Am Ettlinger Tor nimmt eines der markantesten Bauprojekte in Karlsruhe sichtbar Gestalt an. Das neue Verwaltungs- und Bildungszentrum KARLA verbindet einen fünfgeschossigen Flachbau mit einem rund 90 Meter hohen Holz-Hybrid-Hochhaus, dessen nächster Bauabschnitt unmittelbar bevorsteht. Bis 2028 soll das Ensemble fertiggestellt sein – mit 24 Geschossen, rund 63.000 Quadratmetern Bruttogeschossfläche und einem Investitionsvolumen von etwa 390 Millionen Euro.
Karlsruhe, 18. August 2026. Der Rohbau des Flachbaus steht, an der Fassade wird gearbeitet, im Inneren laufen technische Ausbauarbeiten. Noch wirkt das künftige Hochhaus daneben vergleichsweise niedrig. Doch genau dort entscheidet sich in den kommenden Monaten, wie stark KARLA das Stadtbild am Ettlinger Tor verändern wird.
Nach Angaben des Landkreises Karlsruhe ist der fünfgeschossige Gebäudeteil inzwischen vollständig im Rohbau errichtet. Im Übergangsbereich zum Hochhaus, dem sogenannten Lückenschluss, waren die Arbeiten zuletzt bis zum zweiten Obergeschoss vorangekommen. Dieser Abschnitt soll nach der derzeitigen Planung bis September abgeschlossen werden. Danach wächst der Hochhausteil weiter nach oben.
Geplant sind rund 90 Meter Höhe und 24 Geschosse. Baden-Württemberg zählt KARLA damit zu den höchsten Holz-Hybrid-Gebäuden Europas. Einen eindeutig belegten europäischen Höhenrekord gibt es allerdings nicht. Gerade diese Einordnung ist wichtig: Bemerkenswert ist das Projekt weniger wegen eines Superlativs als wegen seiner Dimension, seiner öffentlichen Nutzung und seiner Bauweise.
Das KARLA-Hochhaus wird nicht aus Holz allein gebaut
Wer bei einem Holz-Hybrid-Hochhaus an ein vollständig aus Holz errichtetes Gebäude denkt, liegt falsch. KARLA setzt auf eine Kombination aus Holz, Beton und weiteren tragenden Bauteilen. Die jeweiligen Materialien übernehmen dort Aufgaben, für die sie konstruktiv besonders geeignet sind.
Die Untergeschosse und die aussteifenden Kerne entstehen in Stahlbeton. In den Obergeschossen kommen unter anderem Baubuchenstützen, Stahlverbundträger und Brettsperrholzplatten zum Einsatz, ergänzt durch Ortbeton. Diese Konstruktion soll Stabilität, Vorfertigung und einen vergleichsweise hohen Holzanteil miteinander verbinden.
Das Wichtigste zusammengefasst
Am Ettlinger Tor in Karlsruhe entsteht mit KARLA ein Verwaltungs- und Bildungszentrum mit einem geplanten 24-geschossigen Holz-Hybrid-Hochhaus. Der Flachbau ist im Rohbau weit fortgeschritten, während der Hochhausteil in die nächste Bauphase geht.
- Was ist passiert?
- Nach Angaben des Landkreises Karlsruhe ist der fünfgeschossige Gebäudeteil inzwischen vollständig im Rohbau errichtet.
- Was ist bestätigt?
- Geplant sind rund 90 Meter Höhe und 24 Geschosse.
- Was gilt konkret?
- Das Investitionsvolumen liegt nach aktueller Planung bei rund 390 Millionen Euro.
- Wann?
- Das Bauende für das gesamte Verwaltungs- und Bildungszentrum KARLA ist weiterhin für 2028 vorgesehen.
Der SWR berichtete im August, dass etwa die Hälfte des Hochhauses aus Holz bestehen soll. Rund 1.500 Baubuchenstützen sind demnach für das Gebäude vorgesehen. Die Holzelemente werden weitgehend vorgefertigt und passend zugeschnitten auf die Baustelle geliefert. Für einen Bau dieser Größenordnung ist das ein zentraler Teil des Konzepts: Je mehr Bauteile vorbereitet ankommen, desto stärker lassen sich Abläufe auf der Baustelle standardisieren.
Zum Nachhaltigkeitsanspruch des Projekts gehört auch die erwartete Einsparung von Emissionen. Der Landkreis Karlsruhe beziffert die vermiedenen CO₂-Emissionen in der Bauphase gegenüber einer konventionellen Bauweise auf knapp 15.000 Tonnen. Diese Zahl stammt aus den Projektberechnungen. Eine öffentlich zugängliche unabhängige Gesamtbilanz, die sämtliche Annahmen im Detail nachvollziehbar macht, liegt nicht vor.
390 Millionen Euro für Verwaltung, Bildung und weitere Nutzungen
KARLA ist kein einzelnes Bürogebäude, sondern als Verwaltungs- und Bildungszentrum angelegt. Insgesamt entstehen rund 63.000 Quadratmeter Bruttogeschossfläche. Der Landkreis rechnet mit bis zu 2.000 Arbeitsplätzen.
Die Kreisverwaltung soll einen wesentlichen Teil des neuen Standorts nutzen. Hinzu kommen mehrere Bildungs- und Verwaltungseinrichtungen, darunter die Verwaltungsschule des Gemeindetags Baden-Württemberg, die Akademie der Unfallkasse Baden-Württemberg und die Verwaltungs- und Wirtschaftsakademie Baden. Außerdem sind Seminar-, Konferenz- und Multifunktionsflächen vorgesehen.
Auch andere Nutzungen gehören zum Konzept. Geplant sind unter anderem eine Kita, gastronomische Angebote und öffentlich zugängliche Bereiche. Dadurch soll das Areal am Ettlinger Tor nicht ausschließlich als Verwaltungsstandort funktionieren, sondern stärker in das Umfeld eingebunden werden.
Das Investitionsvolumen liegt nach aktueller Planung bei rund 390 Millionen Euro. Noch im bisherigen Bauverlauf sah der Landkreis das Vorhaben im vorgesehenen Kosten- und Zeitrahmen. Auch der SWR berichtete zuletzt unter Berufung auf den Projektverantwortlichen, dass die prognostizierten Gesamtkosten voraussichtlich eingehalten werden könnten.
Der Flachbau ist deutlich weiter als der Hochhausteil
Auf der Baustelle verlaufen mehrere Bauphasen parallel. Während der fünfgeschossige Flachbau bereits seine Rohbauhöhe erreicht hat, beginnt beim Hochhaus der entscheidende vertikale Abschnitt erst noch.
Beim Flachbau haben nach Angaben des Landkreises bereits Arbeiten an der Dachabdichtung begonnen. Auch die Fassadenverglasung schreitet voran. Gleichzeitig wird im Inneren an technischen Anlagen und weiteren Ausbauten gearbeitet. Das Gebäude ist damit deutlich weiter entwickelt als der angrenzende Hochhausteil.
Für den Zeitplan bedeutet das: Teile des Ensembles könnten früher nutzbar sein als das Gesamtprojekt. Für den Flachbau wurde zuletzt ein möglicher Bezug ab Ende 2027 genannt. Das Bauende für das gesamte Verwaltungs- und Bildungszentrum KARLA ist weiterhin für 2028 vorgesehen.
Ein konkreter Eröffnungstermin für das Hochhaus ist bislang nicht belegt. Klar ist lediglich der Rahmen: Erst nach Abschluss des derzeitigen Lückenschlusses kann der Hochhausteil seine geplante Höhe Schritt für Schritt erreichen.
Mehr als Holz: KARLA setzt auf ein breites Energiekonzept
Die Holz-Hybrid-Bauweise ist der sichtbarste Teil des Nachhaltigkeitskonzepts, aber nicht der einzige. Vorgesehen sind reversible Wärmepumpen, Photovoltaikanlagen auf Dachflächen sowie die Nutzung von Grundwasser und interner Abwärme.
Auch der Umgang mit Freiflächen spielt eine Rolle. Auf dem Gelände soll eine öffentlich zugängliche „Grüne Mitte“ entstehen. Dach- und Fassadenbegrünungen sind ebenfalls vorgesehen. Nach den Planungen soll die Versiegelung des Areals trotz der höheren baulichen Nutzung reduziert werden.
Hinzu kommt der Ansatz, einzelne Bauteile möglichst trennbar zu konstruieren. Nach Angaben des Landkreises spielt die spätere Rückbaubarkeit eine Rolle. Bauteile sollen damit nicht zwangsläufig nur für einen einzigen Lebenszyklus vorgesehen sein, sondern perspektivisch wiederverwendet oder anders eingesetzt werden können.
Für Baden-Württemberg fügt sich KARLA in die politische Förderung des Holzbaus ein. Das Projekt erhält Unterstützung aus Programmen für innovatives Bauen und aus europäischen Fördermitteln. Die dort ausgewiesenen förderfähigen Kosten betreffen allerdings nur einen Teil des Gesamtvorhabens und sind nicht mit den rund 390 Millionen Euro Investitionsvolumen gleichzusetzen.
Warum das KARLA-Hochhaus für Karlsruhe besonders ist
In Karlsruhe entsteht mit KARLA kein gewöhnlicher Ersatzbau für eine Verwaltung. Die Kombination aus 24 Geschossen, rund 90 Metern Höhe und Holz-Hybrid-Tragwerk macht das Gebäude auch über die Stadt hinaus bemerkenswert.
Hinzu kommt der Standort. Das Ettlinger Tor gehört zu den prägnanten innerstädtischen Bereichen Karlsruhes. Ein Hochhaus dieser Höhe wird dort zwangsläufig stärker wahrgenommen als ein klassischer Verwaltungsbau. Der Entwurf sieht den Hochhausteil deshalb nicht nur als Nutzfläche, sondern auch als städtebaulichen Akzent mit Fernwirkung.
Wie stark sich dieser Anspruch im fertigen Gebäude tatsächlich einlöst, lässt sich derzeit noch nicht beurteilen. Die wesentlichen Höhenmeter fehlen noch. Auch die angekündigten Ziele bei Kosten, Bauzeit und Nachhaltigkeit können erst nach Abschluss des Projekts vollständig bewertet werden.
Jetzt beginnt die Phase, die KARLA im Stadtbild sichtbar macht
Der bisherige Baufortschritt zeigt vor allem, wie weit der Sockel und der fünfgeschossige Gebäudeteil bereits entwickelt sind. Die prägende Silhouette des KARLA-Hochhauses entsteht dagegen erst in der nächsten Phase.
Mit jedem weiteren Geschoss wird deshalb deutlicher werden, welche Rolle das neue Verwaltungs- und Bildungszentrum künftig am Ettlinger Tor spielt. Der belegbare Kern des Projekts ist schon heute außergewöhnlich genug: ein rund 90 Meter hohes Holz-Hybrid-Hochhaus, 24 Geschosse, ein großes öffentliches Nutzungskonzept und ein Bauvolumen von rund 390 Millionen Euro.
Ob KARLA später als Vorbild für weitere öffentliche Hochhäuser in Holz-Hybrid-Bauweise gilt, ist offen. Zunächst geht es um etwas Konkreteres: Der Rohbau muss weiter wachsen, der Zeitplan halten und aus einem ambitionierten Entwurf ein funktionierendes Gebäude werden. Genau diese Etappe steht in Karlsruhe jetzt bevor.





















