
NEW YORK/Berlin, 13. Januar 2026 – Zwischen endlosen Highways, Vorstadtzentren und neu entstehenden Wohnquartieren setzt sich ein bekanntes Logo immer häufiger durch. Aldi, der deutsche Discounter, baut seine Präsenz in den USA mit bemerkenswerter Geschwindigkeit aus. Die Strategie ist klar umrissen: mehr Filialen, bessere Logistik, digitale Nähe zum Kunden – und konsequent niedrige Preise in einem angespannten Markt.
Aldi hat seine Wachstumspläne für die USA deutlich konkretisiert und positioniert sich damit als einer der dynamischsten Akteure im amerikanischen Lebensmittelhandel. Der Discounter verfolgt eine langfristig angelegte Expansionsstrategie, die nicht nur auf zusätzliche Verkaufsflächen setzt, sondern auf eine strukturelle Stärkung des gesamten US-Geschäfts. Die Vereinigten Staaten gelten inzwischen als einer der wichtigsten Wachstumsmärkte des Unternehmens.
Beschleunigtes Filialwachstum als Kern der Strategie
Im Zentrum der Expansionspläne steht der massive Ausbau des Filialnetzes. Für das Jahr 2026 plant Aldi die Eröffnung von mehr als 180 neuen Märkten in über 30 Bundesstaaten. Damit soll die Gesamtzahl der Aldi-Filialen in den USA auf rund 2.800 Standorte anwachsen. Perspektivisch verfolgt das Unternehmen das Ziel, bis zum Jahr 2028 etwa 3.200 Filialen zu betreiben.
Diese Entwicklung ist Teil eines mehrjährigen Investitionsprogramms mit einem Volumen von rund 9 Milliarden US-Dollar. Die Mittel fließen nicht nur in Neubauten, sondern auch in die Modernisierung bestehender Standorte sowie in logistische und digitale Infrastruktur. Aldi unterstreicht damit seinen Anspruch, dauerhaft im oberen Feld der wachstumsstarken Lebensmittelhändler in den USA mitzuspielen.
Neue Regionen rücken in den Fokus
Ein wesentliches Element der Strategie ist die geografische Erweiterung in bislang wenig erschlossene Regionen. Besonders im Blick steht der Bundesstaat Colorado, wo Aldi erstmals mit einer größeren Zahl von Filialen vertreten sein will. In Ballungsräumen wie Denver und Colorado Springs sind bis zu 50 neue Standorte vorgesehen. Auch im Nordosten der USA erweitert der Discounter sein Netz und plant erstmals Filialen im Bundesstaat Maine, unter anderem im Raum Portland.
Mit diesen Schritten wird Aldi künftig in mindestens 40 US-Bundesstaaten präsent sein. Die Expansion folgt dabei nicht zufällig der Bevölkerungsentwicklung: Wachsende Metropolregionen, Zuzug aus teureren Küstenstaaten und eine steigende Nachfrage nach preisgünstigen Lebensmitteln bilden den strukturellen Hintergrund der Standortwahl.
Logistik als Rückgrat der Expansion
Das rasche Wachstum erfordert leistungsfähige Lieferketten. Aldi investiert deshalb parallel in neue Logistik- und Verteilzentren, unter anderem in Florida, Arizona und Colorado. Diese Zentren sollen in den kommenden Jahren in Betrieb gehen und die Versorgung der neuen und bestehenden Filialen sichern.
Die logistische Expansion ist ein zentraler Baustein der Gesamtstrategie. Kurze Lieferwege, standardisierte Prozesse und hohe Effizienz gelten als Voraussetzung dafür, das Aldi-typische Preisniveau auch bei steigenden Betriebskosten aufrechterhalten zu können. Gleichzeitig entstehen durch die neuen Zentren zusätzliche Arbeitsplätze in den jeweiligen Regionen.
Digitale Angebote gewinnen an Bedeutung
Während das stationäre Geschäft weiterhin das Fundament bildet, treibt Aldi auch die digitale Weiterentwicklung voran. Geplant ist ein überarbeiteter Onlineauftritt, der stärker auf personalisierte Inhalte, Rezeptvorschläge und ernährungsbezogene Informationen setzt. Ziel ist es, die Kundenbindung zu erhöhen und das Einkaufserlebnis über den klassischen Filialbesuch hinaus zu erweitern.
Darüber hinaus baut Aldi seine Kooperationen mit etablierten Lieferdiensten weiter aus. In vielen Regionen der USA können Kunden bereits über Drittanbieter Lebensmittel aus Aldi-Filialen nach Hause liefern lassen. Dieses hybride Modell soll künftig eine größere Rolle spielen, ohne das Kerngeschäft im Discountsegment zu verändern.
Preissensibler Markt als Wachstumstreiber
Der Zeitpunkt der Expansion ist nicht zufällig gewählt. In den USA sind die Lebensmittelpreise in den vergangenen Jahren spürbar gestiegen, was das Einkaufsverhalten vieler Haushalte verändert hat. Preisbewusstsein spielt eine zunehmend zentrale Rolle, insbesondere bei Alltagsprodukten.
Aldi profitiert in diesem Umfeld von seinem Geschäftsmodell, das auf Eigenmarken, reduzierte Sortimente und schlanke Abläufe setzt. Hinzu kommt die strategische Übernahme und Umwandlung bestehender Supermarktketten wie Winn-Dixie und Harveys Supermarket im Südosten der USA. Diese Integration beschleunigte den Marktzugang in neuen Regionen und verschaffte Aldi zusätzliche Verkaufsflächen ohne langwierige Neubauphasen.
Positionierung im Wettbewerb
Im Vergleich zu Branchenriesen wie Walmart bleibt Aldi zwar deutlich kleiner, zählt jedoch zu den am schnellsten wachsenden Akteuren im US-Lebensmittelhandel. Mit inzwischen mehr als 2.500 Filialen hat sich der Discounter fest im Markt etabliert. Auch europäische Wettbewerber wie Lidl verfolgen ähnliche Expansionsstrategien, was den Preisdruck weiter erhöht.
Aldi setzt dabei konsequent auf Standardisierung und Wiedererkennbarkeit. Das klare Ladenlayout, die begrenzte Produktauswahl und das konsequente Preisversprechen bilden den Markenkern, der insbesondere bei kostenbewussten Verbrauchern auf hohe Akzeptanz stößt.
Zwischen Ambition und Umsetzung
Die ambitionierten Wachstumspläne stellen das Unternehmen vor organisatorische Herausforderungen. Grundstücksakquise, Bauprojekte, Personalgewinnung und die Integration digitaler Systeme müssen eng verzahnt werden. Gleichzeitig bleibt der Wettbewerb intensiv, und regionale Unterschiede im Konsumverhalten erfordern Anpassungsfähigkeit.
Dennoch deutet vieles darauf hin, dass Aldi seine Expansion in den USA langfristig angelegt hat. Das Unternehmen investiert nicht punktuell, sondern systematisch – in Flächen, Infrastruktur und Markenpräsenz.
Mit seiner Expansionsoffensive trifft Aldi auf einen US-Lebensmittelmarkt im Umbruch. Steigende Preise, veränderte Konsumgewohnheiten und der Wunsch nach einfachen, kalkulierbaren Einkaufsmodellen verändern die Branche spürbar. Aldi positioniert sich dabei als verlässlicher Anbieter im Niedrigpreissegment, der seine europäische Discount-DNA konsequent auf amerikanische Verhältnisse überträgt.
Ob der Discounter damit langfristig zu den dominierenden Kräften des Marktes aufschließt, bleibt offen. Klar ist jedoch: Die USA sind für Aldi längst mehr als ein Auslandsmarkt – sie sind ein zentrales Zukunftsfeld, auf dem das Unternehmen entschlossen weiter wächst.