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Neue Bundeswehr-Struktur

Bundeswehr baut erstes Drohnenregiment auf – bis zu 600 Kräfte geplant

Militärische Drohne und unbemanntes Bodenfahrzeug auf einem neutralen Übungsgelände der Bundeswehr.
Symbolbild: KI-generiert. Die Bundeswehr plant für 2027 ihr erstes eigenes Drohnenregiment mit zunächst rund 300 und später etwa 600 Kräften.

Die Bundeswehr baut 2027 erstmals ein eigenes Drohnenregiment auf. Der neue Heeresverband soll zunächst rund 300, später etwa 600 Soldatinnen und Soldaten umfassen und unbemannte Systeme für unterschiedliche Einsatzdistanzen bündeln. Während die militärische Grundstruktur bereits umrissen ist, sind wichtige Fragen zur konkreten Ausstattung und zum künftigen Standort noch offen.

Bergen, 2. Oktober 2026. Die Bundeswehr zieht Konsequenzen aus der gewachsenen Bedeutung unbemannter Systeme für die moderne Kriegsführung. Verteidigungsminister Boris Pistorius hat auf dem Truppenübungsplatz Bergen in Niedersachsen angekündigt, im kommenden Jahr das erste eigene Drohnenregiment der Bundeswehr aufzustellen. Geplant ist kein kleiner Spezialtrupp, sondern ein selbstständiger Verband des Heeres mit mehreren hundert Soldatinnen und Soldaten.

Die Entscheidung gab Pistorius am 1. Oktober während der sogenannten Experimentalserie Land bekannt. Auf dem Übungsplatz erprobt das Heer neue Technik und Rüstungsgüter unter taktischen Bedingungen. Nach Angaben des Presse- und Informationszentrums des Heeres wurden dabei mehr als 40 Rüstungsgüter einbezogen.

Das neue Drohnenregiment soll verschiedene Fähigkeiten zusammenführen. Dazu gehören unbemannte Fluggeräte ebenso wie Systeme für den Einsatz am Boden. Hinzu kommen Fähigkeiten für den elektronischen Kampf. Nach Angaben der ARD ist dafür eine eigene Kompanie vorgesehen.

Bundeswehr will Drohnenregiment 2027 aufbauen

Der Zeitplan ist ehrgeizig, aber gestaffelt. Das Drohnenregiment soll im Laufe des Jahres 2027 aufgebaut werden. Bis Ende des Jahres ist nach den bislang veröffentlichten Planungen eine erste Befähigung mit rund 300 Soldatinnen und Soldaten vorgesehen. Langfristig soll der Verband auf etwa 600 Kräfte anwachsen.

Damit ist zugleich eine wichtige Abgrenzung verbunden: Die Bundeswehr verfügt nicht bereits jetzt über ein vollständig ausgerüstetes und einsatzbereites Drohnenregiment. Pistorius hat vielmehr den Aufbau eines neuen Verbandes angekündigt. Personal, Organisation und technische Ausstattung müssen in den kommenden Monaten zusammengeführt werden.

Welche unbemannten Systeme das Regiment am Ende konkret erhält, ist noch nicht abschließend entschieden. Festgelegt ist bislang vor allem der Rahmen. Das Fähigkeitsspektrum soll unterschiedliche Einsatzdistanzen abdecken. Pistorius sprach von einem Bereich, der von unmittelbarer Nähe bis zu 500 Kilometern reichen soll.

Die Zahl von 500 Kilometern beschreibt dabei das geplante Fähigkeitsspektrum des Verbandes. Sie bedeutet nicht, dass jede künftig eingesetzte Drohne diese Reichweite besitzen wird. Welche Systeme welche Aufgaben und Entfernungen abdecken, hängt von den noch ausstehenden Beschaffungs- und Ausstattungsentscheidungen ab.

Nicht nur Flugdrohnen für den neuen Verband

Der Begriff Drohnenregiment greift technisch sogar etwas zu kurz. Vorgesehen sind neben fliegenden Drohnen auch unbemannte Landsysteme. Die Bundeswehr will damit unterschiedliche Plattformen und Einsatzmöglichkeiten in einem spezialisierten Verband bündeln.

Zum geplanten Spektrum gehört außerdem sogenannte Loitering Munition. Solche unbemannten Systeme können zunächst in einem Einsatzraum verbleiben und anschließend gegen ein identifiziertes Ziel eingesetzt werden. Die Bundeswehr erprobt entsprechende Technik bereits. Nach dem derzeitigen Planungsstand sollen solche Systeme 2027 zur Truppe kommen.

Eine weitere Säule bildet der elektronische Kampf. Das Drohnenregiment soll dafür eine eigene Kompanie erhalten. Der Einsatz unbemannter Systeme hängt schließlich nicht nur von Fluggerät, Sensoren und möglicher Bewaffnung ab. Kommunikation und Datenübertragung spielen ebenso eine Rolle wie die Fähigkeit, unter gegnerischer elektronischer Einwirkung zu operieren.

Gerade diese Kombination macht deutlich, welchen Stellenwert das Heer dem neuen Verband beimisst. Es geht nicht darum, lediglich zusätzliche Fluggeräte zu beschaffen. Die Bundeswehr schafft eine militärische Struktur, in der unterschiedliche Komponenten für den Einsatz unbemannter Systeme zusammengeführt werden sollen.

Ukraine-Krieg prägt die Drohnenstrategie der Bundeswehr

Die Planungen stehen im Zusammenhang mit den Erfahrungen aus dem russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine. Dort hat sich die Bedeutung unbemannter Systeme innerhalb weniger Jahre erheblich verändert. Drohnen werden für Aufklärung und Zielerfassung ebenso eingesetzt wie unmittelbar gegen militärische Ziele.

Für die Bundeswehr folgt daraus nicht nur die Beschaffung neuer Technik. Auch die Organisation des Heeres verändert sich. Das geplante Drohnenregiment ist dafür ein besonders sichtbares Beispiel, bleibt aber nicht die einzige Maßnahme.

Parallel sollen unbemannte Systeme stärker in bereits bestehende Verbände eingebunden werden. Laut dem Fachmedium Defence Network ist vorgesehen, entsprechende Fähigkeiten ab dem Jahreswechsel 2026/27 unter anderem in der Jäger-, Aufklärungs- und Panzertruppe aufzubauen.

Das Heer verfolgt damit zwei Ansätze. Einerseits sollen Soldaten in klassischen Truppengattungen unmittelbar auf unbemannte Systeme zurückgreifen können. Andererseits entsteht mit dem Drohnenregiment ein spezialisierter Verband, der umfangreichere Fähigkeiten auf einer höheren organisatorischen Ebene bündelt.

Drohnenregiment soll der 10. Panzerdivision zugeordnet werden

Nach Berichten militärischer Fachmedien soll das neue Drohnenregiment als Teil der Divisionstruppen der 10. Panzerdivision aufgestellt werden. Damit würden die spezialisierten Fähigkeiten auf Divisionsebene verankert.

Wo das Regiment stationiert wird, steht dagegen noch nicht fest. Bergen war Schauplatz der Ankündigung und der laufenden Erprobungen, daraus lässt sich jedoch keine Entscheidung über den späteren Standort ableiten.

Heeresinspekteur Generalleutnant Christian Freuding hat bei der Standortfrage auf die erforderliche Infrastruktur verwiesen. Der künftige Standort muss Voraussetzungen bieten, die zum Betrieb und zur Erprobung der Systeme passen. Eine endgültige Entscheidung wurde bislang nicht bekanntgegeben.

Offen bleibt auch, welche Drohnentypen und unbemannten Landsysteme tatsächlich in den Verband aufgenommen werden. Hersteller, Modelle, Stückzahlen und die genaue Verteilung auf unterschiedliche Einsatzbereiche sind nach dem derzeit bekannten Planungsstand noch nicht abschließend festgelegt.

Eigene Drohnen und Drohnenabwehr sind getrennte Vorhaben

Der Aufbau des Drohnenregiments ist nicht mit der parallel verstärkten Drohnenabwehr der Bundeswehr gleichzusetzen. Beide Bereiche gewinnen an Bedeutung, verfolgen aber unterschiedliche Aufgaben.

Bei der Drohnenabwehr geht es darum, gegnerische unbemannte Fluggeräte zu erkennen, zu stören oder zu bekämpfen. Die Luftwaffe hat dafür bereits ein Schnelles Reaktionselement aufgebaut. Seit Juli 2026 sollen entsprechende Elemente in allen Teilstreitkräften und Organisationsbereichen vorhanden sein.

Pistorius hatte im Juni zudem Investitionen von rund 16 Milliarden Euro in den Bereich Drohnenabwehr bis zum Ende des Jahrzehnts angekündigt. Diese Summe ist jedoch nicht das Budget des jetzt geplanten Drohnenregiments. Eine direkte Zuordnung der Milliardeninvestitionen zum neuen Heeresverband wäre daher irreführend.

Beim Drohnenregiment steht vielmehr die eigene Nutzung unbemannter Systeme durch das Heer im Mittelpunkt. Die Bundeswehr baut damit offensive und unterstützende Fähigkeiten auf, während sie zugleich ihre Möglichkeiten zur Abwehr gegnerischer Drohnen erweitert.

Entscheidende Details des Drohnenregiments sind noch offen

Mit der Ankündigung in Bergen sind die Eckpunkte gesetzt: Das erste Drohnenregiment der Bundeswehr soll 2027 entstehen, zunächst mit rund 300 Soldatinnen und Soldaten. Später ist eine Stärke von etwa 600 Kräften vorgesehen. Zum Verband sollen fliegende und unbemannte Landsysteme, Loitering Munition sowie Fähigkeiten für den elektronischen Kampf gehören.

Bis daraus ein vollständig aufgestellter Verband wird, bleiben jedoch zentrale Entscheidungen zu treffen. Der Standort ist noch offen, ebenso die endgültige Auswahl der eingesetzten Systeme. Auch wann das Drohnenregiment seine vorgesehene Zielstärke und vollständige Ausstattung erreicht, ist bislang nicht abschließend bekannt.

Die Ankündigung markiert deshalb vor allem einen organisatorischen Schritt: Unbemannte Systeme erhalten im Heer erstmals einen eigenen spezialisierten Regimentsverband. Wie dieser konkret ausgestattet sein wird, entscheidet sich mit den weiteren Planungen und Beschaffungen im kommenden Jahr.

Quellen

  1. Bundeswehr reagiert mit erstem Drohnenregiment auf Ukraine-KriegARD
  2. Innovationen auf dem Prüfstand – Bundesminister der Verteidigung Boris Pistorius bei der Experimentalserie des HeeresPresse- und Informationszentrum Heer
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