Ein Forschungsprojekt der Technischen Universität Graz erprobt einen faltbaren Solartracker, der sich zweiachsig zur Sonne ausrichtet und bei drohendem Sturm oder Hagel in eine geschützte Position fährt. Die 1,8-Kilowattpeak-Demonstrationsanlage soll bislang deutlich höhere Erträge als fest montierte Vergleichsmodule erzielt haben. Ob sich FLAPTrack technisch und wirtschaftlich für einen breiteren Einsatz eignet, ist jedoch noch offen.

Graz, 4. August 2026. Photovoltaikanlagen sollen möglichst viel Sonnenlicht einfangen, sind dabei aber dauerhaft Wind, Hagel, Schnee und Verschmutzung ausgesetzt. Genau an diesem Zielkonflikt setzt FLAPTrack an: Der an der Technischen Universität Graz entwickelte Solartracker folgt dem Sonnenstand und kann seine Modulflächen bei drohendem Unwetter zusammenfalten.

Der Name steht für Face-to-Face Lay-Down Anti-Degradation Protection PV Tracker. Dahinter verbirgt sich eine Konstruktion, die zwei bislang oft getrennte Funktionen verbindet: eine möglichst präzise Nachführung zur Sonne und einen mechanischen Schutz der Solarmodule vor starken Wetterbelastungen.

FLAPTrack faltet die Solarmodule in eine Schutzstellung

Der auffälligste Teil des Systems zeigt sich, sobald Sturm oder Hagel drohen. Jeweils zwei Modulflächen werden mit ihren Vorderseiten zueinander geklappt und anschließend bodennah abgelegt. Dadurch verringert sich die Fläche, an der Wind angreifen kann. Zugleich liegen die empfindlichen Vorderseiten im Inneren der gefalteten Konstruktion.

Vollständig geschützt ist die Anlage damit allerdings nicht. Die Rückseiten der Module bleiben grundsätzlich der Witterung ausgesetzt. Nach Angaben der TU Graz können sie zusätzlich mit einem vergleichsweise einfachen Hagelnetz gesichert werden.

Auch nachts fährt der faltbare Solartracker in seine Ruheposition. Das soll nicht nur die Belastung durch Witterung reduzieren, sondern auch Verschmutzungen begrenzen. Schnee gehört ebenfalls zu den Szenarien, für die das System ausgelegt wird. Welche konkrete Stellung die Anlage bei unterschiedlichen Wetterlagen einnimmt, geht aus den bisher veröffentlichten Angaben jedoch nicht im Detail hervor.

Wetterdaten lösen den Faltmechanismus aus

Damit FLAPTrack rechtzeitig reagiert, ist die Demonstrationsanlage mit einer lokalen Wetterstation verbunden. Zusätzlich sollen regionale Vorhersagemodelle in die Steuerung einfließen. Meldet das System eine mögliche Gefahr, bringt die Mechanik die Solarmodule in ihre bodennahe Schutzstellung.

Entscheidend ist dabei die Geschwindigkeit. Gerade Hagelzellen können sich kurzfristig bilden und lokal begrenzt auftreten. Wie lange FLAPTrack für das vollständige Zusammenfalten benötigt und welche Vorwarnzeit mindestens erforderlich ist, wurde bislang nicht näher beziffert.

Offen bleibt außerdem, wie das System reagiert, wenn die Wetterprognose zu spät eintrifft, die Stromversorgung ausfällt oder ein mechanisches Bauteil blockiert. Solche Fragen sind für den späteren Betrieb mindestens so wichtig wie die grundsätzliche Funktionsfähigkeit des Faltmechanismus.

Zweiachsige Nachführung soll den Solarertrag erhöhen

FLAPTrack dient nicht allein dem Unwetterschutz. Im normalen Betrieb folgt die Anlage der Sonne auf zwei Achsen. Dadurch können die Module ihre Ausrichtung im Tagesverlauf fortlaufend anpassen und das einfallende Licht günstiger nutzen als starr montierte Photovoltaikmodule.

Die Demonstrationsanlage befindet sich auf einem Bürogebäude am Campus Inffeldgasse der TU Graz. Sie verfügt über eine Leistung von 1,8 Kilowattpeak und wird umfassend überwacht. Sensoren erfassen unter anderem Wetterbedingungen, Energieertrag, Windkräfte und Materialverschleiß.

Nach Angaben der TU Graz erzeugte der Solartracker im bisherigen Testbetrieb durchschnittlich knapp 40 Prozent mehr Strom als fest installierte Vergleichsmodule. An einzelnen Tagen sei ein Mehrertrag von bis zu 56 Prozent erreicht worden. Besonders am Morgen und am Abend soll die momentane Leistung deutlich über jener der fest ausgerichteten Module gelegen haben.

Diese Werte sind für einen nachgeführten Solartracker grundsätzlich nachvollziehbar, lassen sich aber nicht pauschal auf andere Standorte übertragen. Der tatsächliche Mehrertrag hängt von mehreren Faktoren ab: geografische Lage, Jahreszeit, Wetter, Verschattung, Ausrichtung der Vergleichsanlage und technische Auslegung des gesamten Systems.

Was FLAPTrack bereits zeigt

Bereich Stand des Projekts
Nachführung Die Anlage richtet ihre Solarmodule zweiachsig am Sonnenstand aus.
Schutzmechanismus Die Modulflächen können mit den Vorderseiten zueinander gefaltet und bodennah abgelegt werden.
Testanlage Auf dem Campus der TU Graz arbeitet eine Demonstrationsanlage mit 1,8 Kilowattpeak.
Ertragsdaten Die Universität nennt im bisherigen Versuchsbetrieb durchschnittlich knapp 40 Prozent Mehrertrag.
Marktreife Ein serienreifes und frei verfügbares Produkt ist bislang nicht belegt.

Ein Antrieb übernimmt mehrere Aufgaben

Technisch setzt FLAPTrack auf einen multifunktionalen linearen Aktuator. Er bewegt die Module in der vertikalen Achse und ist zugleich am Faltvorgang beteiligt. Die horizontale Ausrichtung erfolgt über einen Riemenantrieb in einer bodennahen Kreisführung.

Die Konstruktion soll mit vergleichsweise wenigen beweglichen Teilen auskommen. Das könnte Wartung und Herstellung vereinfachen. Ob der faltbare Solartracker dadurch tatsächlich günstiger arbeitet als herkömmliche Nachführsysteme, ist bislang allerdings nicht belegt.

Für eine belastbare Bewertung reicht ein funktionierender Prototyp nicht aus. Entscheidend ist, wie sich Aktuator, Gelenke, Lager und Riemenantrieb nach Tausenden Bewegungszyklen verhalten. Wiederholte Belastungen durch Wind, Feuchtigkeit, Temperaturschwankungen und Schnee können die Mechanik über Jahre beanspruchen.

  • Wie zuverlässig arbeitet der Faltmechanismus bei häufigen Wetterwechseln?
  • Welche Windgeschwindigkeiten hält die Konstruktion nachweislich aus?
  • Wie wirksam ist der Schutz bei unterschiedlich großen Hagelkörnern?
  • Wie hoch ist der Stromverbrauch von Motoren, Sensorik und Steuerung?
  • Welche Wartungsintervalle sind im Dauerbetrieb erforderlich?

Der Mehrertrag allein entscheidet nicht

Bei Solartrackern steht der höhere Energieertrag stets den zusätzlichen Kosten gegenüber. Motoren, Steuerung, Sensoren und bewegliche Bauteile verteuern die Anlage und erhöhen den Wartungsbedarf. Auch die für die Bewegung benötigte Energie muss vom zusätzlichen Solarertrag abgezogen werden.

Für FLAPTrack liegen bislang keine umfassenden Angaben zu Anschaffungskosten, Betriebskosten oder Amortisationsdauer vor. Ebenso fehlen öffentlich zugängliche Detaildaten dazu, wie hoch der Eigenverbrauch der Mechanik ausfällt und welcher Netto-Mehrertrag nach Abzug dieses Verbrauchs verbleibt.

Hinzu kommt der Platzbedarf. Die bodennahe Kreisführung und das Einfalten der Module verlangen Bewegungsraum. Damit eignet sich der Solartracker nicht automatisch für jedes Dach oder jede Freifläche. Welche Gebäudetypen und Standorte technisch besonders geeignet sind, gehört zu den Fragen, die noch geklärt werden müssen.

FLAPTrack bleibt vorerst ein Forschungsprojekt

Die österreichische Forschungsförderungsgesellschaft FFG führt FLAPTrack als Sondierungs- und Machbarkeitsprojekt. Im Förderregister ist ein Projektzeitraum vom 1. Februar 2025 bis zum 31. Juli 2026 angegeben. Eine Projektseite des beteiligten Instituts nennt dagegen den 31. Januar 2026 als Enddatum. Eine öffentliche Erklärung für diese Abweichung liegt bislang nicht vor.

Ziel des Projekts ist es, Funktionalität, Zuverlässigkeit und Wirtschaftlichkeit zu untersuchen. Damit ist die Anlage in Graz kein serienreifes Produkt, sondern ein Demonstrator. Ein Hersteller, ein Verkaufspreis oder ein Termin für eine kommerzielle Einführung wurden bisher nicht genannt.

Auch die bislang veröffentlichten Ertragswerte sollten entsprechend eingeordnet werden. Sie stammen von einer konkreten Testanlage und beruhen auf dem Vergleich mit fest montierten Modulen. Detaillierte Angaben zu Messzeitraum, Modultypen, Wechselrichtern, Verschattung oder statistischen Unsicherheiten sind in den öffentlich verfügbaren Projektinformationen nur teilweise enthalten.

Ob aus dem Prototyp ein Produkt wird, entscheidet der Dauerbetrieb

FLAPTrack zeigt, wie sich ein Solartracker zugleich auf höheren Ertrag und besseren Unwetterschutz ausrichten lässt. Der Ansatz ist technisch ungewöhnlich, weil die Anlage ihre Solarmodule nicht nur bewegt, sondern sie im Gefahrenfall aktiv aus der exponierten Position nimmt.

Für einen breiten Einsatz muss das System jedoch mehr leisten als eindrucksvolle Testwerte. Die Mechanik muss über Jahre zuverlässig arbeiten, Wettergefahren rechtzeitig erkennen und ihre zusätzlichen Kosten durch höhere Erträge oder vermiedene Schäden ausgleichen. Erst der Dauerbetrieb wird zeigen, ob der faltbare Solartracker den Schritt vom Forschungsprojekt zur marktfähigen Photovoltaikanlage schafft.