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Textilindustrie unter Druck

Groz-Beckert plant 120 Stellen weniger: Textilkrise trifft Stammsitz Albstadt

Schreibtisch mit Aktenordner, Dokumenten und Taschenrechner vor unscharfen industriellen Arbeitsgeräten.
Groz-Beckert will in Albstadt bis Ende 2027 insgesamt 120 Stellen abbauen. Symbolbild: KI-generiert.

Der Industriekonzern Groz-Beckert will an seinem Stammsitz in Albstadt 120 Stellen abbauen. Die Geschäftsführung hat die Belegschaft über die Entscheidung informiert, die bis Ende 2027 umgesetzt werden soll. Hinter dem Einschnitt steht eine anhaltende Krise im Geschäft mit textilen Werkzeugen. Wie viele Beschäftigte tatsächlich gehen müssen, ist bislang offen.

Albstadt, 17. Oktober 2026. Der Stellenabbau bei Groz-Beckert trifft einen traditionsreichen Industriestandort in Baden-Württemberg. Am Donnerstag, 15. Oktober, informierte die Geschäftsführung die Beschäftigten während einer Betriebsversammlung über die geplante Streichung von 120 Arbeitsplätzen. Die Personalreduzierung soll schrittweise im kommenden Jahr erfolgen und bis Ende 2027 abgeschlossen sein.

Für die Belegschaft beginnt damit eine Phase der Unsicherheit. Zwar kündigt das Unternehmen eine sozialverträgliche Umsetzung an. Welche Abteilungen betroffen sind, wie viele Beschäftigte den Betrieb verlassen müssen und ob betriebsbedingte Kündigungen notwendig werden, ist bislang nicht konkretisiert.

Nach Angaben des Südwestrundfunks (SWR) arbeiteten am Standort Albstadt-Ebingen zuletzt knapp 2.000 Menschen. Gemessen an dieser Größenordnung entspricht der geplante Abbau von 120 Stellen ungefähr sechs Prozent der Belegschaft. Für einen der bedeutenden industriellen Arbeitgeber der Region ist das ein spürbarer Einschnitt.

Stellenabbau bei Groz-Beckert: Warum der Konzern reagieren will

Die Entscheidung kommt nicht überraschend, wohl aber in einer Größenordnung, die den wirtschaftlichen Druck auf das Unternehmen deutlich macht. Das Stammgeschäft mit textilen Werkzeugen leidet seit Jahren unter schwierigen Marktbedingungen. Eine nachhaltige Erholung ist nach Einschätzung der Geschäftsführung derzeit nicht absehbar.

Groz-Beckert verweist auf eine schwache Nachfrage, weltweite Überkapazitäten und einen zunehmenden Preiswettbewerb. Die internationale Textilindustrie verändert sich. Produktionskapazitäten werden verlagert, Investitionen konzentrieren sich stärker auf Regionen mit niedrigeren Kosten. Für Zulieferer und Hersteller von Werkzeugen für die Textilproduktion verschärft das die wirtschaftlichen Bedingungen.

Besonders China spielt nach Darstellung des Unternehmens eine wichtige Rolle. Das Land hat sowohl in der Textilproduktion als auch im Textilmaschinenbau erheblich an Bedeutung gewonnen. Gleichzeitig erschweren geopolitische Spannungen und die zurückhaltende Investitionsbereitschaft vieler Marktteilnehmer die Geschäftsentwicklung.

Die Konsequenz in Albstadt: Groz-Beckert will seine Produktionskapazitäten und organisatorischen Strukturen an die veränderte Nachfrage anpassen. Der angekündigte Stellenabbau ist Teil dieser Neuausrichtung. Eine Schließung des Stammsitzes steht nach den bislang veröffentlichten Informationen nicht zur Debatte.

Sinkende Umsätze belasten das Industrieunternehmen

Wie tief die wirtschaftlichen Schwierigkeiten reichen, zeigt die Umsatzentwicklung der vergangenen Jahre. Bereits 2025 hatte der SWR über rückläufige Erlöse und Sparmaßnahmen bei Groz-Beckert berichtet. Der Konzernumsatz war von 880 Millionen Euro im Jahr 2023 auf 839 Millionen Euro im Jahr 2024 gesunken.

Auch 2025 setzte sich der Rückgang fort. Nach Unternehmensangaben erwirtschaftete die Gruppe noch rund 799 Millionen Euro. Innerhalb von zwei Geschäftsjahren verringerte sich der Umsatz damit um 81 Millionen Euro, ein Minus von gut neun Prozent.

Geschäftsjahr Konzernumsatz Veränderung
2023 880 Mio. Euro –
2024 839 Mio. Euro −4,7 %
2025 799 Mio. Euro −4,8 %

Das Wichtigste in Kürze

Groz-Beckert will in Albstadt bis Ende 2027 insgesamt 120 Stellen abbauen. Die wirtschaftlichen Ursachen liegen laut Unternehmen in der schwachen Nachfrage und im internationalen Wettbewerbsdruck.

Was ist passiert?
Der Stellenabbau bei Groz-Beckert trifft einen traditionsreichen Industriestandort in Baden-Württemberg.
Wann?
Die Personalreduzierung soll schrittweise im kommenden Jahr erfolgen und bis Ende 2027 abgeschlossen sein.
Wer ist betroffen?
Nach Angaben des Südwestrundfunks (SWR) arbeiteten am Standort Albstadt-Ebingen zuletzt knapp 2.000 Menschen.
Was bedeutet das?
Die Konsequenz in Albstadt: Groz-Beckert will seine Produktionskapazitäten und organisatorischen Strukturen an die veränderte Nachfrage anpassen.

Stand:

Die Zahlen beziehen sich auf die gesamte Unternehmensgruppe, nicht allein auf das Werk in Albstadt. Dennoch verdeutlichen sie die wirtschaftliche Ausgangslage, vor der die Geschäftsführung ihre Entscheidung getroffen hat. Der Stellenabbau bei Groz-Beckert folgt auf mehrere Jahre rückläufiger Konzernumsätze.

Kurzarbeit und Abfindungen gab es bereits früher

Schon im Februar 2025 war bekannt geworden, dass Groz-Beckert auf die schwächere Geschäftsentwicklung mit personellen Maßnahmen reagierte. Damals berichtete der SWR über Kurzarbeit, Stellenabbau und Abfindungsangebote.

Die jetzt angekündigte Reduzierung um weitere 120 Stellen zeigt, dass der Anpassungsbedarf aus Sicht der Unternehmensführung fortbesteht. Ob erneut Abfindungsprogramme angeboten werden oder andere Instrumente zum Einsatz kommen, ist bislang nicht konkret bekannt.

Entscheidend dürfte sein, wie die geplante Verkleinerung der Belegschaft im Einzelnen umgesetzt wird. Die Ankündigung beschreibt zwar den Umfang und den zeitlichen Rahmen, lässt jedoch offen, welche konkreten Maßnahmen dafür vorgesehen sind.

Was die Streichung von 120 Arbeitsplätzen für Albstadt bedeutet

Für die Beschäftigten ist die Zahl 120 zunächst eine betriebliche Zielgröße. Sie bedeutet nicht zwangsläufig, dass ebenso viele Menschen eine Kündigung erhalten. Stellen können auch durch reguläre Personalabgänge, auslaufende Beschäftigungsverhältnisse oder andere Maßnahmen entfallen.

Welche dieser Möglichkeiten Groz-Beckert nutzen will, geht aus den bisher veröffentlichten Angaben nicht hervor. Das Unternehmen hat angekündigt, den Personalabbau sozialverträglich gestalten zu wollen. Eine detaillierte Darstellung der vorgesehenen Regelungen liegt jedoch nicht vor.

Unklar ist außerdem, welche Produktionsbereiche und Berufsgruppen betroffen sein werden. Die wirtschaftlichen Schwierigkeiten konzentrieren sich nach Unternehmensdarstellung auf das Geschäft mit textilen Werkzeugen. Daraus lässt sich allerdings noch keine verlässliche Zuordnung der geplanten Stellenstreichungen zu einzelnen Abteilungen ableiten.

Auch zu konkreten Vereinbarungen mit der Arbeitnehmervertretung liegen bislang keine ausreichend gesicherten Informationen vor. Für die Beschäftigten bleibt deshalb vor allem eine Frage offen: Welche persönlichen Konsequenzen wird die angekündigte Entscheidung haben?

33 Auszubildende haben keine dauerhafte Übernahmeperspektive

Dass sich die schwierige Geschäftslage bereits auf die beruflichen Perspektiven am Stammsitz auswirkt, hatte Groz-Beckert wenige Wochen zuvor deutlich gemacht. Am 18. September 2026 informierte das Unternehmen über Veränderungen bei der Übernahme technischer Auszubildender.

Demnach erhalten 33 Auszubildende nach ihrem Abschluss im Jahr 2027 keine dauerhafte Beschäftigungsperspektive entsprechend ihrer Qualifikation am Standort Albstadt. Betroffen sind angehende Industriemechaniker, Mechatroniker und Fachkräfte für Metalltechnik.

Eine einjährige Anschlussbeschäftigung bleibt nach Angaben des Unternehmens bestehen. Eine langfristige Übernahme in eine entsprechende Tätigkeit ist für diese Gruppe jedoch nicht vorgesehen.

Zwischen dieser Mitteilung und der Ankündigung des Stellenabbaus liegen weniger als vier Wochen. Ob die 33 Auszubildenden bei den nun genannten 120 Stellen bereits berücksichtigt sind, ist nicht geklärt. Die Zahlen lassen sich deshalb nicht ohne Weiteres addieren.

Für den Industriestandort ist die Entwicklung dennoch bedeutsam. Neben bestehenden Arbeitsplätzen stehen auch längerfristige Beschäftigungsperspektiven für den technischen Nachwuchs unter Druck.

Groz-Beckert verändert auch international seine Strukturen

Der Konzern steht nicht nur in Albstadt vor Veränderungen. Bereits Ende August 2026 hatte Groz-Beckert angekündigt, den Produktionsstandort Groz-Beckert Carding Belgium im belgischen Deerlijk bis zum Jahresende zu schließen.

Damit wurden innerhalb weniger Wochen Entscheidungen an unterschiedlichen Standorten bekannt. Ein unmittelbarer Zusammenhang zwischen der Schließung in Belgien und dem Stellenabbau in Albstadt ist allerdings nicht ausdrücklich belegt. Beide Maßnahmen müssen daher zunächst getrennt betrachtet werden.

Groz-Beckert ist eine international tätige Unternehmensgruppe, zu der neben dem gleichnamigen Stammgeschäft auch TKM und solidian gehören. Weltweit beschäftigte der Konzern 2025 rund 8.800 Menschen. Geschäftlich ist die Gruppe in mehr als 150 Ländern vertreten.

Die Größe und internationale Präsenz ändern nichts daran, dass das traditionelle Geschäft mit textilen Werkzeugen von den Veränderungen auf den Weltmärkten betroffen ist. In Albstadt soll die Anpassung nun vor allem über eine Verringerung der Beschäftigtenzahl erfolgen.

Bis Ende 2027 entscheidet sich, wie tief der Einschnitt ausfällt

Der Umfang des geplanten Stellenabbaus bei Groz-Beckert ist seit dem 15. Oktober bekannt. Wie die Reduzierung im Betrieb tatsächlich ablaufen wird, muss sich erst zeigen. Die Umsetzung ist über das Jahr 2027 verteilt und soll bis zum Jahresende abgeschlossen sein.

Für Albstadt steht damit nicht die Zukunft des gesamten Standorts infrage, wohl aber die Entwicklung der Beschäftigung in einem wichtigen Industriebetrieb. Der Rückgang der Konzernumsätze, frühere Sparmaßnahmen und die eingeschränkten Übernahmeperspektiven für Auszubildende bilden den wirtschaftlichen Hintergrund der aktuellen Entscheidung.

Ob der Stellenabbau ohne betriebsbedingte Kündigungen gelingt und welche Bereiche künftig mit weniger Personal arbeiten müssen, bleibt offen. Die angekündigte sozialverträgliche Umsetzung wird sich daran messen lassen müssen, welche konkreten Regelungen für die Beschäftigten getroffen werden.

Fest steht: Groz-Beckert hält an seinem Stammsitz fest, will dort aber künftig mit 120 Stellen weniger auskommen. Die Entscheidung markiert einen weiteren Schritt in der Anpassung an einen Textilmarkt, für den die Unternehmensführung vorerst keine nachhaltige Erholung erwartet.

Quellen

  1. Groz-Beckert passt Strukturen am Standort Albstadt an veränderte Marktbedingungen anGroz-Beckert
  2. Schwäbisches Traditionsunternehmen Groz-Beckert in Albstadt baut 120 Stellen abSWR
  3. Groz-Beckert is adapting its organizational structure at its headquartersGroz-Beckert Group
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