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Neue Mehrheiten

Doppelwahl 2026 verschiebt die Machtverhältnisse in Berlin und Mecklenburg-Vorpommern

Wahlurnen und Stimmzettel als Darstellung der Wahlen in Mecklenburg-Vorpommern und Berlin
Symbolbild: KI-generiert. Die Wahlen in Mecklenburg-Vorpommern und Berlin haben die politischen Kräfteverhältnisse in beiden Ländern deutlich verändert.

Die Wahlen in Mecklenburg-Vorpommern und Berlin haben die politischen Kräfteverhältnisse deutlich verschoben. Während die AfD im Nordosten stärkste Kraft wird, gewinnt in der Hauptstadt erstmals die Linke eine Wahl zum Abgeordnetenhaus. Für die bisherigen Regierungsbündnisse reicht es in beiden Ländern nicht mehr – und einige der folgenreichsten Ergebnisse liegen nur wenige Zehntelprozentpunkte auseinander.

Berlin/Schwerin, 21. September 2026. Zwei Landtagswahlen an einem Sonntag, zwei unterschiedliche Sieger und zwei Parlamente, in denen neue Mehrheiten gesucht werden müssen. Die Wahlen in Mecklenburg-Vorpommern und Berlin haben keine einheitliche politische Bewegung hervorgebracht. Gerade der Kontrast zwischen beiden Ländern macht die Ergebnisse bemerkenswert.

In Mecklenburg-Vorpommern kommt die AfD nach dem vorläufigen Ergebnis auf 38,2 Prozent und wird stärkste Kraft. Die SPD von Ministerpräsidentin Manuela Schwesig erreicht 35,5 Prozent. In Berlin dreht sich das Bild: Dort gewinnt die Linke mit 25,7 Prozent die Wahl zum Abgeordnetenhaus. CDU, AfD, Grüne und SPD folgen mit deutlichem Abstand.

Hinter diesen Zahlen stehen mehrere Verschiebungen, die für die politische Lage nach dem Wahlsonntag entscheidend sind. Die bisherigen Koalitionen verlieren ihre Mehrheiten, die CDU erlebt in Mecklenburg-Vorpommern einen historischen Einbruch, und in Berlin fällt die SPD auf einen Tiefstand. Zugleich zeigen die Daten zur Wählerwanderung, wie stark die Wahlsieger auch frühere Nichtwähler mobilisieren konnten.

1. AfD und Linke prägen die Wahlen in Mecklenburg-Vorpommern und Berlin

Das auffälligste Ergebnis der Doppelwahl liegt in der Unterschiedlichkeit ihrer Sieger. In Mecklenburg-Vorpommern steht die AfD erstmals bei einer Landtagswahl an der Spitze. Mit 38,2 Prozent hat sie ihren Stimmenanteil gegenüber 2021 mehr als verdoppelt. Damals waren es 16,7 Prozent gewesen.

Die SPD verliert gegenüber der vergangenen Landtagswahl, bleibt aber dicht hinter der AfD. Sie erreicht 35,5 Prozent nach 39,6 Prozent im Jahr 2021. Zwischen beiden Parteien liegen damit lediglich 2,7 Prozentpunkte.

In Berlin verschieben sich die Kräfte in eine andere Richtung. Die Linke erreicht nach dem vorläufigen Ergebnis 25,7 Prozent und wird erstmals stärkste Partei bei einer Wahl zum Abgeordnetenhaus. Bei der Wiederholungswahl 2023 hatte sie 12,2 Prozent erhalten. Ihr Stimmenanteil hat sich damit innerhalb von gut dreieinhalb Jahren mehr als verdoppelt.

Dahinter folgt die CDU mit 18,8 Prozent. Die AfD erreicht 16,3 Prozent, die Grünen kommen auf 14,3 Prozent. Die SPD landet mit 12,1 Prozent nur noch auf dem fünften Platz.

Die beiden Wahlergebnisse lassen sich deshalb kaum zu einer einfachen bundespolitischen Erzählung verdichten. In Mecklenburg-Vorpommern gewinnt die AfD massiv hinzu, in Berlin die Linke. Gemeinsam ist beiden Ergebnissen vor allem eines: Die bisherigen Kräfteverhältnisse tragen nicht mehr.

2. Beide Regierungskoalitionen verlieren ihre Mehrheit

Für die Regierungsbildung ist nicht allein entscheidend, welche Partei auf Platz eins liegt. Entscheidend ist, welche Mehrheiten sich im neuen Parlament organisieren lassen. Genau hier ähneln sich die Wahlen in Mecklenburg-Vorpommern und Berlin stärker, als es die unterschiedlichen Wahlsieger zunächst vermuten lassen.

In Schwerin regierten bislang SPD und Linke gemeinsam. Diese Mehrheit ist nach dem vorläufigen Ergebnis verloren. Neben AfD und SPD ziehen die Linke mit 6,5 Prozent und die Grünen mit 5,7 Prozent in den Landtag ein.

Das Wichtigste in Kürze

Prüfstatus: developing

Was ist passiert?
In Mecklenburg-Vorpommern kommt die AfD nach dem vorläufigen Ergebnis auf 38,2 Prozent und wird stärkste Kraft.
Was ist passiert?
Die Linke erreicht nach dem vorläufigen Ergebnis 25,7 Prozent und wird erstmals stärkste Partei bei einer Wahl zum Abgeordnetenhaus.
Was bedeutet das?
In Schwerin regierten bislang SPD und Linke gemeinsam.
Was ist bestätigt?
In Mecklenburg-Vorpommern erreicht sie nach dem vorläufigen Ergebnis 4,9 Prozent.

Stand:

Rechnerisch verfügt eine Kombination aus SPD, Linken und Grünen über eine Mehrheit. Ob daraus tatsächlich eine Koalition entsteht, ist damit allerdings nicht entschieden. Das Wahlergebnis legt die möglichen Mehrheiten fest; die politische Verständigung darüber beginnt erst danach.

Auch in Berlin reicht es für die bisherige schwarz-rote Regierung aus CDU und SPD nicht mehr. Rechnerisch ergeben sich dort mehrere Dreierkonstellationen. Möglich wäre eine Verbindung aus Linken, Grünen und SPD. Ebenfalls über eine rechnerische Mehrheit verfügt eine Kombination aus CDU, Grünen und SPD.

Der Wahlabend hat damit zwar die bisherigen Regierungsmehrheiten beendet, die Nachfolge aber noch nicht geklärt.

3. Der Absturz der CDU in Mecklenburg-Vorpommern ist historisch

Zwischen den großen Zugewinnen von AfD und Linken steht ein Ergebnis, das für die CDU besonders schwer wiegt. In Mecklenburg-Vorpommern erreicht sie nach dem vorläufigen Ergebnis 4,9 Prozent. Damit würde sie den Einzug in den Landtag verpassen.

Laut NDR wäre es das erste Mal überhaupt, dass die CDU bei einer Landtagswahl an der Fünf-Prozent-Hürde scheitert. Schon ein Zehntelprozentpunkt mehr könnte die politische Wahrnehmung des Ergebnisses grundlegend verändern – nach dem derzeitigen Stand bleibt die Partei jedoch außerhalb des Schweriner Landtags.

Auch die Berlin-Wahl bringt der CDU deutliche Verluste. Mit 18,8 Prozent bleibt sie dort zwar zweitstärkste Kraft, verliert aber erheblich gegenüber der Wiederholungswahl von 2023, bei der sie noch 28,2 Prozent erreicht hatte.

Für die SPD liegt der besonders tiefe Einschnitt dagegen in Berlin. Nach Angaben der Tagesschau sind die dort erreichten 12,1 Prozent ihr bislang schlechtestes Ergebnis bei einer Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus. Das steht in auffälligem Kontrast zum Resultat in Mecklenburg-Vorpommern, wo die Partei trotz Verlusten 35,5 Prozent erreicht und nur knapp hinter der AfD landet.

Die Doppelwahl zeigt damit auch, wie unterschiedlich dieselben Parteien regional abschneiden können. Bundesweite Parteistärke und regionale Wahlergebnisse fallen keineswegs automatisch zusammen.

4. AfD und Linke holen Stimmen aus dem Nichtwählerlager

Die Verschiebungen zwischen den Parteien erklären nur einen Teil der Ergebnisse. Daten von infratest dimap zur Wählerwanderung deuten darauf hin, dass die beiden Wahlsieger auch Menschen mobilisieren konnten, die bei der jeweils vorherigen Wahl nicht gewählt hatten.

Für die AfD in Mecklenburg-Vorpommern schätzt das Modell einen Nettogewinn von rund 66.000 Stimmen aus dem Nichtwählerlager. Dazu kommen demnach netto etwa 48.000 Stimmen von früheren SPD-Wählern und rund 32.000 von der CDU.

Bei der Linken in Berlin fällt der geschätzte Zustrom aus dem Nichtwählerlager sogar noch etwas größer aus. Rund 75.000 Stimmen gewinnt sie dem Modell zufolge netto aus dieser Gruppe. Weitere rund 51.000 kommen von früheren Grünen-Wählern, etwa 36.000 von der SPD.

Diese Zahlen sind keine amtlichen Wahldaten über individuelle Wechsel. Wählerwanderungen beruhen auf statistischen Modellrechnungen. Sie können politische Bewegungen sichtbar machen, aber nicht den Weg jeder einzelnen Stimme rekonstruieren.

Für die Einordnung der Wahlen in Mecklenburg-Vorpommern und Berlin bleibt der Befund dennoch relevant: Die Zugewinne der stärksten Parteien beruhen nicht ausschließlich darauf, anderen Parteien Stimmen abzunehmen. Auch die Mobilisierung bisheriger Nichtwähler spielt nach diesen Berechnungen eine erhebliche Rolle.

5. Die Fünf-Prozent-Hürde verändert die Mehrheitsverhältnisse

Einige der politisch folgenreichsten Zahlen dieses Wahlsonntags stehen nicht bei den Siegern. Sie lauten 4,9, 4,8 und 4,7 Prozent.

In Mecklenburg-Vorpommern erreicht die CDU 4,9 Prozent, das BSW 4,8 Prozent. Beide Parteien bleiben nach dem vorläufigen Ergebnis unter der Fünf-Prozent-Hürde. In Berlin kommt das BSW auf 4,7 Prozent und verpasst ebenfalls den Einzug in das Abgeordnetenhaus.

Gleichzeitig liegen in Mecklenburg-Vorpommern die Linke mit 6,5 Prozent und die Grünen mit 5,7 Prozent oberhalb der Sperrklausel. Gerade diese Ergebnisse beeinflussen unmittelbar, welche rechnerischen Mehrheiten im neuen Landtag überhaupt möglich sind.

Das macht deutlich, warum der Blick allein auf die stärkste Partei zu kurz greift. Für die Machtverhältnisse in einem Parlament kann entscheidend sein, ob eine kleinere Partei wenige Zehntelprozentpunkte oberhalb oder unterhalb von fünf Prozent landet.

Die Ergebnisse sind zudem noch vorläufig. Für Mecklenburg-Vorpommern soll der Landeswahlausschuss das endgültige Ergebnis am 30. September feststellen. Bis dahin müssen insbesondere knappe Resultate entsprechend gekennzeichnet bleiben.

Klare Wahlsieger, offene Machtfragen

Die Wahlen in Mecklenburg-Vorpommern und Berlin haben eindeutige Gewinner hervorgebracht, aber keine fertigen Regierungen. Im Nordosten liegt die AfD mit 38,2 Prozent vorn, die SPD folgt mit 35,5 Prozent. In Berlin setzt sich die Linke mit 25,7 Prozent an die Spitze.

Mindestens ebenso wichtig ist, was dahinter passiert ist. Die bisherigen Regierungskoalitionen verlieren ihre Mehrheiten. Die CDU droht in Mecklenburg-Vorpommern erstmals bei einer Landtagswahl an der Fünf-Prozent-Hürde zu scheitern. Die Berliner SPD fällt auf ihr bislang schwächstes Ergebnis bei einer Abgeordnetenhauswahl. Das BSW bleibt in beiden Ländern knapp unter fünf Prozent.

Der Wahlsonntag hat damit die politischen Ausgangsbedingungen neu sortiert, aber noch nicht entschieden, wer künftig regiert. Erst die Gespräche der kommenden Tage werden zeigen, welche der rechnerisch möglichen Mehrheiten tatsächlich politisch tragfähig sind. Bis dahin steht vor allem fest: In beiden Ländern beginnt nach der Wahl eine neue Phase – und sie startet mit deutlich veränderten Kräfteverhältnissen.

Quellen

  1. Landtagswahl am 20. September 2026 in Mecklenburg-VorpommernLandeswahlleitung Mecklenburg-Vorpommern
  2. Ergebnisse Wahl zum 20. Abgeordnetenhaus von BerlinLandeswahlleiter Berlin
  3. Landtagswahl MV: AfD vor SPD – CDU ist mit 4,9 Prozent rausNDR
  4. Vorläufiges Ergebnis: AfD in Mecklenburg-Vorpommern vor SPD, Debakel für CDUTagesschau
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