Politik in Brandenburg
Brandenburg-Umfrage: Woidke bleibt beliebt, doch die SPD fällt auf 20 Prozent

Politik in Brandenburg

Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke genießt weiterhin mehr persönliche Zustimmung als viele seiner politischen Konkurrenten. Seine SPD dagegen steckt in einem Umfragetief: Einer aktuellen INSA-Erhebung zufolge erreicht die AfD 40 Prozent, die Sozialdemokraten kommen nur noch auf 20 Prozent. Die Zahlen verschärfen die Debatte über die Zukunft der Regierungspartei und die Frage, ob Woidke auch 2029 noch einmal antreten wird.
Potsdam, 12. Oktober 2026. Seit mehr als 13 Jahren steht Dietmar Woidke an der Spitze der Brandenburger Landesregierung. Der SPD-Politiker hat Regierungswechsel überstanden, Koalitionen geschmiedet und seiner Partei bei der Landtagswahl 2024 noch einmal zum Sieg verholfen. Doch die politische Stimmung im Land hat sich inzwischen erheblich verändert. Während Woidke persönlich vergleichsweise beliebt bleibt, verliert seine Partei deutlich an Rückhalt.
Wie groß der Abstand inzwischen ist, zeigt eine neue INSA-Umfrage im Auftrag der Märkischen Allgemeinen Zeitung, der Märkischen Oderzeitung und der Lausitzer Rundschau. Danach erreicht die AfD in Brandenburg 40 Prozent. Die SPD liegt bei 20 Prozent und damit nur noch halb so hoch wie die stärkste Oppositionspartei.
Für Woidke ergibt sich daraus eine ungewöhnliche politische Konstellation. Noch im Juni war er laut BrandenburgTrend von Infratest dimap der beliebteste der abgefragten Landespolitiker. Eine Mehrheit der Befragten wollte ihn bis zur nächsten Landtagswahl im Amt sehen. Gleichzeitig sank die Zufriedenheit mit seiner Arbeit, und die Landesregierung insgesamt erhielt überwiegend schlechte Bewertungen.
Die persönliche Popularität des Ministerpräsidenten und die politische Stärke seiner Partei fallen damit zunehmend auseinander. Wie lange die SPD von Woidkes Ansehen profitieren kann, ist offen.
Die jüngste Sonntagsfrage lässt wenig Raum für eine günstige Interpretation aus Sicht der Regierungsparteien. Zwischen dem 29. September und dem 6. Oktober 2026 befragte INSA insgesamt 1.000 Wahlberechtigte in Brandenburg. Das Ergebnis: Die AfD erreicht mit 40 Prozent einen neuen Höchstwert in dieser Umfragereihe.
Gegenüber der vorherigen Erhebung vom März gewinnt sie sechs Prozentpunkte hinzu. Die SPD verliert im selben Zeitraum vier Punkte und fällt auf 20 Prozent. CDU und Linke kommen jeweils auf neun Prozent. Grüne und Bündnis Sahra Wagenknecht erreichen jeweils sieben Prozent.
| Partei | Oktober 2026 | Veränderung zum März |
|---|---|---|
| AfD | 40 % | +6 Prozentpunkte |
| SPD | 20 % | −4 Prozentpunkte |
| CDU | 9 % | – |
| Die Linke | 9 % | – |
| Grüne | 7 % | – |
| BSW | 7 % | – |
| Sonstige | 8 % | – |
Besonders schwer wiegt für die SPD der Vergleich mit der Landtagswahl vom September 2024. Damals hatten die Sozialdemokraten mit 30,9 Prozent knapp vor der AfD gelegen, die 29,2 Prozent erreichte. Woidke konnte seine Partei trotz des schwierigen politischen Umfelds erneut zur stärksten Kraft machen.
Gut zwei Jahre später beträgt der Abstand zwischen beiden Parteien in der aktuellen Umfrage 20 Prozentpunkte – diesmal zugunsten der AfD. Für die Sozialdemokraten bedeutet das einen erheblichen Rückgang gegenüber ihrem letzten Wahlergebnis.
Allerdings sind Umfragen keine Wahlergebnisse. Sie bilden die Stimmung zum Zeitpunkt der Erhebung ab, nicht das tatsächliche Abstimmungsverhalten bei einer künftigen Wahl. Bis zur regulären Landtagswahl 2029 können sich die Kräfteverhältnisse verändern.
Die schlechten Parteizahlen stehen in einem auffälligen Gegensatz zur persönlichen Bewertung des Ministerpräsidenten. Im BrandenburgTrend vom 24. Juni 2026 erreichte Dietmar Woidke bei der Zufriedenheit mit seiner politischen Arbeit 46 Prozent. Damit führte er die Rangliste der abgefragten Landespolitiker an.
Sein Vorsprung war beträchtlich. René Wilke kam auf 23 Prozent, Jan Redmann auf 19 Prozent und Daniel Keller auf zwölf Prozent. Keiner der genannten Politiker erreichte damit auch nur annähernd Woidkes Zufriedenheitswert.
Eine INSA-Umfrage sieht die AfD in Brandenburg bei 40 Prozent und die SPD bei 20 Prozent. Ministerpräsident Dietmar Woidke war im Juni weiterhin der beliebteste abgefragte Landespolitiker, verlor jedoch ebenfalls an Zustimmung.
Allerdings zeigt der längerfristige Vergleich, dass auch der Ministerpräsident an Zustimmung verloren hat. Im Dezember 2024 waren noch 55 Prozent mit seiner Arbeit zufrieden. Ein Jahr später lag der Wert bei 48 Prozent, im Juni 2026 schließlich bei 46 Prozent.
Innerhalb von rund anderthalb Jahren sank die Zufriedenheit somit um neun Prozentpunkte. Woidke blieb zwar der am besten bewertete Landespolitiker, konnte sich dem allgemeinen Rückgang politischer Zustimmung aber nicht entziehen.
Wie ausgeprägt seine persönliche Stellung weiterhin ist, verdeutlicht eine weitere Frage aus dem BrandenburgTrend. 57 Prozent der Befragten sprachen sich im Juni dafür aus, dass Woidke bis zur nächsten Landtagswahl Ministerpräsident bleibt. 31 Prozent befürworteten dagegen eine vorzeitige Amtsübergabe.
Die Mehrheit für seinen Verbleib ist politisch bemerkenswert. Sie bedeutet jedoch nicht, dass ebenso viele Menschen eine erneute Kandidatur bei der Landtagswahl 2029 unterstützen würden. Gefragt wurde nach der Fortsetzung seiner laufenden Amtszeit, nicht nach einer weiteren Wahlperiode.
Auch die zeitliche Einordnung ist entscheidend: Die Werte stammen aus dem Juni. Eine gesicherte persönliche Beliebtheitsrangliste für Oktober, die unmittelbar mit der aktuellen INSA-Sonntagsfrage vergleichbar wäre, liegt den ausgewerteten Informationen nicht zugrunde.
Dass Woidke im Juni die Spitzenposition innehatte, ist belegt. Ob er sie im Oktober mit unverändertem Abstand behauptet, lässt sich daraus allein nicht ableiten.
Woidkes persönliche Zustimmungswerte sind umso auffälliger, weil die Landesregierung insgesamt erheblich kritischer beurteilt wird. Im BrandenburgTrend vom Juni erklärten lediglich 28 Prozent, mit der Regierungsarbeit zufrieden zu sein. 62 Prozent äußerten sich unzufrieden.
Zwischen der Bewertung des Ministerpräsidenten und jener seiner Regierung liegt damit eine erhebliche Differenz. Offenbar unterscheiden viele Befragte zwischen der Person an der Regierungsspitze und der politischen Arbeit des Kabinetts.
Für die SPD ist diese Unterscheidung keineswegs beruhigend. Persönliches Ansehen lässt sich nicht automatisch in Parteistimmen umwandeln. Die jüngste Sonntagsfrage zeigt vielmehr, dass Woidkes Bekanntheit und seine vergleichsweise hohe Zustimmung derzeit nicht ausreichen, um den Rückgang seiner Partei aufzuhalten.
Seit der Landtagswahl 2024 hat Brandenburg bereits einen Wechsel des Regierungsbündnisses erlebt. Nach dem Ende der Koalition aus SPD und Bündnis Sahra Wagenknecht bildete Woidke 2026 eine neue Regierung mit der CDU.
Auch dieses Bündnis steht angesichts der aktuellen Umfragewerte unter erheblichem Druck. SPD und CDU erreichen zusammen nur 29 Prozent der ausgewiesenen Stimmenanteile. Eine eigenständige parlamentarische Mehrheit wäre unter diesen Bedingungen nicht zu erwarten.
Wie sich die Sitze bei einer tatsächlichen Wahl verteilen würden, lässt sich aus den Prozentwerten allerdings nicht unmittelbar bestimmen. Dafür sind unter anderem die Sperrklausel und die Verteilung der gültigen Stimmen auf die einzelnen Parteien maßgeblich.
Auch rechnerisch mögliche Bündnisse sind nicht mit politisch realistischen Koalitionen gleichzusetzen. Die Umfrage gibt Auskunft über gegenwärtige Wahlabsichten. Sie entscheidet weder über künftige Mehrheiten noch über die Bereitschaft einzelner Parteien zur Zusammenarbeit.
Für die amtierende Koalition bleibt der Befund dennoch eindeutig: Ihre beiden Parteien erreichen zusammen deutlich weniger Zustimmung als die AfD allein.
Die Entwicklung rückt eine Frage stärker in den Mittelpunkt, die Brandenburgs Sozialdemokraten spätestens vor der nächsten Landtagswahl beantworten müssen: Wird Dietmar Woidke noch einmal antreten, oder übernimmt ein anderer Politiker die Spitzenkandidatur?
Eine abschließende Entscheidung über Woidkes politische Zukunft ist bislang nicht bekannt. Bereits im Februar 2026 hatte der Ministerpräsident seine Optionen für die Zeit nach der laufenden Wahlperiode offengehalten.
Die Lausitzer Rundschau griff die Frage einer erneuten Kandidatur am 9. Oktober erneut auf. Auch der Tagesspiegel beschäftigte sich mit möglichen Nachfolgern innerhalb der SPD.
In der öffentlichen Nachfolgedebatte spielt René Wilke eine Rolle. Nach den berichteten Umfragewerten erreichte er als möglicher Woidke-Nachfolger 13 Prozent. Manja Schüle kam auf fünf Prozent, Daniel Keller auf drei Prozent.
Diese Ergebnisse sind von den allgemeinen Zufriedenheitswerten der Politiker zu unterscheiden. Eine Bewertung der Amtsführung beantwortet eine andere Frage als die Unterstützung für eine mögliche Nachfolge an der Regierungsspitze.
Die Zahlen begründen zudem weder eine offizielle Kandidatur noch eine Personalentscheidung der SPD. Sie zeigen lediglich, welche Namen in der Diskussion stehen und welche Unterstützung ihnen in der betreffenden Befragung zugeschrieben wurde.
Für die Partei stellt sich damit eine doppelte Aufgabe. Sie muss ihre politische Position gegenüber der AfD verbessern und zugleich klären, mit welchem Spitzenpersonal sie in die nächste Landtagswahl gehen will. Beides ist miteinander verbunden, aber nicht identisch.
Dietmar Woidke bleibt für die Brandenburger SPD eine zentrale politische Figur. Seine lange Amtszeit, die Spitzenposition bei der persönlichen Zufriedenheit im Juni und die damalige Mehrheit für seinen Verbleib bis 2029 belegen seine besondere Stellung.
Doch die Umfrageentwicklung setzt dieser persönlichen Stärke eine klare Grenze. Während Woidke zuletzt deutlich besser bewertet wurde als andere Landespolitiker, erreicht seine SPD in der aktuellen Sonntagsfrage nur noch 20 Prozent. Die AfD liegt mit 40 Prozent weit vorn.
Die entscheidende Frage für die kommenden Jahre lautet deshalb nicht allein, ob Woidke persönlich beliebt bleibt. Für die SPD wird maßgeblich sein, ob sie aus dieser Popularität wieder stärkere Zustimmung für ihre Politik gewinnen kann – und ob Woidke selbst bei der nächsten Wahl noch einmal an ihrer Spitze steht.
Bis 2029 bleibt beides offen. Die jüngsten Zahlen zeigen jedoch bereits, wie stark sich die persönliche Stellung des Ministerpräsidenten von der politischen Lage seiner Partei unterscheidet.
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