US-Verteidigungsminister Pete Hegseth veranschlagt die Kosten des US-Kriegs gegen Iran inzwischen auf 37,5 Milliarden Dollar. Die Summe ist allerdings keine reine Abrechnung bereits ausgegebener Mittel, sondern enthält auch erwartete Belastungen bis Ende September. Zugleich fordert die Regierung ein deutlich größeres Zusatzbudget – und muss sich im Kongress Fragen zur Berechnung und Verwendung der Milliarden gefallen lassen.

Washington, 21. Juli 2026. Der Krieg gegen Iran wird für die Vereinigten Staaten immer teurer. Vor dem Haushaltsausschuss des US-Senats nannte Verteidigungsminister Pete Hegseth erstmals eine aktuelle Pentagon-Schätzung von 37,5 Milliarden Dollar. Die Zahl soll die bisherigen und kurzfristig erwarteten Kosten der amerikanischen Militäroperationen abbilden.

Eine abschließende Bilanz ist sie nicht. Nach Hegseths Angaben umfasst der Betrag neben bereits entstandenen Ausgaben auch Kosten, mit denen das Pentagon bis zum Ende des laufenden US-Haushaltsjahres am 30. September rechnet. Wie viel Geld tatsächlich bereits abgeflossen ist und welcher Anteil auf Prognosen entfällt, blieb in der Anhörung offen.

Auch eine detaillierte Aufstellung nach Munition, Personal, Logistik, Wartung oder Materialverlusten legte das Verteidigungsministerium nicht vor. Damit steht zwar eine neue politische Richtgröße im Raum. Eine öffentlich überprüfbare Kostenrechnung für den US-Krieg gegen Iran ist sie jedoch bislang nicht.

Kosten des US-Kriegs gegen Iran steigen deutlich

Die neue Schätzung zeigt, wie schnell sich die finanziellen Belastungen erhöhen. Ende April war zunächst von rund 25 Milliarden Dollar die Rede. Im Mai lag die Pentagon-Schätzung bereits bei 29 Milliarden Dollar. Nun nennt Hegseth 37,5 Milliarden Dollar.

Zeitpunkt Genannte Schätzung
Ende April 2026 rund 25 Milliarden Dollar
Mai 2026 rund 29 Milliarden Dollar
21. Juli 2026 37,5 Milliarden Dollar

Der Anstieg lässt sich allerdings nicht vollständig einordnen. Das Pentagon hat nicht offengelegt, ob die Berechnung jeweils auf denselben Annahmen beruhte. Ebenso unklar ist, welche neuen Ausgaben seit der vorherigen Schätzung hinzugekommen sind und welche Kosten lediglich aufgrund eines längeren Planungshorizonts berücksichtigt wurden.

Offen bleibt auch, in welchem Umfang reguläre Mittel aus dem Verteidigungshaushalt bereits verwendet oder in die Schätzung eingerechnet wurden. Ohne diese Angaben lässt sich nicht zuverlässig bestimmen, wie hoch die unmittelbar zusätzlichen Kosten des US-Kriegs gegen Iran tatsächlich sind.

Keine Gesamtrechnung des Kriegs

Die 37,5 Milliarden Dollar beziehen sich ausschließlich auf die von Washington kalkulierten Aufwendungen für die amerikanischen Militäroperationen. Die Zahl beschreibt weder die gesamten Kriegskosten noch die wirtschaftlichen Schäden auf allen Seiten.

Nicht erfasst oder jedenfalls nicht gesondert ausgewiesen sind:

  • die militärischen und wirtschaftlichen Kosten Irans,
  • Ausgaben anderer beteiligter oder unterstützender Staaten,
  • zivile Schäden und langfristige volkswirtschaftliche Folgen,
  • spätere Aufwendungen für Veteranen, Versorgung und Wiederbeschaffung,
  • mögliche Finanzierungskosten zusätzlicher staatlicher Schulden.

Auch deshalb ist die Formulierung von bislang ausgegebenen 37,5 Milliarden Dollar zu weitgehend. Belegt ist eine Schätzung des Pentagon, die bereits entstandene Belastungen mit erwarteten Ausgaben bis Ende September verbindet.

Je länger die militärischen Operationen andauern, desto weniger belastbar wird die Summe als Maßstab für die endgültigen Kosten. Zusätzliche Einsätze, eine höhere Munitionsnachfrage oder weitere Ersatzbeschaffungen könnten die Ausgaben weiter steigen lassen. Eine Obergrenze nannte Hegseth nicht.

87,6 Milliarden Dollar zusätzlich beantragt

Die Aussage des Verteidigungsministers fiel während einer Anhörung zu einem umfangreichen Nachtragshaushalt. Die US-Regierung hatte Ende Juni insgesamt 87,6 Milliarden Dollar an zusätzlichen Mitteln beantragt. Etwa 67,1 Milliarden Dollar davon sollen an das Verteidigungsministerium fließen.

Diese Beträge dürfen nicht mit den von Hegseth genannten Kosten des US-Kriegs gegen Iran gleichgesetzt werden. Das zusätzliche Budget soll nicht allein laufende Operationen finanzieren. Vorgesehen sind auch Mittel zur Auffüllung verbrauchter Bestände, für militärische Bereitschaft, neue Fähigkeiten und weitere Aufgaben des Pentagon.

Der gesamte Finanzierungsantrag enthält zudem Positionen außerhalb des Verteidigungshaushalts. Dazu zählen Hilfen für die Landwirtschaft, Maßnahmen gegen Ebola und weitere innen- und außenpolitische Programme. Die Forderung der Regierung geht damit deutlich über die aktuelle Kostenschätzung für den Iran-Krieg hinaus.

Senatoren verlangen eine präzisere Aufschlüsselung

Im Haushaltsausschuss stießen die Zahlen auf Skepsis. Demokratische Senatoren kritisierten, dass nicht alle beantragten Pentagon-Mittel unmittelbar mit dem Krieg gegen Iran in Verbindung stünden. In der Debatte ging es unter anderem um Ausgaben für Nationalgardeeinsätze in Washington, Aufgaben an der Grenze sowie Operationen in anderen militärischen Zuständigkeitsbereichen.

Auch jenseits dieser parteipolitischen Auseinandersetzung blieb eine zentrale Frage unbeantwortet: Welcher Teil der Milliarden dient tatsächlich der Finanzierung des Iran-Einsatzes, und welcher Teil soll ohnehin geplante oder anderweitige militärische Vorhaben absichern?

Mehrere Senatoren verlangten deshalb genauere Angaben zur Strategie, zur Dauer der Operationen und zur Verwendung der beantragten Mittel. Die Kostendebatte berührt damit unmittelbar die politische Kontrolle des Kriegs. Der Kongress soll zusätzliche Milliarden bewilligen, ohne bislang über eine vollständig nachvollziehbare Abgrenzung der einzelnen Ausgaben zu verfügen.

Pentagon warnt vor Folgen fehlender Mittel

Hegseth drängte bei der Anhörung auf eine schnelle Entscheidung. Ohne den Nachtragshaushalt könnten nach Darstellung des Verteidigungsministeriums Engpässe bei Wartung, Ausbildung und Einsatzbereitschaft entstehen.

General Dan Caine, Vorsitzender der Vereinigten Stabschefs, erklärte, die Bezahlung der Soldaten könne zwar gewährleistet werden. Bei der Instandhaltung und beim Aufbau künftiger militärischer Fähigkeiten seien jedoch Einschränkungen möglich.

Das Pentagon verbindet die aktuelle Kostenschätzung damit eng mit seiner Forderung nach zusätzlichem Geld. Politisch ist das wirkungsvoll: Die gestiegenen Ausgaben sollen den Handlungsdruck auf den Kongress erhöhen. Zugleich verschärft diese Argumentation den Anspruch an Transparenz. Wer vor finanziellen Engpässen warnt, muss nachvollziehbar darlegen, welche Mittel bereits verbraucht sind, welche Verpflichtungen bevorstehen und welche Ausgaben tatsächlich durch den US-Krieg gegen Iran verursacht wurden.

Eine belastbare Zahl steht noch aus

Die 37,5 Milliarden Dollar markieren einen neuen Zwischenstand, mehr nicht. Sie machen sichtbar, wie stark der Krieg den amerikanischen Verteidigungshaushalt belastet. Zugleich bleibt die Aussagekraft begrenzt, solange das Pentagon seine Berechnung nicht offenlegt.

Für den Kongress geht es nun um mehr als eine weitere Bewilligung zusätzlicher Mittel. Die Parlamentarier müssen entscheiden, wie weit sie einen militärischen Einsatz mit offenem zeitlichem und finanziellem Verlauf tragen wollen. Dabei wird entscheidend sein, ob die Regierung die Kosten des US-Kriegs gegen Iran klar von anderen Haushaltswünschen trennt.

Hegseths Zahl liefert dafür bislang nur einen groben Rahmen. Bereits ausgegebene Gelder, Prognosen bis Ende September und weitergehende Finanzierungsforderungen stehen nebeneinander, ohne dass ihre Abgrenzung vollständig erkennbar wäre. Erst eine detaillierte Aufstellung könnte aus der politischen Milliardensumme eine belastbare Kostenbilanz machen.