Archäologie in Sachsen-Anhalt
Königspfalz Helfta: 1.000 Jahre altes Steingebäude mit Keller entdeckt

Archäologie in Sachsen-Anhalt

Auf dem Gelände der ottonischen Königspfalz Helfta bei Eisleben haben Archäologen ein rund 1.000 Jahre altes Steingebäude mit Keller und erhaltener Zugangstreppe freigelegt. Der Fund aus dem 10. Jahrhundert erweitert das bislang bekannte Bild des mittelalterlichen Herrschaftszentrums. Welche Funktion der Bau einst erfüllte, ist noch ungeklärt – die laufenden Ausgrabungen liefern zugleich neue Erkenntnisse über das Leben am Königshof.
Eisleben, 14. Oktober 2026. Ein Keller, eine erhaltene Zugangstreppe und massive Steinmauern: Auf der Anhöhe „Kleine Klaus“ bei Lutherstadt Eisleben haben Archäologen ein weiteres Gebäude der ottonischen Königspfalz Helfta freigelegt. Der etwa neun Meter lange und fünf Meter breite Bau stammt aus dem 10. Jahrhundert. Er liegt unmittelbar neben dem bereits bekannten Palatium, dem repräsentativen Hauptgebäude der einstigen Herrschaftsanlage.
Das Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt (LDA) stellte die Ergebnisse am 12. Oktober vor. Demnach gehört das neu entdeckte Bauwerk zu den frühen profanen Steinbauten des heutigen Sachsen-Anhalts. Archäologische Funde ermöglichen eine zeitliche Einordnung in die Epoche der Ottonen, als Helfta zu den Aufenthaltsorten der deutschen Könige und Kaiser gehörte.
Seit dem 31. August untersuchen Wissenschaftler unter Leitung des Archäologen Felix Biermann das Gelände. Die Arbeiten sollen bis zum 24. Oktober dauern. Schon frühere Grabungen hatten bedeutende Überreste zutage gefördert. Mit der jüngsten Entdeckung wird nun deutlicher, wie umfangreich das historische Zentrum der Königspfalz angelegt war.
Die Lage des Gebäudes ist für die Forscher besonders aufschlussreich. In unmittelbarer Nachbarschaft zum Palatium und zur bereits nachgewiesenen Radegundiskirche befand sich offenbar ein weiterer massiver Bau. Damit verdichten sich die Hinweise auf ein Ensemble mehrerer repräsentativer Gebäude innerhalb der Königspfalz Helfta.
Wozu der Neubefund ursprünglich diente, lässt sich bislang nicht sicher sagen. Denkbar ist nach Einschätzung der Archäologen eine Unterkunft für hochrangige Gäste, die sich im Gefolge des Herrschers aufhielten. Auch ein Sitz des Burggrafen kommt infrage. Für keine dieser Deutungen liegt bislang ein abschließender Nachweis vor.
Gesichert sind dagegen die baulichen Merkmale: Das Gebäude besaß einen Keller, der über eine Treppe erreichbar war. Seine Grundfläche betrug ungefähr 45 Quadratmeter. Die Datierung in das 10. Jahrhundert stützt sich auf archäologische Funde, die bei den Untersuchungen geborgen wurden.
Die Bauweise verleiht der Entdeckung zusätzliche Bedeutung. Im 10. Jahrhundert bestanden viele Wohn- und Wirtschaftsgebäude aus Holz. Massive Steinbauten erforderten erheblichen Material- und Arbeitsaufwand. Gerade innerhalb einer königlichen Anlage waren sie deshalb ein auffälliges Merkmal repräsentativer Architektur.
Der Fund ergänzt die bislang bekannten Strukturen der Königspfalz Helfta. Er zeigt, dass sich die steinerne Bebauung nicht auf das Palatium und die Kirche beschränkte. Wie die einzelnen Gebäude miteinander verbunden waren und welche Aufgaben sie im Alltag des Herrschaftszentrums übernahmen, bleibt Gegenstand der wissenschaftlichen Auswertung.
Eine weitere Entdeckung gelang östlich des Palastgebäudes. Dort legten die Archäologen eine steingefestigte Terrasse frei. Möglicherweise fanden auf dieser Fläche Versammlungen unter freiem Himmel statt. Auch diese Interpretation ist vorläufig; die ursprüngliche Nutzung lässt sich anhand der bislang veröffentlichten Befunde nicht eindeutig bestimmen.
Die aktuellen Untersuchungen richten sich nicht allein auf die repräsentativen Gebäude. Auf dem Gelände der ehemaligen Königspfalz stoßen die Forscher ebenso auf Spuren jener Menschen, die dort lebten, arbeiteten und die Versorgung des Herrschaftsortes sicherstellten.
Mehrere freigelegte Grubenhäuser geben Hinweise auf die Siedlungsstruktur. Die teilweise in den Boden eingetieften Bauten besaßen Seitenlängen zwischen etwa drei und fünf Metern. Solche Gebäude waren im frühen Mittelalter verbreitet und konnten als Wohnräume oder Werkstätten genutzt werden.
Auch die geborgenen Gegenstände verweisen auf handwerkliche Tätigkeiten. Tongewichte und Gusstiegel liefern Anhaltspunkte für Textilherstellung und Metallverarbeitung. Hinzu kommt ein Kalkbrennofen, der die Produktion von Kalk auf dem Gelände belegt.
Die Funde verdeutlichen, dass zur Königspfalz Helfta nicht nur herrschaftliche Gebäude gehörten. Auch handwerkliche Arbeit und wirtschaftliche Tätigkeiten waren Teil des Lebens an diesem Ort. Welche Bereiche gleichzeitig genutzt wurden und wie sie organisatorisch zusammenhingen, müssen weitere Untersuchungen klären.
Unter den beweglichen Funden befinden sich mehrere Gegenstände, die Einblicke in die materielle Kultur des Mittelalters ermöglichen. Die Archäologen entdeckten Ohrringe, emaillierte Gewandspangen und das verzierte Fragment eines Kästchens aus Geweihmaterial. Das Fragment wird in die Zeit um das Jahr 1000 datiert.
Auch eine Knochenflöte kam bei den Untersuchungen zum Vorschein. Der Fund ergänzt die Zeugnisse handwerklicher und alltäglicher Tätigkeiten um einen Gegenstand, der mit Musik verbunden ist.
Silbermünzen aus dem 10. bis 15. Jahrhundert dokumentieren zudem die lange Nutzungsgeschichte des Geländes. Nicht alle Hinterlassenschaften stammen aus der Epoche Ottos des Großen. Die Anhöhe wurde auch in späteren Jahrhunderten besiedelt und baulich verändert.
So untersuchten die Archäologen weitere Überreste der mittelalterlichen Burg der Familie von Hackeborn. Hinzu kommen Befestigungsstrukturen, Gräber und ein spätmittelalterlicher Erdstall, eine unterirdische Anlage. Die verschiedenen Befunde müssen zeitlich voneinander unterschieden werden, um die Entwicklung des Ortes nachvollziehen zu können.
Helfta gehörte im 10. Jahrhundert zu den Aufenthaltsorten der ottonischen Herrscher. Historisch belegt sind Besuche Ottos des Großen und seines Sohnes Otto II. Die Anlage war damit Teil jener Herrschaftsstruktur, die das politische Leben des frühen mittelalterlichen Reiches prägte.
Eine dauerhaft genutzte Hauptstadt im heutigen Sinne gab es damals nicht. Könige und Kaiser reisten zwischen verschiedenen Aufenthaltsorten. Pfalzen dienten ihnen als zeitweilige Residenzen und als Orte, an denen herrschaftliche Aufgaben wahrgenommen wurden.
Entsprechend mussten solche Anlagen nicht nur dem Herrscher selbst Unterkunft bieten. Auch sein Gefolge und die mit dem Aufenthalt verbundenen Aufgaben benötigten Platz. Vor diesem Hintergrund ist die Entdeckung eines weiteren Steingebäudes in Helfta von besonderem Interesse. Seine konkrete Funktion lässt sich daraus allerdings noch nicht ableiten.
Die wissenschaftliche Erforschung der Königspfalz hat in den vergangenen Jahren erhebliche Fortschritte gemacht. Bereits 2021 wurden die Überreste der Radegundiskirche freigelegt. Ihre Stiftung geht auf Otto den Großen zurück und erfolgte vor dem Jahr 968.
Im Jahr 2022 identifizierten die Forscher das Palatium. Das repräsentative Gebäude war etwa 21,50 Meter lang und sieben Meter breit. Nach Angaben des Landesamtes verfügte es ursprünglich über ein Obergeschoss und eine aufwendige Warmluftheizung.
Gerade diese technische Ausstattung unterstreicht den besonderen Charakter des Bauwerks. Zusammen mit der Kirche bildete es einen wesentlichen Bestandteil des historischen Herrschaftszentrums. Der jetzt freigelegte Steinbau erweitert dieses Ensemble um ein weiteres Gebäude aus derselben Epoche.
Die Forschung kann damit zunehmend die räumliche Gliederung der Königspfalz nachvollziehen. Neben den herrschaftlichen Bereichen werden auch Wirtschaftsgebäude, handwerkliche Einrichtungen und Spuren späterer Nutzungsphasen erkennbar.
Während die Archäologen weitere Spuren der Vergangenheit untersuchen, wird auch an der künftigen Nutzung des historischen Geländes gearbeitet. Die Stadt Eisleben will die Königspfalz Helfta mit Unterstützung des Landes touristisch erschließen und ihre Geschichte für Besucher nachvollziehbar machen.
Für das Gesamtvorhaben wurde ein Förderbescheid über rund 8,5 Millionen Euro bekannt gegeben. Die Finanzierung erfolgt aus Bundes- und Landesmitteln im Zusammenhang mit dem Strukturwandel im Mitteldeutschen Revier.
Geplant sind unter anderem ein Besucherzentrum und ein Aussichtsturm. Außerdem sollen historische Gebäudegrundrisse sichtbar gemacht werden. Dadurch könnten Besucher künftig besser erkennen, wie die mittelalterliche Anlage aufgebaut war.
Die Förderung betrifft das touristische Gesamtprojekt und ist nicht mit den Kosten der laufenden Ausgrabungen gleichzusetzen. Wann die vorgesehenen Einrichtungen vollständig zugänglich sein werden, steht nach den bislang veröffentlichten Informationen noch nicht fest.
Mit dem neu entdeckten Steingebäude ist die Geschichte der Königspfalz Helfta um einen wichtigen archäologischen Befund reicher. Die Ausgrabungen zeigen, dass das ottonische Herrschaftszentrum aus mehreren massiven Bauwerken bestand und von Bereichen umgeben war, in denen Menschen wohnten und arbeiteten.
Die entscheidende Frage zum jüngsten Fund bleibt vorerst unbeantwortet: Wer nutzte das Gebäude mit Keller und Zugangstreppe? Ob es hochrangigen Gästen vorbehalten war, einem Burggrafen diente oder eine andere Aufgabe erfüllte, lässt sich erst anhand weiterer Erkenntnisse beurteilen.
Bis zum geplanten Ende der Grabung am 24. Oktober setzen die Wissenschaftler ihre Untersuchungen fort. Anschließend bleibt die Auswertung der geborgenen Funde und dokumentierten Baustrukturen. Schon jetzt erweitert die Entdeckung das Wissen über die Königspfalz Helfta erheblich: Neben Kirche und Palast gehörte mindestens ein weiteres repräsentatives Steingebäude zu dem Herrschaftsort, an dem sich vor rund 1.000 Jahren ottonische Könige und Kaiser aufhielten.
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