Der Smart-Home-Anbieter Shelly spricht mit Schneider Electric über ein mögliches öffentliches Kaufangebot. Eine Einigung gibt es bislang nicht, auch Preis und Bedingungen sind offen. Dennoch rückt der schnell wachsende Spezialist für vernetzte Gebäudetechnik damit in den Fokus eines der größten europäischen Industriekonzerne.

Sofia, 1. August 2026. Der Smart-Home-Spezialist Shelly könnte vor einem tiefgreifenden Eigentümerwechsel stehen. Die börsennotierte Shelly Group hat bestätigt, dass sie vorläufige Gespräche mit Schneider Electric führt. Gegenstand ist ein mögliches öffentliches Kaufangebot für die Aktien des Unternehmens.

Mehr ist derzeit nicht gesichert. Shelly betont, dass weder feststeht, ob Schneider Electric tatsächlich ein Angebot vorlegen wird, noch zu welchen Bedingungen dies geschehen könnte. Ein Kaufpreis ist ebenso wenig bestätigt wie ein Zeitplan. Von einer beschlossenen Übernahme kann deshalb keine Rede sein.

Die Mitteilung ist dennoch bemerkenswert. Sie macht aus zuvor kursierenden Marktgerüchten einen konkreten Vorgang: Ein internationaler Konzern prüft den Kauf eines Unternehmens, das sich in wenigen Jahren zu einem bekannten Anbieter für vernetzte Schalter, Sensoren und Energiemessgeräte entwickelt hat.

Shelly bestätigt Gespräche nach Medienberichten

Auslöser der offiziellen Stellungnahme waren Berichte über ein mögliches Interesse von Schneider Electric. Shelly reagierte darauf mit einer kapitalmarktrechtlichen Veröffentlichung und bestätigte die Verhandlungen. Das Unternehmen wählte dabei eine bewusst zurückhaltende Formulierung und bezeichnete die Gespräche als vorläufig.

Laut Reuters prüft Schneider Electric ein mögliches Übernahmeangebot. Andere Medien berichteten unter Berufung auf mit der Angelegenheit vertraute Personen von einem denkbaren Preis von etwa 70 Euro je Aktie. Daraus würde sich eine Bewertung der Shelly Group von ungefähr 1,3 Milliarden Euro ergeben.

Diese Zahlen sind allerdings nicht Teil der offiziellen Mitteilung. Shelly nennt weder einen Preis je Aktie noch einen Unternehmenswert. Auch Schneider Electric hat bislang keine verbindlichen Konditionen veröffentlicht. Die kolportierten 70 Euro und die daraus errechnete Milliardenbewertung bleiben damit unbestätigt.

Was zum möglichen Kauf von Shelly feststeht

  • Shelly und Schneider Electric führen vorläufige Gespräche.
  • Gegenstand ist ein mögliches öffentliches Kaufangebot für Shelly-Aktien.
  • Ein verbindliches Angebot liegt bislang nicht vor.
  • Preis, Bedingungen und Zeitplan sind offen.
  • Die in Medien genannten 70 Euro je Aktie wurden offiziell nicht bestätigt.

Der Stand ist damit klar umrissen, aber keineswegs entschieden. Übernahmegespräche können in ein formelles Angebot münden, sie können aber ebenso ohne Ergebnis enden. Shelly hat zudem nicht angekündigt, über jeden weiteren Schritt öffentlich zu berichten.

Warum Schneider Electric an Shelly interessiert sein könnte

Shelly entwickelt vernetzte Geräte für Wohnhäuser, kleinere Gewerbeobjekte und Gebäudeautomationssysteme. Das Sortiment reicht von Schaltmodulen und Steckdosen über Sensoren bis zu Geräten, die Stromverbrauch erfassen und technische Abläufe steuern.

Viele Shelly-Produkte sind für die Nachrüstung gedacht. Sie lassen sich in bestehende Elektroinstallationen integrieren und mit unterschiedlichen Smart-Home-Systemen verbinden. Das hat der Marke eine starke Stellung bei technikaffinen Privatkunden, Installationsbetrieben und Entwicklern eingebracht.

Schneider Electric ist deutlich größer und breiter aufgestellt. Der französische Konzern gehört zu den wichtigen Anbietern für Energieverwaltung, industrielle Automatisierung und Gebäudetechnik. Die Geschäftsbereiche beider Unternehmen berühren sich dort, wo Stromverbrauch, digitale Steuerung und vernetzte Geräte zusammenkommen.

Welche konkreten Ziele Schneider Electric mit einem Kauf verfolgen würde, ist allerdings nicht bekannt. Weder der französische Konzern noch Shelly haben erläutert, wie das Unternehmen im Fall einer Übernahme organisatorisch eingebunden werden könnte. Aussagen über neue Produktlinien, eine veränderte Markenstrategie oder technische Integrationen wären deshalb verfrüht.

Das Wachstum macht Shelly zum attraktiven Ziel

Die Gespräche fallen in eine Phase, in der Shelly deutlich wächst. Nach Unternehmensangaben stieg der Konzernumsatz im Geschäftsjahr 2025 um 40,3 Prozent auf 149,7 Millionen Euro. Das bereinigte Ergebnis vor Zinsen und Steuern erreichte 37,8 Millionen Euro.

Auch zu Beginn des laufenden Jahres setzte sich der Aufwärtstrend fort. Im ersten Quartal 2026 meldete Shelly einen Umsatz von 33,3 Millionen Euro. Das waren 25,9 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Das operative Ergebnis vor Zinsen und Steuern legte um 30,4 Prozent auf 8,6 Millionen Euro zu.

Zeitraum Umsatz Veränderung
Geschäftsjahr 2025 149,7 Millionen Euro plus 40,3 Prozent
Erstes Quartal 2026 33,3 Millionen Euro plus 25,9 Prozent
Erstes Halbjahr 2026 68,3 Millionen Euro rund plus 27 Prozent

Für das erste Halbjahr 2026 bezifferte Shelly die vorläufigen Erlöse aus Geräteverkäufen und damit verbundenen Dienstleistungen auf 68,3 Millionen Euro. Gegenüber dem entsprechenden Vorjahreszeitraum entsprach das einem Zuwachs von rund 27 Prozent.

Solche Wachstumsraten erklären, weshalb der Smart-Home-Anbieter für einen strategischen Käufer interessant sein kann. Belegt ist bislang jedoch nur das Interesse in Form der laufenden Gespräche. Ob Schneider Electric bereit ist, die in Medien genannte Bewertung zu zahlen, bleibt offen.

Eine zweite Transaktion sorgt für Verwechslungsgefahr

Fast zeitgleich wurde eine weitere Übernahme bekannt, die mit dem möglichen Einstieg von Schneider Electric nichts zu tun hat. Shelly teilte am 27. Juli mit, die noch fehlenden 24 Prozent an seiner slowenischen Tochtergesellschaft Shelly Tech erwerben zu wollen.

Der Kaufpreis liegt nach Unternehmensangaben bei knapp 949.000 Euro. In diesem Fall tritt Shelly selbst als Käufer auf. Die Transaktion betrifft lediglich die vollständige Übernahme der Tochtergesellschaft und nicht den möglichen Verkauf der gesamten Shelly Group.

Die zeitliche Nähe beider Meldungen kann leicht zu Missverständnissen führen. Inhaltlich handelt es sich jedoch um zwei vollständig getrennte Vorgänge: hier der Zukauf eines Minderheitsanteils an einer Tochtergesellschaft, dort mögliche Verhandlungen über ein öffentliches Kaufangebot für Shelly selbst.

Was eine Übernahme für Kunden bedeuten könnte

Für Nutzerinnen und Nutzer der Smart-Home-Produkte ergeben sich aus den Gesprächen zunächst keine unmittelbaren Änderungen. Shelly hat weder Anpassungen an seiner Produktstrategie angekündigt noch Veränderungen bei Apps, Cloud-Diensten oder der lokalen Steuerung seiner Geräte.

Gerade diese Fragen dürften jedoch aufmerksam verfolgt werden. Ein Teil der Kundschaft nutzt Shelly wegen der breiten Integrationsmöglichkeiten und der Option, Geräte in unterschiedliche Automatisierungssysteme einzubinden. Ob diese Ausrichtung unter einem neuen Eigentümer unverändert bliebe, lässt sich derzeit nicht beantworten.

Auch für Händler, Installationsbetriebe und Entwickler fehlen bislang belastbare Angaben. Es ist weder bekannt, ob Schneider Electric die Marke Shelly eigenständig weiterführen würde, noch ob technische Plattformen zusammengelegt oder Vertriebswege verändert werden könnten.

Viele entscheidende Punkte sind noch offen

Ungeklärt ist außerdem, ob Schneider Electric die vollständige Kontrolle über Shelly anstrebt oder zunächst eine Mehrheitsbeteiligung. Ebenso fehlen Informationen über eine mögliche Mindestannahmeschwelle, die Haltung größerer Aktionäre und denkbare regulatorische Bedingungen.

Auch der weitere Ablauf ist nicht absehbar. Erst ein formelles Angebot würde zeigen, wie Schneider Electric Shelly bewertet, welche Bedingungen gelten und ob die Aktionäre den möglichen Verkauf unterstützen. Bis dahin bleibt der Vorgang in einem frühen Stadium.

Aus Gesprächen ist noch kein Verkauf geworden

Die Bestätigung von Shelly ist mehr als ein bloßes Dementi oder ein unverbindlicher Kommentar. Sie belegt, dass Schneider Electric einen Kauf zumindest ernsthaft prüft. Gleichzeitig setzt sie der Berichterstattung klare Grenzen.

Gesichert ist nur, dass beide Seiten miteinander sprechen. Ein Angebot liegt nicht vor, ein Kaufpreis ist nicht bestätigt, eine Übernahme nicht beschlossen. Ob aus dem Interesse von Schneider Electric tatsächlich ein Eigentümerwechsel beim Smart-Home-Spezialisten Shelly wird, entscheidet sich erst in den nächsten Schritten.