TUI hat im dritten Geschäftsquartal deutlich weniger verdient als ein Jahr zuvor und zugleich die Erwartungen des Marktes verfehlt. Vor allem das Veranstalter- und Airlinegeschäft steht unter Druck, während geopolitische Risiken und höhere Kosten die Bilanz zusätzlich belasten. Dennoch hält der Reisekonzern an seiner Jahresprognose fest – auch weil sich die kurzfristigen Buchungen zuletzt wieder verbessert haben.
Hannover, 12. August 2026 – Beim Reisekonzern TUI ist das wichtige Sommergeschäft schwächer angelaufen als im Vorjahr. Im dritten Geschäftsquartal von April bis Juni sank das bereinigte operative Ergebnis deutlich. TUI erzielte rund 235 Millionen Euro bereinigtes EBIT, nach etwa 321 Millionen Euro im entsprechenden Vorjahreszeitraum. Das entspricht einem Rückgang von knapp 27 Prozent.
Auch beim Umsatz musste TUI Einbußen hinnehmen. Die Erlöse gingen von rund 6,20 Milliarden Euro auf etwa 5,82 Milliarden Euro zurück. Noch deutlicher fiel der Rückgang beim den Aktionären zurechenbaren Gewinn aus: Er verringerte sich von rund 183 Millionen Euro auf etwa 82 Millionen Euro.
TUI-Gewinn bleibt unter den Erwartungen
Die Quartalszahlen fielen damit nicht nur schwächer aus als vor einem Jahr, sondern auch schlechter als von Analysten erwartet. Laut Reuters lag der Marktkonsens für das bereinigte operative Ergebnis bei rund 274 Millionen Euro. TUI blieb mit etwa 235 Millionen Euro deutlich darunter.
| Kennzahl | 3. Quartal 2026 | Vorjahresquartal |
|---|---|---|
| Umsatz | rund 5,82 Mrd. Euro | rund 6,20 Mrd. Euro |
| Bereinigtes EBIT | rund 235 Mio. Euro | rund 321 Mio. Euro |
| Den Aktionären zurechenbarer Gewinn | rund 82 Mio. Euro | rund 183 Mio. Euro |
Der Rückgang zieht sich damit durch mehrere zentrale Kennzahlen. Neben dem bereinigten EBIT fiel auch das berichtete operative Ergebnis. Das Ergebnis vor Steuern sank ebenfalls. TUI blieb jedoch profitabel und befindet sich nicht in der Verlustzone.
Für die Einordnung der Zahlen ist vor allem das bereinigte EBIT entscheidend. Diese Kennzahl bildet das operative Geschäft ohne bestimmte Sondereffekte ab und spielt bei TUI eine zentrale Rolle für die Jahresprognose. Gerade hier zeigt sich, wie deutlich der Konzern im dritten Quartal hinter dem Vorjahresniveau zurückblieb.
Das Wichtigste zusammengefasst
TUI hat im dritten Geschäftsquartal weniger verdient als im Vorjahr und die Markterwartungen verfehlt. Trotz Belastungen durch schwächere Nachfrage, höhere Kosten und geopolitische Unsicherheit hält der Konzern an seiner Jahresprognose fest.
- Was ist passiert?
- TUI erzielte rund 235 Millionen Euro bereinigtes EBIT, nach etwa 321 Millionen Euro im entsprechenden Vorjahreszeitraum.
- Was ist bestätigt?
- Laut Reuters lag der Marktkonsens für das bereinigte operative Ergebnis bei rund 274 Millionen Euro.
- Was bedeutet das?
- Das entspricht einem Rückgang von knapp 27 Prozent.
- Was gilt konkret?
- Der Konzern erwartet für das gesamte Geschäftsjahr weiterhin ein bereinigtes EBIT zwischen 1,1 und 1,4 Milliarden Euro.
- Was ist noch offen?
- Ob das reicht, um den Rückstand aus den ersten neun Monaten aufzuholen, bleibt offen.
Iran-Krieg und höhere Kosten belasten das Geschäft
Nach Angaben von TUI kamen im Quartal mehrere Belastungen zusammen. Dazu zählen die geopolitischen Unsicherheiten infolge des Iran-Krieges, eine schwächere Nachfrage in Teilen des östlichen Mittelmeerraums, höhere Treibstoffkosten sowie stärkerer Preisdruck im Veranstalter- und Airlinegeschäft.
Besonders sichtbar wird die Entwicklung im Bereich Markets + Airline. Dort rutschte das bereinigte operative Ergebnis ins Minus. Nach einem Gewinn von rund 50 Millionen Euro im Vorjahresquartal stand nun ein Verlust von rund 17 Millionen Euro. Damit entwickelte sich dieser Unternehmensbereich deutlich schwächer als andere Segmente des Konzerns.
TUI reagiert bereits auf die veränderte Nachfrage. Der Konzern reduzierte seine sogenannte Airline-Risikokapazität um etwa fünf Prozent. Damit soll das Angebot stärker an ein Buchungsverhalten angepasst werden, das kurzfristiger und schwieriger planbar geworden ist.
Kreuzfahrtgeschäft ebenfalls belastet
Auch die Kreuzfahrtsparte bekam die geopolitische Lage zu spüren. Zwei Schiffe lagen wegen der Sicherheitslage zeitweise in der Golfregion. TUI bezifferte den daraus entstandenen negativen Effekt im dritten Quartal auf rund 20 Millionen Euro.
Das bereinigte EBIT der Kreuzfahrtsparte lag dennoch bei rund 132 Millionen Euro. Im Vorjahr waren es knapp 143 Millionen Euro gewesen. Der Rückgang fällt damit deutlich geringer aus als im Veranstalter- und Airlinegeschäft.
Auch im Segment Hotels & Resorts sank das Ergebnis. Das bereinigte EBIT ging von rund 131 Millionen Euro auf etwa 123 Millionen Euro zurück. Gleichzeitig fiel die Auslastung um fünf Prozentpunkte auf 77 Prozent.
In den ersten neun Monaten des laufenden Geschäftsjahres summierten sich die von TUI ausgewiesenen Belastungen durch den Iran-Krieg und einen Hurrikan in Jamaika auf rund 81 Millionen Euro. Der Konzern verweist darauf, dass das operative Ergebnis ohne diese Sondereffekte über dem entsprechenden Vorjahreswert gelegen hätte.
Kunden buchen Reisen zunehmend kurzfristiger
Für TUI ist nicht nur die Höhe der Nachfrage entscheidend, sondern zunehmend auch der Zeitpunkt der Buchungen. Der Konzern beobachtet, dass viele Kunden ihre Reisen später als früher festlegen. Das erschwert die Planung von Flugkapazitäten, Hotelkontingenten und Pauschalreisen.
Die Entwicklung ist allerdings nicht durchgehend negativ. In den vier Wochen vor Veröffentlichung der Quartalszahlen lag der gebuchte Umsatz für den Sommer nach Angaben von TUI sieben Prozent über dem entsprechenden Vorjahreszeitraum. Das deutet auf eine Belebung bei kurzfristigen Buchungen hin.
Für die gesamte Sommersaison fällt das Bild jedoch weiterhin schwächer aus. Im Veranstalter- und Airlinegeschäft lag der gebuchte Umsatz sechs Prozent unter dem Vorjahreswert. Die jüngere Dynamik konnte den Rückstand bislang also nicht vollständig ausgleichen.
- Spanien mit Balearen und Kanaren gehört zu den stärker nachgefragten Zielen.
- Auch Griechenland zählt laut TUI zu den gefragten Reiseländern.
- Im dritten Geschäftsquartal betreute der Konzern rund 9,9 Millionen Kunden.
- Die Kundenzahl lag damit etwa drei Prozent unter dem Vorjahresniveau.
Für den weiteren Verlauf des Geschäftsjahres wird entscheidend sein, ob sich die kurzfristige Nachfrage fortsetzt. Gerade weil viele Reisen inzwischen später gebucht werden, kann sich das Bild innerhalb weniger Wochen spürbar verändern.
TUI hält an der Jahresprognose fest
Trotz des schwächeren Quartals sieht TUI bislang keinen Anlass, die Gewinnprognose erneut anzupassen. Der Konzern erwartet für das gesamte Geschäftsjahr weiterhin ein bereinigtes EBIT zwischen 1,1 und 1,4 Milliarden Euro.
Im vergangenen Geschäftsjahr hatte TUI rund 1,4 Milliarden Euro erreicht. Das aktuelle Zielkorridor reicht damit bis an den Vorjahreswert heran, lässt aber zugleich Raum für ein deutlich schwächeres Ergebnis.
Eine Umsatzprognose für das Gesamtjahr gibt TUI dagegen weiterhin nicht ab. Diese hatte der Konzern bereits im Frühjahr ausgesetzt. Nach den ersten neun Monaten des laufenden Geschäftsjahres lag der Umsatz bei rund 14,5 Milliarden Euro. Auf vergleichbarer Wechselkursbasis entspricht das einem Rückgang von etwa 1,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr.
Auch beim bereinigten EBIT der ersten neun Monate zeigt sich der Druck. Zu konstanten Wechselkursen erreichte TUI rund 123 Millionen Euro. Ein Jahr zuvor waren es etwa 165 Millionen Euro.
Der Blick richtet sich nun auf den Rest der Sommersaison
Die aktuellen TUI-Zahlen zeigen einen Konzern, der weiter profitabel arbeitet, zugleich aber deutlich stärker unter Druck steht als im Vorjahr. Der Gewinn ist gesunken, der Umsatz ebenfalls. Besonders das Veranstalter- und Airlinegeschäft leidet unter schwächerer Nachfrage, höheren Kosten und geopolitischen Unsicherheiten.
Dass TUI seine Jahresprognose dennoch bestätigt, stützt sich vor allem auf die zuletzt wieder stärkeren kurzfristigen Buchungen und die Erwartung, die Kapazitäten flexibler anpassen zu können. Ob das reicht, um den Rückstand aus den ersten neun Monaten aufzuholen, bleibt offen.
Die vollständigen Zahlen für das Geschäftsjahr 2026 will TUI am 9. Dezember vorlegen. Dann wird sich zeigen, ob der Reisekonzern trotz des deutlichen Gewinnrückgangs im dritten Quartal innerhalb der bestätigten Spanne für das bereinigte operative Ergebnis bleibt.





















