Paolo Maldini und Leonardo haben ihre Ämter beim italienischen Fußballverband FIGC nach nur 16 Tagen wieder niedergelegt. Der Rückzug folgt auf das Scheitern der von ihnen unterstützten Verpflichtung Andrea Pirlos als Nationaltrainer und verschärft die Führungskrise im italienischen Fußball. Nun muss der Verband nicht nur einen neuen Chefcoach finden, sondern auch seine sportliche Leitung erneut ordnen.
Rom, 27. Juli 2026. Der viel beschworene Neuanfang im italienischen Fußball ist bereits nach gut zwei Wochen ins Wanken geraten. Paolo Maldini, seit dem 11. Juli Technischer Direktor des italienischen Fußballverbands FIGC und zugleich Präsident des Club Italia, hat sein Amt wieder niedergelegt. Auch Leonardo, den Maldini als sportlichen Berater an seine Seite geholt hatte, zieht sich zurück.
Damit verliert der Verband jene beiden Männer, die den Neuaufbau der Nationalmannschaften prägen und vor allem die Suche nach einem neuen Nationaltrainer steuern sollten. Die Aufgabe galt als Schlüsselprojekt nach dem dritten verpassten WM-Turnier in Folge. Nun steht die FIGC erneut ohne klare sportliche Führung da.
Paolo Maldini tritt nach nur 16 Tagen zurück
Die Rücktritte von Paolo Maldini und Leonardo wurden am Montagabend zunächst von Sky Sport Italia gemeldet und anschließend von weiteren italienischen und internationalen Medien aufgegriffen. Eine ausführliche persönliche Erklärung Maldinis lag zunächst nicht vor. Auch der Verband hatte den Vorgang zum Zeitpunkt der ersten Berichte noch nicht in einer eigenen Mitteilung eingeordnet.
Der Präsident der Serie A, Ezio Maria Simonelli, erklärte, er habe aus dem Fernsehen von den Rücktritten erfahren. Allein dieser Umstand lässt erkennen, wie abrupt die Entwicklung verlief. Von einem langfristig vorbereiteten Übergang kann kaum die Rede sein.
Der zeitliche Zusammenhang mit dem Scheitern der Kandidatur Andrea Pirlos ist offensichtlich. Maldini und Leonardo hatten den früheren Weltmeister als neuen Nationaltrainer favorisiert. Pirlo teilte am Montag selbst mit, dass er nach seinen Informationen nicht mehr für das Amt vorgesehen sei. Eine offizielle Verpflichtung hatte es zuvor allerdings nicht gegeben.
Die Krise des italienischen Fußballverbands im Überblick
| Zeitpunkt | Entwicklung |
|---|---|
| Frühjahr 2026 | Italien verpasst zum dritten Mal in Folge die Qualifikation für eine Weltmeisterschaft. |
| 2. April 2026 | Der damalige FIGC-Präsident Gabriele Gravina tritt zurück. |
| 11. Juli 2026 | Paolo Maldini wird Technischer Direktor der FIGC und Präsident des Club Italia. Leonardo kommt als Berater hinzu. |
| Juli 2026 | Gespräche mit Carlo Ancelotti und Pep Guardiola führen zu keiner Verpflichtung. |
| 27. Juli 2026 | Andrea Pirlos Kandidatur scheitert. Maldini und Leonardo legen ihre Ämter nieder. |
Andrea Pirlo wird zum Auslöser des Konflikts
Im Zentrum der Auseinandersetzung stand Andrea Pirlo. Sportlich schien der frühere Mittelfeldregisseur für Maldini und Leonardo eine naheliegende Lösung zu sein. Der Weltmeister von 2006 kennt die Strukturen des italienischen Fußballs, war als Spieler eine prägende Figur der Nationalmannschaft und sammelte später Erfahrung als Trainer.
Die Debatte entzündete sich jedoch nicht in erster Linie an seiner sportlichen Vita. Entscheidend waren seine geschäftlichen und öffentlichen Verbindungen nach Russland. Pirlo war als Markenbotschafter für den russischen Wettanbieter Fonbet tätig und wenige Wochen zuvor bei einer Veranstaltung in Moskau aufgetreten.
Diese Kontakte führten in Italien zu politischer und öffentlicher Kritik. Angesichts des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine wurde die Frage gestellt, ob Pirlo den italienischen Fußballverband und die Nationalmannschaft glaubwürdig repräsentieren könne. Pirlo hatte seine Zusammenarbeit mit dem Unternehmen als rein kommerzielles Engagement bezeichnet und eine politische Bedeutung zurückgewiesen.
Für die Verbandsspitze blieb das Risiko offenbar zu groß. FIGC-Präsident Giovanni Malagò soll der Verpflichtung nicht zugestimmt haben. Welcher einzelne Aspekt letztlich ausschlaggebend war, ist bislang nicht abschließend dokumentiert. Im Mittelpunkt der Debatte standen jedoch Pirlos Russland-Verbindungen, seine Tätigkeit für einen Wettanbieter und die möglichen Folgen für das öffentliche Ansehen des Verbands.
Ein Streit über Kompetenzen und Verantwortung
Der Fall Pirlo berührt zugleich die Machtfrage innerhalb der FIGC. Paolo Maldini war geholt worden, um sportliche Entscheidungen maßgeblich zu gestalten. Seine Ernennung sollte für einen klaren Bruch mit der bisherigen Führungskultur stehen. Doch bei einer Personalie von der Tragweite des Nationaltrainers behielt der Verbandspräsident die institutionelle und politische Verantwortung.
Genau dort prallten zwei Rollen aufeinander. Maldini und Leonardo bewerteten Pirlo offenbar vor allem aus sportlicher Perspektive. Die Verbandsspitze musste zusätzlich politische, wirtschaftliche und reputative Risiken berücksichtigen. Dass Maldini unmittelbar nach dem Ende der Pirlo-Kandidatur zurücktrat, legt einen grundlegenden Konflikt über Zuständigkeiten nahe. Eine eigene ausführliche Darstellung seiner Beweggründe steht jedoch weiterhin aus.
Die Trainersuche war schon zuvor ins Stocken geraten
Der Streit um Pirlo war nicht der erste Rückschlag bei der Suche nach einem neuen Nationaltrainer. Nach dem Rückzug Gennaro Gattusos infolge der gescheiterten WM-Qualifikation hatte die neue sportliche Führung zunächst deutlich prominentere Namen geprüft.
- Carlo Ancelotti wurde nach Angaben Maldinis kontaktiert, übernahm das Amt jedoch nicht.
- Auch Pep Guardiola stand im Fokus der Verantwortlichen, sagte eine Zusammenarbeit aber ab.
- Danach wurde Andrea Pirlo zum bevorzugten Kandidaten von Maldini und Leonardo.
Über eine mögliche längerfristige Vereinbarung mit Pirlo wurde zwar berichtet. Ein unterschriebener Vertrag oder eine offiziell bestätigte Einigung bis 2030 ist jedoch nicht belegt. Sicher ist nur, dass die Gespräche weit fortgeschritten genug waren, um eine öffentliche und politische Kontroverse auszulösen.
Mit dem Rücktritt von Paolo Maldini und Leonardo beginnt die Suche nun praktisch von vorn. Das betrifft nicht nur den Trainerposten. Auch die sportliche Gesamtverantwortung muss neu verteilt werden. Namen wie Roberto Mancini, Antonio Conte oder Thiago Motta kursieren bereits, doch eine bestätigte Entscheidung gibt es bislang nicht.
Der italienische Fußball verliert sein neues Gesicht
Paolo Maldinis Berufung hatte weit über Italien hinaus Aufmerksamkeit erzeugt. Der langjährige Kapitän der AC Mailand und der italienischen Nationalmannschaft stand für sportliche Glaubwürdigkeit, internationale Erfahrung und eine starke Identifikation mit der Azzurri-Tradition. Seine Ernennung sollte Vertrauen schaffen und dem Neuaufbau eine klare Richtung geben.
Auch Leonardo brachte umfangreiche Erfahrung mit. Der frühere Spieler, Trainer und Funktionär galt als international gut vernetzt und sollte Maldinis Arbeit ergänzen. Dass beide nach nur 16 Tagen wieder gehen, ist deshalb mehr als eine gewöhnliche Personalrochade. Der Verband verliert zwei prominente Repräsentanten seines erst wenige Tage zuvor vorgestellten Reformkurses.
Der Schaden ist vor allem struktureller Natur. Die FIGC muss nach drei verpassten Weltmeisterschaften ihre sportlichen Abläufe überprüfen, Auswahlprozesse neu ordnen und das Vertrauen in die Führung wiederherstellen. Gerade dafür waren Maldini und Leonardo verpflichtet worden. Ihr schneller Rückzug zeigt, dass die Zuständigkeiten an der Spitze offenbar nicht so klar geregelt waren, wie es für einen belastbaren Neustart nötig gewesen wäre.
Für die Nationalmannschaft wächst der Zeitdruck. Ein neuer Trainer benötigt Vorbereitungszeit, eine klare sportliche Linie und Rückhalt im Verband. Gleichzeitig muss die FIGC verhindern, dass die Trainersuche erneut von internen Konflikten überschattet wird. Die nächste Personalentscheidung wird deshalb nicht nur sportlich bewertet werden. Sie wird auch darüber entscheiden, ob die Verbandsspitze ihre Handlungsfähigkeit zurückgewinnt.
Ein Neuanfang, der erneut beginnen muss
Nun liegt die Verantwortung bei FIGC-Präsident Giovanni Malagò. Er muss einen neuen Nationaltrainer finden, die sportliche Leitung neu besetzen und zugleich klären, welche Kompetenzen künftig bei wem liegen. Ohne eine eindeutige Aufgabenverteilung droht der nächste Konflikt schon bei der nächsten großen Personalentscheidung.
Der Begriff „Chaos“ ist eine zugespitzte Beschreibung. Belegt ist jedoch eine außergewöhnlich schnelle Eskalation: Auf eine historische sportliche Niederlage folgten der Rücktritt der bisherigen Führung, die Einsetzung eines prominenten neuen Duos, mehrere erfolglose Trainerkontakte und schließlich der Rückzug von Paolo Maldini und Leonardo nach kaum mehr als zwei Wochen.
Der italienische Fußball steht damit nicht nur ohne neuen Nationaltrainer da. Auch das Konzept für den institutionellen Neustart ist vorerst gescheitert. Die FIGC muss erneut beginnen – diesmal unter dem zusätzlichen Druck, erklären zu müssen, weshalb ausgerechnet ihr sichtbarstes Reformprojekt so schnell zerbrochen ist.





















