen oder Tauschen,
- eine stärkere Bindung an Nutzerkonten und Lizenzbedingungen,
- mögliche Probleme bei der langfristigen Archivierung,
- weniger Preiswettbewerb durch gebrauchte oder reduzierte Disc-Versionen.
Nach einem Bericht von The Verge erklärte Sony-Finanzchefin Lin Tao bei der Vorstellung der jüngsten Quartalszahlen, der Konzern habe die Einwände wahrgenommen. Sony wolle den geplanten Übergang dennoch fortsetzen und vorsichtig gestalten. Eine Rücknahme des Disc-Aus für neue PlayStation-Spiele zeichnet sich damit nicht ab.
Händler sollen digitale Formate verkaufen
Sony hat angekündigt, dass neue PlayStation-Spiele auch künftig über Händler erhältlich sein sollen – allerdings nur noch digital. Wie dieses Modell konkret aussehen wird, ist bislang offen.
Denkbar wären Downloadcodes, Guthabenkarten oder andere digitale Vertriebsformen. Bestätigt ist davon bisher nichts. Unklar bleibt deshalb, ob Händler künftig weiterhin eigenständige Preise setzen können oder ob sich der Verkauf stärker auf Sonys eigene Plattform konzentriert.
Für Verbraucher ist das mehr als eine technische Detailfrage. Der stationäre und digitale Handel sorgt bislang zumindest teilweise für Preisunterschiede, Rabattaktionen und Konkurrenz zwischen Anbietern. Wie viel davon nach dem Ende neuer Disc-Versionen erhalten bleibt, hängt von der konkreten Ausgestaltung des digitalen Vertriebs ab.
Vorhandene PlayStation-Discs bleiben nutzbar
Die Ankündigung bedeutet nicht, dass vorhandene Datenträger unbrauchbar werden. Spiele, die bereits auf Disc erschienen sind, sollen weiter verwendet werden können. Auch Titel, die noch vor Januar 2028 physisch veröffentlicht werden, fallen nach Sonys Darstellung nicht unter die neue Regelung.
Offen ist allerdings, wie lange solche Spiele nach dem Stichtag noch nachproduziert werden. Sony hat bislang nicht präzisiert, ob ältere Titel weiterhin neu gepresst werden dürfen oder ob nach Januar 2028 nur noch bereits hergestellte Bestände verkauft werden.
Für Sammler, Händler und Bibliotheken ist diese Frage entscheidend. Ein Spiel kann zwar formal als ältere Veröffentlichung gelten, dennoch könnte seine physische Verfügbarkeit sinken, wenn keine neuen Exemplare mehr hergestellt werden. Ob Sony hier Ausnahmen vorsieht, ist nicht bekannt.
Keine Klarheit über die nächste PlayStation-Generation
Die Entscheidung erlaubt auch keine sichere Aussage über die technische Ausstattung künftiger Konsolen. Sony hat nicht bestätigt, dass eine mögliche nächste PlayStation grundsätzlich ohne Laufwerk erscheinen wird.
Ein Disc-Laufwerk könnte weiterhin für ältere Spiele, Filme oder Abwärtskompatibilität benötigt werden. Ebenso wäre denkbar, dass Sony zwischen einer rein digitalen Konsole und einer Version mit separatem Laufwerk unterscheidet. Zu möglichen Geräten, Modellen oder Verkaufsstrategien gibt es bislang jedoch keine belastbaren Angaben.
Ungeklärt ist außerdem, ob externe Publisher nach 2028 noch limitierte Sammlereditionen oder kleine physische Auflagen veröffentlichen dürfen. Sonys Ankündigung spricht allgemein von neuen Spielen. Details zu Sonderfällen, regionalen Ausnahmen oder Lizenzmodellen fehlen.
Der Wandel ist entschieden, seine Folgen noch nicht
Sony folgt mit dem Ende neuer PlayStation-Discs einer Entwicklung, die sich in den Geschäftszahlen längst ablesen lässt. Der überwiegende Teil der Spiele wird bereits heute digital gekauft. Für den Konzern ist die Abkehr vom physischen Datenträger deshalb kein radikaler Bruch, sondern der nächste Schritt einer seit Jahren laufenden Verschiebung.
Für Spieler fällt die Veränderung dennoch weitreichender aus. Mit der Disc verschwinden nicht nur Verpackung und Datenträger, sondern auch Gewohnheiten, die über Jahrzehnte zum Konsolenmarkt gehörten: Spiele weiterverkaufen, spontan verleihen, gebraucht erwerben oder unabhängig vom Plattformkonto aufbewahren.
Bis Januar 2028 muss Sony vor allem praktische Fragen beantworten. Wie funktioniert der Vertrieb über Händler? Können ältere Spiele weiter nachproduziert werden? Welche Rolle spielen Laufwerke in künftigen PlayStation-Konsolen? Und gibt es Ausnahmen für Sammlereditionen?
Am Kern der Entscheidung besteht derzeit kaum Zweifel: Neu erscheinende PlayStation-Spiele sollen ab 2028 nicht mehr auf Disc produziert werden. Der Protest hat Sony bislang nicht zum Umdenken bewegt. Ob die Spielerschaft den Wandel akzeptiert, wird sich weniger an Petitionen als am tatsächlichen Kaufverhalten zeigen.





















