Die Commerzbank hat ihren Gewinn im ersten Halbjahr 2026 deutlich gesteigert und mit 1,81 Milliarden Euro einen neuen Höchstwert erreicht. Der kräftige Anstieg stärkt das Management im Abwehrkampf gegen UniCredit, ist aber teilweise durch geringere Sonderbelastungen und einen schwachen Vorjahresvergleich geprägt. Offen bleibt, ob die besseren Zahlen ausreichen, um die Eigenständigkeit der Bank zu sichern.

Frankfurt am Main, 6. August 2026. Die Commerzbank präsentiert sich mitten im Übernahmekampf mit UniCredit so profitabel wie nie zuvor. Im ersten Halbjahr stieg das Nettoergebnis nach Angaben der Bank von knapp 1,3 Milliarden Euro auf 1,81 Milliarden Euro. Das entspricht einem Plus von rund 40 Prozent und dem höchsten Halbjahresgewinn in der Geschichte des Instituts.

Für den Vorstand kommt das Ergebnis zum richtigen Zeitpunkt. Seit die italienische Großbank UniCredit ihren Einfluss bei der Commerzbank systematisch ausgebaut hat, versucht das Frankfurter Management, die Vorteile einer eigenständigen Strategie zu belegen. Der Rekordgewinn liefert dafür nun ein starkes Argument. Er beendet den Machtkampf jedoch nicht.

Commerzbank-Gewinn steigt deutlich

Besonders auffällig ist die Entwicklung im zweiten Quartal. Zwischen April und Juni verdiente die Commerzbank unter dem Strich 898 Millionen Euro. Im Vorjahresquartal waren es 462 Millionen Euro gewesen. Der Quartalsgewinn legte damit um rund 94 Prozent zu und lag laut Reuters über den durchschnittlichen Erwartungen der Analysten.

Die beinahe Verdoppelung darf allerdings nicht mit einer entsprechenden Steigerung des laufenden Geschäfts gleichgesetzt werden. Das operative Ergebnis erhöhte sich im selben Zeitraum um rund 17 Prozent auf 1,37 Milliarden Euro. Im gesamten ersten Halbjahr wuchs es um etwa 14 Prozent auf 2,73 Milliarden Euro.

Der Unterschied erklärt sich vor allem aus der niedrigen Vergleichsbasis. Das zweite Quartal 2025 war durch Restrukturierungsaufwendungen belastet. Diese Sonderkosten drückten damals den Nettogewinn und lassen den aktuellen Gewinnsprung besonders groß erscheinen.

Die Zahlen zeigen deshalb ein zweigeteiltes Bild: Die Commerzbank wächst operativ, verdient effizienter und profitiert zugleich von geringeren Belastungen. Der Gewinnsprung ist real, aber weniger spektakulär, als es der reine Quartalsvergleich vermuten lässt.

Erträge wachsen schneller als die Kosten

Die Erträge der Commerzbank stiegen in den ersten sechs Monaten um sieben Prozent auf rund 6,5 Milliarden Euro. Der Provisionsüberschuss legte um acht Prozent auf etwa 2,2 Milliarden Euro zu. Dazu trugen unter anderem das Wertpapiergeschäft und höhere Einnahmen im Zusammenhang mit Anleiheemissionen bei.

Der Zinsüberschuss blieb trotz gesunkener Leitzinsen mit rund 4,1 Milliarden Euro nahezu stabil. Das ist für die Bank von Bedeutung, weil sinkende Zinsen die Margen im klassischen Einlagen- und Kreditgeschäft belasten können. Bislang gelang es der Commerzbank, diesen Druck weitgehend auszugleichen.

Auf der Kostenseite blieb der Anstieg überschaubar. Die Aufwendungen erhöhten sich nach Angaben des Instituts nur leicht auf knapp 3,45 Milliarden Euro. Gleichzeitig verbesserte sich die Cost-Income-Ratio einschließlich Pflichtbeiträgen von 56 auf 53 Prozent. Die Bank musste damit für jeden Euro Ertrag weniger aufwenden als im Vorjahreszeitraum.

Kapitalausstattung bleibt solide

Auch zentrale Kennzahlen zur Stabilität fielen robust aus. Die harte Kernkapitalquote lag Ende Juni bei 14,4 Prozent. Der Anteil problematischer Kredite blieb mit 1,1 Prozent niedrig. Die Netto-Eigenkapitalrendite erreichte 12,6 Prozent und damit nach Darstellung der Commerzbank einen historischen Höchststand.

Entlastung kam zudem von der polnischen Tochter mBank. Dort beschäftigen Rechtsstreitigkeiten um Fremdwährungskredite den Konzern seit Jahren. Im zweiten Quartal fielen die Vorsorgen für diese Risiken niedriger aus als im Vorjahreszeitraum. Auch das verbesserte den Nettogewinn.

Die Commerzbank verweist jedoch darauf, dass ihre Erträge auch ohne diesen Effekt gestiegen seien. Der Kern des Ergebnisses liegt damit nicht allein in geringeren Rückstellungen, sondern ebenso in einem stärkeren Provisionsgeschäft, stabilen Zinserträgen und vergleichsweise disziplinierten Kosten.

Jahresziel von mindestens 3,4 Milliarden Euro bestätigt

Für das Gesamtjahr hält der Vorstand an seiner Prognose fest. Die Commerzbank will 2026 einen Nettogewinn von mindestens 3,4 Milliarden Euro erzielen. Die Erträge sollen auf rund 13,2 Milliarden Euro steigen, der Zinsüberschuss etwa 8,6 Milliarden Euro erreichen. Bei den Kosten rechnet die Bank mit ungefähr sieben Milliarden Euro.

Auch die Aktionäre sollen umfassend profitieren. Geplant ist ein weiterer Aktienrückkauf im Volumen von bis zu 1,2 Milliarden Euro. Die Europäische Zentralbank hat das Vorhaben bereits genehmigt. Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung stand noch die Zustimmung der Finanzagentur aus.

Insgesamt will die Bank im laufenden Jahr rund 3,2 Milliarden Euro über Dividenden und Aktienrückkäufe an ihre Anteilseigner zurückgeben. Die hohe Ausschüttung unterstreicht den Anspruch des Managements, die Commerzbank als wachstums- und kapitalstarkes Institut zu positionieren.

UniCredit baut Einfluss weiter aus

Die wirtschaftliche Entwicklung lässt sich derzeit kaum von der Eigentümerfrage trennen. UniCredit hat ihre Position bei der Commerzbank seit September 2024 schrittweise ausgebaut. Über Aktien und weitere Finanzinstrumente hat sich die italienische Bank Zugriff auf annähernd die Hälfte der Anteile gesichert.

Die Beteiligungsstruktur ist juristisch komplex. Nicht jede wirtschaftliche Position entspricht bereits unmittelbar ausübbaren Stimmrechten. Dennoch ist der Einfluss von UniCredit erheblich. Das Institut strebt eine Kontrollübernahme an und wartet auf weitere regulatorische Genehmigungen.

Für die Commerzbank bedeutet das: Gute Geschäftszahlen allein entscheiden nicht über ihre Zukunft. Sie verbessern zwar die Verhandlungsposition des Vorstands und erschweren das Argument, das Institut brauche einen Zusammenschluss, um wettbewerbsfähig zu bleiben. An den Kräfteverhältnissen unter den Anteilseignern ändern sie zunächst nichts.

Der Bund lehnt das Vorgehen von UniCredit ab

Der Konflikt reicht deshalb weit über eine gewöhnliche Banktransaktion hinaus. Der Bund ist weiterhin ein bedeutender Anteilseigner der Commerzbank. Seine Beteiligung geht auf die staatliche Rettung des Instituts während der Finanzkrise zurück und wird über den Finanzmarktstabilisierungsfonds beziehungsweise die Finanzagentur verwaltet.

Bundesfinanzminister Lars Klingbeil hat das Vorgehen von UniCredit öffentlich als unfreundlich bezeichnet. Nach Angaben des Bundesministeriums der Finanzen lehnten sowohl die frühere als auch die gegenwärtige Bundesregierung den eingeschlagenen Kurs der italienischen Bank ab.

Der politische Widerstand hat jedoch Grenzen. Die Bundesregierung kann eine Übernahme nicht allein durch öffentliche Ablehnung verhindern. Beteiligungen, Stimmrechte und aufsichtsrechtliche Genehmigungen richten sich nach deutschen und europäischen Regeln. Auch der Bund kann als Aktionär nur im Rahmen seiner Beteiligung Einfluss nehmen.

Die Debatte ist politisch sensibel, weil die Commerzbank eine wichtige Rolle im deutschen Firmenkundengeschäft spielt. Nach eigenen Angaben begleitet sie einen erheblichen Teil des deutschen Außenhandels und ist stark im Mittelstand verankert. Im Zentrum steht deshalb nicht nur die Zukunft einer börsennotierten Bank, sondern auch die Frage, wo künftig strategische Entscheidungen über Kreditversorgung, Standorte und Unternehmensfinanzierung getroffen werden.

Der Rekordgewinn verschiebt die Argumente, nicht die Machtverhältnisse

Die Halbjahreszahlen geben der Commerzbank Rückenwind. Das Institut wächst operativ, hält seine Kosten vergleichsweise stabil und verfügt über eine solide Kapitalausstattung. Der starke Anstieg des Nettogewinns wird allerdings durch niedrigere Sonderbelastungen und den schwachen Vergleichswert aus dem Vorjahr begünstigt.

Für den Übernahmekampf ist das Ergebnis dennoch bedeutend. Der Vorstand kann nun mit belastbaren Zahlen dafür werben, dass die Commerzbank aus eigener Kraft profitabel bleibt und ihre Strategie trägt. UniCredit wiederum hat ihren Zugriff auf die Bank bereits so weit ausgebaut, dass der Konflikt nicht mehr allein über Geschäftsergebnisse entschieden wird.

Der Rekordgewinn stärkt damit die Position der Commerzbank, löst aber das eigentliche Problem nicht. Entscheidend wird sein, welche regulatorischen Genehmigungen UniCredit erhält, welche Stimmrechte tatsächlich ausgeübt werden können und ob sich in den kommenden Monaten neue Mehrheiten bilden. Die Bilanz fällt stark aus. Die Zukunft der Bank bleibt trotzdem offen.