Globale Klimakrise
UN-Klimabericht 2026: Trotz neuer Zusagen drohen 2,8 Grad Erderwärmung

Globale Klimakrise

Die globale Erwärmung könnte bei unveränderter Klimapolitik auf 2,8 Grad steigen. Das geht aus dem neuen Klimabericht des Umweltprogramms der Vereinten Nationen hervor. Selbst bei vollständiger Umsetzung aller nationalen Klimazusagen würde die Erderwärmung voraussichtlich 2,6 Grad erreichen – und damit die Ziele des Pariser Klimaabkommens deutlich verfehlen. Wie groß die Lücke zwischen politischen Versprechen und notwendigen Emissionssenkungen inzwischen ist, zeigen die neuen Berechnungen.
Nairobi, 21. Oktober 2026 – Die Weltgemeinschaft kommt beim Klimaschutz nicht schnell genug voran. Trotz internationaler Vereinbarungen, nationaler Reduktionsziele und des Ausbaus erneuerbarer Energien reichen die bisherigen Maßnahmen nicht aus, um die Erderwärmung wirksam zu begrenzen. Zu diesem Ergebnis kommt das Umweltprogramm der Vereinten Nationen (UNEP) in seinem Emissions Gap Report 2026.
Die zentrale Zahl des Berichts: Setzen die Staaten ihre gegenwärtige Klimapolitik fort, könnte die globale Durchschnittstemperatur um rund 2,8 Grad Celsius gegenüber dem vorindustriellen Niveau steigen. Nach Einschätzung der UN wäre dieses Erwärmungsniveau bereits innerhalb des laufenden Jahrhunderts möglich. Danach könnte die Temperatur weiter zunehmen.
Die 2,8 Grad sind keine unausweichliche Prognose. Sie beschreiben eine mögliche Entwicklung unter den derzeit geltenden politischen Rahmenbedingungen. Wie stark sich die Erde tatsächlich erwärmt, hängt davon ab, wie schnell und in welchem Umfang die weltweiten Treibhausgasemissionen sinken.
Zwischen den angekündigten Klimazielen und den tatsächlich umgesetzten Maßnahmen besteht weiterhin eine erhebliche Lücke. Der neue UN-Klimabericht untersucht deshalb mehrere Szenarien, die unterschiedliche politische Entwicklungen berücksichtigen.
Bei unveränderter Klimapolitik liegt die berechnete Erderwärmung bei etwa 2,8 Grad. Würden sämtliche nationalen Klimazusagen vollständig eingehalten, könnte sich der Temperaturanstieg auf rund 2,6 Grad begrenzen. Das wäre ein Fortschritt gegenüber dem Szenario mit bestehenden Maßnahmen, würde die international vereinbarten Klimaziele jedoch weiterhin deutlich verfehlen.
Auch die zusätzlichen langfristigen Zusagen vieler Staaten, ihre Treibhausgasemissionen auf netto null zu senken, ändern an dieser grundsätzlichen Einschätzung wenig. Bei vollständiger Umsetzung dieser Ziele ergibt sich laut UNEP eine Erwärmungsprojektion von ungefähr 2,1 Grad.
Die wichtigsten Szenarien des Berichts im Überblick:
| Szenario | Globale Erwärmung |
|---|---|
| Fortsetzung der derzeitigen Klimapolitik | Rund 2,8 °C |
| Vollständige Umsetzung nationaler Klimazusagen | Rund 2,6 °C |
| Zusätzliche Umsetzung langfristiger Netto-Null-Ziele | Rund 2,1 °C |
| Pariser Klimaziel | Deutlich unter 2 °C, möglichst 1,5 °C |
Der Unterschied zwischen diesen Szenarien ist politisch entscheidend. Klimazusagen allein senken noch keine Emissionen. Erst wenn Regierungen ihre Ziele in wirksame Maßnahmen überführen und diese tatsächlich umgesetzt werden, verändern sich die Voraussetzungen für die künftige Temperaturentwicklung.
Das Pariser Klimaabkommen sieht vor, den Anstieg der globalen Durchschnittstemperatur auf deutlich unter zwei Grad gegenüber dem vorindustriellen Niveau zu begrenzen. Zugleich sollen die Staaten Anstrengungen unternehmen, die Erwärmung auf 1,5 Grad zu beschränken.
Von diesem Ziel ist die Welt nach den neuen Berechnungen weit entfernt. Selbst das ambitionierteste untersuchte Szenario sieht zunächst eine Überschreitung der 1,5-Grad-Grenze vor.
Für die Mitte des Jahrhunderts berechnet das UN-Umweltprogramm einen vorübergehenden Temperaturanstieg auf 1,7 bis 1,8 Grad. Anschließend könnte die globale Erwärmung wieder zurückgehen – allerdings nur unter besonders anspruchsvollen Voraussetzungen.
Nach Angaben von UNEP besteht in diesem Szenario eine Wahrscheinlichkeit von ungefähr 50 Prozent, die Erwärmung bis zum Jahr 2100 wieder auf höchstens 1,5 Grad zu begrenzen. Eine sichere Rückkehr zu diesem Wert lässt sich daraus nicht ableiten.
Der UN-Klimabericht 2026 prognostiziert bei Fortsetzung der gegenwärtigen Klimapolitik eine globale Erwärmung von rund 2,8 Grad. Selbst vollständig umgesetzte nationale Klimazusagen würden nach UNEP-Berechnungen nicht ausreichen, um die Ziele des Pariser Klimaabkommens einzuhalten.
Wie groß der Handlungsbedarf ist, zeigen die im Bericht untersuchten Emissionspfade. Nach der aktuellen Berichterstattung der Nachrichtenagentur Reuters wären erhebliche Einsparungen gegenüber dem weltweiten Emissionsniveau von 2025 notwendig.
Für einen ambitionierten Klimapfad werden folgende Größenordnungen genannt:
Die bislang vorliegenden nationalen Klimapläne bleiben erheblich hinter diesen Größenordnungen zurück. Reuters zufolge würden sie bis 2030 lediglich eine Verringerung um etwa fünf bis acht Prozent im entsprechenden Vergleich bewirken.
Damit konzentriert sich die Herausforderung nicht allein auf die zweite Hälfte des Jahrhunderts. Bereits in den kommenden Jahren müssten die Emissionen wesentlich stärker sinken, als es die gegenwärtigen politischen Zusagen erwarten lassen.
Das Ausmaß der erforderlichen Veränderungen erklärt auch, weshalb die UN trotz bestehender Klimaschutzprogramme weiterhin vor einer erheblichen Erwärmung warnt. Zwischen der angestrebten Entwicklung und den tatsächlich erwarteten Emissionen liegt nach wie vor ein beträchtlicher Abstand.
Besonders hohe Anforderungen stellt das Szenario, in dem die globale Erwärmung nach einer zeitweiligen Überschreitung wieder auf 1,5 Grad sinken könnte.
Zusätzlich zu drastischen Emissionsminderungen wäre dafür nach Berechnungen des UN-Umweltprogramms die dauerhafte Entnahme von ungefähr 320 Milliarden Tonnen Kohlendioxid aus der Atmosphäre erforderlich.
Gemeint sind Verfahren, die bereits freigesetztes CO₂ wieder aus der Luft entfernen und langfristig binden. Die im Bericht genannte Menge beschreibt allerdings keine heute gesicherte technische Kapazität. Sie ist eine rechnerische Voraussetzung des untersuchten Klimapfads.
Ob sich eine solche Größenordnung tatsächlich erreichen lässt, wird durch die Temperaturprojektion allein nicht beantwortet. Der Bericht zeigt vielmehr, wie weitreichend die zusätzlichen Anstrengungen wären, um eine spätere Rückkehr zur 1,5-Grad-Grenze zu ermöglichen.
Die weltweite Klimabilanz setzt sich aus sehr unterschiedlichen nationalen Entwicklungen zusammen. Während einige Volkswirtschaften ihre Treibhausgasemissionen verringern, steigt der Ausstoß in anderen Ländern weiter.
Nach Angaben der Nachrichtenagentur Associated Press trugen die Vereinigten Staaten im Jahr 2025 erheblich zum weltweiten Emissionsanstieg bei. Eine höhere Stromnachfrage sowie ein stärkerer Einsatz von Kohle spielten dabei eine Rolle.
Die Financial Times berichtete zudem über steigende Emissionen unter anderem in China und Indonesien. Für die Europäische Union und Indien wurden dagegen Rückgänge ausgewiesen.
Aus einzelnen Jahreswerten lässt sich allerdings nicht ohne Weiteres ein langfristiger Trend ableiten. Die Entwicklung der Treibhausgasemissionen wird von zahlreichen Faktoren beeinflusst, darunter Energieverbrauch, Stromerzeugung und wirtschaftliche Veränderungen.
Das UN-Umweltprogramm verweist zugleich auf bereits vorhandene Möglichkeiten, den Ausstoß klimaschädlicher Gase zu reduzieren. Dazu zählt insbesondere der weitere Ausbau erneuerbarer Energien. Die entscheidende Frage bleibt, ob solche Fortschritte schnell genug erfolgen, um die weltweiten Gesamtemissionen deutlich zu senken.
Bereits im November 2025 hatte das UN-Umweltprogramm vor einer globalen Erwärmung von rund 2,8 Grad bei Fortsetzung der damaligen Klimapolitik gewarnt. Die zentrale Temperaturprojektion ist deshalb nicht erstmals im Bericht von 2026 enthalten.
Verändert hat sich jedoch die Bewertung der nationalen Klimazusagen. Im Vorjahresbericht lag die erwartete Erderwärmung bei vollständiger Umsetzung dieser Zusagen zwischen 2,3 und 2,5 Grad. Der aktuelle Bericht nennt dafür rund 2,6 Grad.
Die neue Einschätzung fällt damit ungünstiger aus. Ein direkter Vergleich verlangt allerdings Vorsicht: Änderungen der wissenschaftlichen Berechnungsgrundlagen und der zugrunde liegenden Annahmen können die Ergebnisse beeinflussen.
Schon im Bericht von 2025 hatte UNEP darauf hingewiesen, dass Veränderungen der Temperaturprojektionen teilweise auf methodischen Anpassungen beruhten. Die Differenz zwischen den Berichtsjahren lässt sich daher nicht ausschließlich als Folge einer veränderten Klimapolitik interpretieren.
Die UN-Prognose beschreibt den möglichen Anstieg der globalen Durchschnittstemperatur gegenüber dem vorindustriellen Niveau. Sie bedeutet weder, dass sich die Erde bereits um 2,8 Grad erwärmt hat, noch dass dieser Wert zu einem bestimmten Zeitpunkt zwangsläufig erreicht wird.
Entscheidend sind die Annahmen, auf denen die Berechnung beruht. Werden die gegenwärtigen Klimaschutzmaßnahmen unverändert fortgesetzt, ergibt sich ein anderer Temperaturpfad als bei zusätzlichen und tatsächlich wirksamen Emissionsminderungen.
Auch regionale Entwicklungen lassen sich aus dem globalen Wert nicht unmittelbar ablesen. Welche konkreten Veränderungen beispielsweise für Deutschland zu erwarten wären, müsste anhand zusätzlicher regionaler Klimastudien untersucht werden.
Ebenso wenig erlaubt die Projektion, einzelne künftige Extremwetterereignisse an bestimmten Orten oder zu bestimmten Zeitpunkten vorherzusagen. Der UN-Bericht bewertet die langfristige Entwicklung des Weltklimas, nicht das Wetter einzelner Regionen.
Die Aussagekraft der 2,8-Grad-Zahl liegt damit vor allem in der Gegenüberstellung unterschiedlicher politischer Szenarien. Sie macht sichtbar, wie stark die langfristige Temperaturentwicklung von den künftigen Treibhausgasemissionen abhängt.
Der Emissions Gap Report 2026 bestätigt eine Entwicklung, vor der die Vereinten Nationen seit Jahren warnen: Die internationale Klimapolitik reicht bislang nicht aus, um die vereinbarten Temperaturziele einzuhalten.
Die Projektion von 2,8 Grad bei unveränderter Politik steht einer Erwärmung von rund 2,6 Grad gegenüber, falls sämtliche nationalen Klimazusagen umgesetzt werden. Selbst zusätzliche langfristige Netto-Null-Ziele würden nach der aktuellen Bewertung noch nicht genügen, um die Erwärmung auf deutlich unter zwei Grad zu begrenzen.
Die Unterschiede zwischen den Szenarien zeigen allerdings auch, dass die weitere Entwicklung nicht feststeht. Zusätzliche Emissionsminderungen können den langfristigen Temperaturanstieg beeinflussen. Dafür müssten die Staaten ihre angekündigten Ziele in wirksame Politik überführen und die tatsächlichen Emissionen deutlich schneller reduzieren.
Ob die internationale Klimapolitik diesen Abstand verkleinern kann, wird sich vor allem an den messbaren Entwicklungen der kommenden Jahre zeigen. Die UN-Berechnungen liefern dafür einen klaren Maßstab: Nicht die Zahl der Klimaversprechen ist entscheidend, sondern die Menge an Treibhausgasen, die weltweit tatsächlich noch ausgestoßen wird.
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