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Wärmewende in Bruchsal

Geothermie in Bruchsal: Erste Fernwärme fließt ins Netz – Ausbau bis 2033 geplant

Industrielle Rohrleitungen, Ventile und Wärmetauscher einer technischen Anlage zur Fernwärmeversorgung.
Symbolbild: KI-generiert. Die Tiefengeothermie soll künftig einen wesentlichen Beitrag zur Fernwärmeversorgung in Bruchsal leisten.

In Bruchsal wird seit Anfang Oktober erstmals Erdwärme aus mehr als 3.000 Metern Tiefe probeweise in das kommunale Fernwärmenetz eingespeist. Das Projekt gilt als Premiere in Baden-Württemberg und soll künftig Industriebetriebe sowie Teile der Innenstadt versorgen. Während die ersten technischen Tests erfolgreich verliefen, stehen weitere Sicherheitsprüfungen und ein umfangreicher Netzausbau noch bevor.

Bruchsal, 15. Oktober 2026. Die Wärme kommt aus der Tiefe: Rund 127 Grad heißes Thermalwasser soll künftig einen erheblichen Teil der Fernwärme in Bruchsal liefern. Was bislang vor allem der Stromerzeugung und der Versorgung einer benachbarten Polizeischule diente, wird nun für das kommunale Wärmenetz erschlossen. Seit Anfang Oktober läuft die Einspeisung im Probebetrieb.

Nach Informationen des Südwestrundfunks (SWR) vom 14. Oktober hat die Wärmeübertragung bei den bisherigen Tests funktioniert. Für den Übergang in den regulären Betrieb müssen allerdings noch die Sicherheitssysteme überprüft werden. Wann die Anlage dauerhaft im vorgesehenen Umfang liefern kann, steht damit noch nicht verbindlich fest.

Das Vorhaben hat über Bruchsal hinaus Bedeutung. Nach Angaben des SWR und des Energieunternehmens EnBW wird hier erstmals in Baden-Württemberg Wärme aus einer Tiefengeothermieanlage in ein kommunales Fernwärmenetz eingespeist. Die Besonderheit liegt nicht in der Nutzung der Erdwärme an sich. Entscheidend ist ihre Einbindung in eine städtische Versorgungsstruktur, die in den kommenden Jahren deutlich wachsen soll.

Geothermie in Bruchsal: Wärme aus mehr als 3.000 Metern Tiefe

Technisches Herzstück ist das bestehende Geothermiekraftwerk. Aus einer Tiefe von mehr als drei Kilometern wird Thermalwasser mit einer Temperatur von rund 127 Grad Celsius gefördert. Seine Energie lässt sich für die Wärmeversorgung nutzen, ohne das Wasser aus dem Untergrund unmittelbar durch das städtische Leitungsnetz zu schicken.

Wärmetauscher übertragen die Energie auf einen getrennten Heizwasserkreislauf. Thermalwasser und Fernwärmewasser bleiben voneinander getrennt. Anschließend kann die gewonnene Wärme über die entsprechenden Leitungen an angeschlossene Verbraucher verteilt werden.

Der Standort ist seit Langem Teil der Bruchsaler Energieversorgung. Bereits 2009 begann dort die Stromproduktion aus Tiefengeothermie. Seit 2019 wird außerdem die benachbarte Polizeischule mit Wärme versorgt. Die nun vorbereitete kommunale Einspeisung baut auf dieser Infrastruktur auf.

Mehr Förderleistung für die Fernwärmeversorgung

Wie viel Wärme künftig zur Verfügung steht, hängt wesentlich von der Fördermenge ab. Bisher wurden nach den veröffentlichten Projektangaben rund 28 Liter Thermalwasser pro Sekunde gefördert. Durch einen Pumpentausch soll dieser Wert auf etwa 55 Liter steigen.

Die höhere Fördermenge würde die nutzbare Wärmeleistung deutlich vergrößern. Die Stadtwerke Bruchsal bezifferten die thermische Leistung der Anlage auf etwa sechs bis sieben Megawatt. Frühere Planungen sahen perspektivisch eine Steigerung auf bis zu zwölf Megawatt vor.

Zwischen vorhandener Leistung und angestrebter Kapazität ist allerdings zu unterscheiden. Die höheren Werte beschreiben Ausbauziele, keine bereits nachgewiesene Dauerleistung des neuen Fernwärmebetriebs.

Für die kommende Heizsaison wurden rund 26 Gigawattstunden geothermischer Wärme in Aussicht gestellt. Ob diese Menge erreicht wird, hängt vom Abschluss der Inbetriebnahme und vom anschließenden Anlagenbetrieb ab.

John Deere soll Wärme aus dem Geothermiekraftwerk erhalten

Die ersten größeren Abnehmer befinden sich nicht in den Wohnquartieren der Innenstadt, sondern im Industriegebiet West. Dort soll unter anderem das Bruchsaler Werk des Landmaschinenherstellers John Deere mit Fernwärme versorgt werden.

Die Stadtwerke Bruchsal meldeten am 5. März 2026 den Abschluss eines entsprechenden Wärmeliefervertrags. John Deere nimmt damit eine zentrale Rolle beim Ausbau der geothermischen Wärmeversorgung ein.

Die baulichen Voraussetzungen wurden bereits zuvor geschaffen. Im Februar begannen die Arbeiten an einer rund 900 Meter langen Fernwärmetrasse, die das Geothermiekraftwerk mit dem Industriegebiet verbinden soll.

Der Anschluss eines großen Industriebetriebs ist ein wichtiger Schritt für die Erweiterung des Wärmenetzes. Statt die Energie ausschließlich am Kraftwerksstandort oder in unmittelbar benachbarten Einrichtungen zu nutzen, soll sie über eine eigene Leitungsinfrastruktur zu weiteren Verbrauchern gelangen.

Der Vertrag mit John Deere ist allerdings nicht mit einer bestätigten vollständigen Belieferung im Dauerbetrieb gleichzusetzen. Nach dem jüngsten Bericht des SWR befindet sich die neue Einspeisung weiterhin in der Erprobungsphase.

Fernwärme in Bruchsal: Innenstadt soll bis 2029 folgen

Die Versorgung des Industriegebiets bildet nur einen Teil des Vorhabens. Die Stadtwerke planen, bestehende Fernwärmestrukturen auszubauen und schrittweise miteinander zu verbinden. Dadurch soll die Wärme aus dem Geothermiekraftwerk künftig auch in weiteren Teilen Bruchsals genutzt werden können.

Ein konkreter Ausbauabschnitt betrifft das Bahnhofsgebiet. Nach Angaben der Stadtwerke vom August 2026 sollen das Bahnhofsgebäude und ein erster Bereich der Innenstadt bis 2029 mit geothermischer Wärme versorgt werden.

Für den weitergehenden Netzausbau reicht der Planungshorizont bis etwa 2033. Der SWR nennt dafür einen Umfang von rund 30 Kilometern Fernwärmeleitungen. In anderen Projektangaben ist von etwa 33 Kilometern die Rede. Die Zahlen beziehen sich auf die langfristige Netzplanung und nicht auf bereits vollständig verlegte Leitungen.

Ein Drittel der Fernwärme könnte künftig aus Geothermie stammen

Bis 2033 könnte die Tiefengeothermie nach den veröffentlichten Planungen rund ein Drittel der städtischen Fernwärmeversorgung übernehmen. Das wäre ein erheblicher Anteil an der künftigen Wärmebereitstellung.

Eine vollständige Umstellung der Stadt auf Erdwärme ist damit jedoch nicht verbunden. Die bestehenden Bruchsaler Wärmenetze nutzen unterschiedliche Energiequellen. Neben regenerativen Anlagen kommen weiterhin gasbetriebene Blockheizkraftwerke zum Einsatz.

Die Stadtwerke verfolgen deshalb einen schrittweisen Umbau. Neue Leitungen sollen zusätzliche Versorgungsgebiete erschließen, während vorhandene Systeme zunächst weiter genutzt werden. Wie schnell der geothermische Anteil wächst, hängt vom technischen Ausbau und der tatsächlichen Wärmeabnahme ab.

Auch die langfristigen Ausbauziele sind von der aktuellen Versorgungslage zu trennen. Der Probebetrieb im Oktober 2026 markiert den Beginn der kommunalen Einspeisung, nicht den Abschluss der Bruchsaler Wärmewende.

Wann können Privathaushalte geothermische Fernwärme nutzen?

Für Hauseigentümer und Mieter stellt sich eine andere Frage als für die Betreiber: Wann erreicht die neue Wärmeversorgung das eigene Wohngebiet?

Eine pauschale Antwort gibt es bislang nicht. Die Verfügbarkeit von Fernwärme in Bruchsal hängt davon ab, welche Straßen bereits erschlossen sind und wo neue Leitungen gebaut werden. Der erfolgreiche Probebetrieb bedeutet nicht, dass sämtliche Haushalte unmittelbar angeschlossen werden können.

Während für das Industriegebiet und den Bahnhofsbereich konkrete Ausbauvorhaben bekannt sind, lassen sich daraus keine verbindlichen Anschlusstermine für das gesamte Stadtgebiet ableiten.

Fernwärmepreise und Hausanschlüsse noch nicht überall geklärt

Neben der Verfügbarkeit werden die Kosten darüber entscheiden, wie attraktiv die neue Versorgung für private Haushalte ist. Relevant sind sowohl der einmalige Hausanschluss als auch die laufenden Wärmepreise und die jeweiligen Vertragsbedingungen.

Aus den bislang veröffentlichten Informationen ergibt sich kein einheitlicher Geothermie-Tarif für alle künftigen Anschlussgebiete. Bereits bestehende Fernwärmepreise einzelner Bruchsaler Netze lassen sich nicht ohne Weiteres auf neue Versorgungsbereiche übertragen.

Auch eine belastbare aktuelle Zahl der Privathaushalte, die bereits 2026 Wärme aus der neuen kommunalen Geothermie-Einspeisung erhalten, liegt nicht vor.

Für Eigentümer, die über einen Wechsel ihrer Heizungsversorgung nachdenken, bleiben daher konkrete Auskünfte zu Netzgebieten, Anschlussmöglichkeiten und Kosten maßgeblich. Die Ausbaupläne allein begründen noch keine kurzfristige Anschlussmöglichkeit.

Bestehende Geothermieanlage erhält eine neue Aufgabe

Das Bruchsaler Projekt unterscheidet sich von einem vollständigen Kraftwerksneubau. Die wesentlichen Anlagen zur Nutzung des heißen Thermalwassers existieren bereits seit Jahren. Neu ist vor allem die Erweiterung der Wärmeabgabe auf das kommunale Fernwärmenetz.

Die Nutzung des Standorts geht zudem über die klassische Energiegewinnung hinaus. Nach SWR-Angaben wird dort unter anderem untersucht, ob sich Lithium aus dem Thermalwasser gewinnen lässt. Seit Ende 2025 wird außerdem eine Brennstoffzelle erprobt, die Strom und Wärme bereitstellen soll.

Diese technischen Vorhaben sind eigenständige Entwicklungen und nicht mit der laufenden Fernwärmeeinspeisung gleichzusetzen. Für die Stadt steht derzeit vor allem die Frage im Vordergrund, wie die vorhandene Erdwärme in größerem Umfang für die Wärmeversorgung eingesetzt werden kann.

Die Nutzung von Tiefengeothermie kann den Bedarf an fossilen Brennstoffen bei der Wärmeerzeugung verringern. Vollständig emissionsfrei ist das Gesamtsystem dadurch nicht automatisch. Auch Pumpen, Wärmetauscher und weitere technische Einrichtungen benötigen Energie; hinzu kommen die Aufwendungen für den Bau und Betrieb des Leitungsnetzes.

Die technische Premiere ist gelungen – der Netzausbau bleibt die entscheidende Aufgabe

Mit der probeweisen Einspeisung hat Bruchsal einen wichtigen Abschnitt seines Geothermieprojekts erreicht. Erstmals soll die Wärme aus dem bestehenden Tiefengeothermiekraftwerk über eine kommunale Fernwärmeinfrastruktur an einen größeren Kreis von Verbrauchern gelangen. In dieser Form nimmt die Stadt nach den bisherigen Angaben eine Sonderstellung in Baden-Württemberg ein.

Der weitere Verlauf wird sich an konkreten Fortschritten messen lassen müssen: am Abschluss der Sicherheitsprüfungen, an der Aufnahme verlässlicher Wärmelieferungen und am Ausbau der Leitungen in Richtung Innenstadt.

Für die Bruchsaler Haushalte wird das Projekt erst dann unmittelbar relevant, wenn ihre Wohngebiete erschlossen sind und die Bedingungen für einen Anschluss feststehen. Die bisherigen Tests zeigen, dass die technische Wärmeübertragung funktioniert. Bis aus der geothermischen Fernwärme ein breit verfügbares Angebot wird, sind jedoch weitere Ausbauschritte notwendig.

Quellen

  1. Bruchsal macht Ernst: Fernwärme aus Tiefengeothermie ab sofort im NetzSWR
  2. Fernwärme zur Versorgung des Bruchsaler John-Deere-WerksStadtwerke Bruchsal
  3. Magazin für Kommunen, Ausgabe 1/2026EnBW
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